Zeil am Main
Heimatgeschichte

Vor 400 Jahren starb der Fürstbischof

Julius Echter hat in der Region Spuren hinterlassen, wie kaum ein anderer.Ludwig Leisentritt begab sich auf die Spuren einer umstrittenen Persönlichkeit.
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Die von Julius Echter gegründete Würzburger Universität bezieht noch heute Pachteinnahmen aus den Liegenschaften des ehemaligen Klosters Mariaburghausen. Links sind die zwei die zwei Juliushelme der Haßfurter Stadtpfarrkirche zu sehen.
Die von Julius Echter gegründete Würzburger Universität bezieht noch heute Pachteinnahmen aus den Liegenschaften des ehemaligen Klosters Mariaburghausen. Links sind die zwei die zwei Juliushelme der Haßfurter Stadtpfarrkirche zu sehen.
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Der Bamberger Bischof Fuchs von Dornheim war bei Weitem nicht so lange in Amt und Würden wie sein Würzburger Kollege Julius Echter von Mespelbrunn. An beiden klebt bis heute das Attribut "Hexenbrenner". Während der Bamberger Bischof fast ausschließlich mit dem Hexenwahn in Verbindung gebracht wird, sind die Verdienste seines Würzburger Amtsbruders ungemein vielfältig und die Spuren seines Wirkens noch heute sichtbar.

Möglicherweise wäre der unterfränkische Raum ohne Julius Echter heute, wie große Teile Frankens, nicht tief katholisch sondern protestantisch geprägt. Deutlich wird das auch, wenn man sich mit der Reformation gerade in unserer Region befasst. Zeitweise waren nach der Reformation über einige Jahrzehnte viele der heute katholischen Gemeinden stramm protestantisch ausgerichtet. Die Lehre Luthers war hier auf fruchtbaren Boden gefallen.


Echter und die Protestanten

1586 besuchte Julius Echter zahlreiche Amtsstädte, darunter auch Haßfurt, um systematisch gegen den Protestantismus vorzugehen. Er ließ an Sonn- und Feiertagen vormittags die Stadttore schließen, um den protestantischen Sympathisanten den Besuch von Kirchen in den angrenzenden sächsischen Gemeinden zu unterbinden. Die Bewohner zeigten anfangs wenig Neigung, zum alten Glauben zurückzukehren.

Die Mehrzahl der Haßfurter wurde wieder katholisch, wohl einige wenige verzogen in protestantische Gebiete. Im bambergischen Zeil, das in kirchlichen Dingen dem Würzburger Bischof unterstand, sind keine Emigrationen größeren Ausmaßes nachweisbar. Das lässt vermuten, dass sich die Bevölkerung im Laufe der Zeit wieder zum alten Glauben zurückführen ließ.

Vergeblich hatten 1595 die Zeiler Protestanten den Bamberger Bischof angefleht, er möge sie doch nicht mit Weib und Kindern ins Exil und Elend stoßen und ihnen doch in diesen betrüblichen Zeiten ihr "pißlein brodt" unter dem Schutz und Schirm der fürstlichen Gnaden verzehren lassen. Doch es galt in den Hochstiften Bamberg und Würzburg bei beiden Konfessionen der Grundsatz "Wes Brot ich ess", des Lied ich sing"; genauer gesagt: des Kirchenlied ich sing.


"Katholische Protestanten"

Julius Echter erkannte das Recht des protestantischen Adels an, die früheren katholischen Seelsorgestellen zu besetzen, verlangte jedoch, dass katholische Priester die geistliche Gesetzgebung über die ehemals katholischen Untertanen ausüben. So durften die pfarrlichen Akte der Taufe, Trauung und Beerdigung nur von ihnen vorgenommen werden. Das katholische Pfarramt Zeil übte dieses Recht noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts im protestantischen Bischofsheim aus, wo die Bewohner gewissermaßen als "katholische Protestanten" galten.
Und auch in Sechsthal hatte der katholische Pfarrer von Prappach lange Zeit verbriefte Rechte. Die katholischen Geistlichen beanspruchten noch bis 1890 das Recht, unter der Dorflinde in Sechsthal eine Kirchweihpredigt zu halten, die anzuhören die örtlichen Protestanten verpflichtet waren.


Hexenbrenner oder -retter?

Ein Flugblatt berichtet 1616, Julius Echter habe alle Zentgrafen seines Hochstifts in Gerolzhofen zusammengerufen und ihnen geboten, Verdächtige aufzulisten und überführte Hexen mit dem Feuer zu richten. Er wolle, so heißt es dort, "das Ungeziffer gentzlich außrotten".

Im gleichen Jahr verurteilte das dortige Zentgericht zwei Frauen zum Tod. Beide - so der Vorwurf - hätten "mit Ihrer zauberischen undt deufflischen Kunst, nit allein Gott dem Allmechtigen undt der heiligen dreyfaldichkeyt undt allen seinen Heiligen abgesagt undt dem Deuffel zue", sie hätten Vieh "gesterbt" und Menschen gelähmt und Missbrauch mit dem Allerheiligsten begangen.

Wie Bezirksheimatpfleger Prof. Günter Dippold unlängst in einem Vortrag in Zeil ausführte, habe Julius Echter ein Jahr vor seinem Tod das Urteil genehmigt. Er milderte es lediglich dahingehend ab, man solle den Frauen Säckchen mit Schießpulver umhängen, "darmit solche in Anzündung des Feuers desto ehr der Pein entledigt werden".
Dass während der Regierungszeit des in vielerlei Hinsicht so fortschrittlichen Kirchenfürsten Echter Hexenprozesse geführt wurden und die Hexenverfolgung am Ende seiner Regierungszeit einen makabren Höhepunkt erreichte, lässt sich nach Überzeugung von Wissenschaftlern nur mit seinem Hexenglauben erklären und mit seiner Befangenheit im Gedankengut seiner Zeit. Ein weiterer Vorwurf lautet: Echter sei in der Hexenfrage unbelehrbar und fanatisch gewesen.
2014 entdeckte der Historiker Robert Meier im Staatsarchiv Wertheim Quellen, die das bislang gängige Julius-Echter-Bild in Bezug auf die Mitschuld an den Hexenverfolgungen im Hochstift Würzburg ins Wanken bringen. Danach sei Echter nicht der "Hexenbrenner" wie er bislang bezeichnet wurde. Vielmehr sei er eher als "Hexenretter" aufgetreten.
Es seien die Dorfbewohner gewesen, die Mitbürger der Hexerei beschuldigten, während das Zentamt auf Folterung und Hinrichtung gedrängt habe. Die Kanzlei Julius Echters habe dagegen ordentliche Verfahren, mehr Indizien und auch Freilassungen gefordert.
Vermutlich ist der alternde Fürstbischof in den letzten Regierungsjahren von seinem Umfeld zur härteren Gangart gegenüber den vermeintlichen Hexen veranlasst worden.


Echter und die Juden

Fürstbischof Friedrich von Wirsberg ließ 1560 die Juden aus Würzburg und anderen Städten des Hochstiftes vertreiben. 15 Jahre später wurden von seinem Nachfolger Fürstbischof Julius Echter die Juden im gesamten Hochstift ausgewiesen. Weil daraufhin der jüdische Friedhof in Würzburg nicht mehr benötigt wurde, ließ Echter auf dem Grund und Boden dieser Ruhestätte das heutige Julius-Spital errichten.
Der Fürstbischof verstieß damit gegen den jüdischen Grundsatz, dass die dauerhafte Totenruhe im Judentum unantastbar ist. Seit 2013 steht im Innenhof des Juliusspitals eine Gedenkstele zur Erinnerung an den einstigen mittelalterlichen jüdischen Friedhof.


Bauherr und Reformer

Neben anderen Fürstbischöfen - wie z. B. den Schönborns - ist auch Julius Echter als baufreudiger Fürst in die Geschichte eingegangen. Die Untertanen haben davon profitiert, fanden sie doch dabei Arbeit und Brot. Echter prägte in seinem Hochstift ganze Landschaften. 200 Pfarr- und Schulhäuser hat er errichten lassen. 300 Kirchen wurden von ihm erbaut oder renoviert. Typisches Zeichen ist der stilprägende spitze Echterturm, mit dem achteckigen Helm auf einem quadratischen Grundriss. Etwa 140 solcher Türme gibt es noch im heutigen Regierungsbezirk.


Echter als Wohltäter

1597 ließ Echter in Haßfurt im Schatten der Ritterkapelle das bereits bestehende marode Spital neu errichten. Es diente bis zur Eröffnung des modernen Caritas-Altenheimes St. Bruno in den 1980er Jahren als Unterkunft für arme, kranke und schwache Bürger. Heute ist in dem Julius-Echter-Haus eine außerordentlich umfangreiche Beratungsstelle der Caritas für Familien, Kinder, Jugendliche und Erwachsene untergebracht.
Volker Grumbach hat in seinem Buch über das ehemalige Bürgerspital die "Schlitzohrigkeit" des Fürstbischofs beschrieben, mit der er die Stadt Haßfurt dazu brachte, Geld für dieses Projekt locker zu machen. Echter stattete mit einem Stiftungsbrief das Spital finanziell so aus, dass es bestehen konnte. Und so war es auch gerechtfertigt, dass der Fürst, wie überall in seinem Hochstift, auf einer steinernen Tafel eine Inschrift anbringen ließ, die den Fürstbischof bis heute ins rechte Licht rückt. Er war - nach Meinung vieler Historiker - ein Meister der bewussten Selbstinszenierung als Ideal eines gerechten und weisen Herrschers.
Ebenso war das bereits im 14. Jahrhundert gestiftete Spital in Ebern, so heruntergekommen, dass Echter auch hier einen Neubau aufführen ließ. Die Stadt zeigte sich später dankbar und benannte nach Julius Echter eine Straße. Sie ist nur eine der unzähligen Straßen im ehemaligen Hochstift Würzburg, die nach dem einstigen Fürstbischof benannt wurden. Aber auch Schulen und Apotheken, Weine und Biere führen und tragen seinen Namen. Nicht zu vergessen, das Julius-Spital und der Echter-Verlag in Würzburg. Schon bei der Bestattung Echters vor genau 400 Jahren prophezeite man ihm, dass sein Ruhm die Jahrhunderte überdauern werde.


Der Schatz und das Herz

Durch einen strengen Sparkurs, einer umfangreichen Verwaltungsreform und den Einzug von weltlichen und geistlichen Vermögen, führte Echter das Bistum aus der tiefen Verschuldung heraus und das, ohne die Steuern erhöhen zu müssen.
Echter liebte die von ihm erbaute Universitätskirche (Neubaukirche). So verfügte er, dass sein Leichnam im Kiliansdom ruhen soll, seine Eingeweide wurden auf der Marienburg in der Schlosskirche, sein Herz in der Neubaukirche beigesetzt. Hier ist der biblische Spruch zu lesen: "Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz."


Echt Echter

Mariaburghausen Mit dem Tod der letzten Äbtissin im Kloster Mariaburghausen, war 1582 das Kloster verwaist. Julius Echter zog es zusammen mit noch weiteren Frauenklöstern zugunsten seiner Spital- und Universitätsstiftung ein. Die Universität Würzburg bezieht noch heute Einnahmen aus den Liegenschaften des Gutes.

Weinglocke Für die Gaststuben erließ Julius Echter folgende strenge Verordnung: "Nachdem das Langsitzen in Wirtshäusern auch den Eingesessenen wegen des unnötigen Aufwendens und Verschwendens an Weib und Kind und einer Haushaltung ganz schädlich" durfte man nur sitzen bis die Weinglocke läutete. Die Weinglocke läutete am Abend im Sommer um 9 Uhr, und im Winter um 8 Uhr.

Missbrauch 1584 ging Julius Echter gegen Missbräuche am Fest Drei König vor. In einem Erlass beklagte er, dass Rotten in weißen Hemden als Heilige Drei Könige mit einem getragenen Stern herumlaufen und singen. Es seien meist "starke Metzgers- Häckers- und dergleichen Buben und Gesinde," welche die Leute, die keine Spenden geben, "ganz bedrohlich und verächtlich angingen und mit Hohn und Spott überhäufen." Echter erlaubte nur noch den Schülern den Brauch weiter auszuüben.

Messgewand Reste eines stark zerfledderten gelblichen Messgewandes von Julius Echter befinden sich heute in einer Kirche in Linköping/Schweden. Schwedische Landsknechte hatten während des Dreißigjährigen Krieges den größten Teil des Gewandes in einer Brühe verkocht und als Mittel gegen Gelbsucht getrunken.

Holzrechte Manches Gutgemeinte entpuppt sich später als Quelle eines Konflikts. In der Zeit der Gegenreformation ließ Julius Echter sehr freigiebig Holzrechte an Stettfelder Bürger verteilen. Mancher vermutet, dass man sich in diesem Grenzgebiet die Einheimischen gewogen machen und für etwaigen Zoff stärken wollte.

Wallburg Es war Julius Echter, der die nach dem Bauernkrieg 1525 schwer beschädigte Wallburg in Eltmann wieder instand setzte und zum Amtssitz ausbaute. Leider wurde sie dann im Dreißigjährigen Krieg durch die Schweden erneut zerstört.

Kloster Theres Luthers Lehre machte auch nicht vor der Pforte des einstigen Klosters in Obertheres Halt. Mehrere Mönche bekannten sich offen zum Protestantismus. So war um 1560 "über das Kloster eine bedenkliche Krise hereingebrochen." Auch von schwerer Gewalttätigkeit eines Abtes gegen einen Mönch berichten die Archivalien. Bischof Echter stellte die Disziplin wieder her.

Echter-Wein Bei der Krönungsfeier von Königin Elizabeth II gab es zum Diner einen Wein aus Unterfranken. Das Würzburger Julius-Spital durfte 1953 einen Riesling aus der Lage Iphöfer Julius-Echter-Berg nach London liefern. LL




Nachsatz von Ludwig Leisentritt


Die Stadt Zeil hat für die unschuldigen Opfer im Hochstift Bamberg eine Erinnerungsstätte geschaffen und den Opfern einen Namen gegeben. Wir sollten heute die Größe haben, all denen, die damals schwere Schuld auf sich geladen haben, zu vergeben. Ganz im Sinne eines Zitates aus der Feder des Atheisten Bertold Brecht: "Ihr, die ihr auftauchen werdet aus der Flut in der wir untergegangen sind. Gedenkt, wenn ihr von unseren Schwächen sprecht, auch der finsteren Zeit der ihr entronnen seid. Gedenkt unserer mit Nachsicht."


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