Rentweinsdorf
Abschied

Von Statur klein, geistig ein Riese

Pfarrer Hans Körner wurde von der Kirchengemeinde Rentweinsdorf in den Ruhestand verabschiedet.
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Pfarrer Hans Körner war am Sonntag letztmals auf der Kanzel als Ortspfarrer. Er geht in den wohlverdienten Ruhestand.  Foto: Helmut Will
Pfarrer Hans Körner war am Sonntag letztmals auf der Kanzel als Ortspfarrer. Er geht in den wohlverdienten Ruhestand. Foto: Helmut Will
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Großer Bahnhof für einen äußerst beliebten Seelsorger. Pfarrer Hans Körner stand am Sonntag letztmals als Ortspfarrer auf der Kanzel in der evangelischen Dreieinigkeitskirche in Rentweinsdorf. Er kam im Jahr 1999 in die Gemeinde, wurde einer von ihnen und geht nun nach 19 Jahren seelsorgerischer Tätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand. Sein Wirken wurde nach dem Gottesdienst im Marktsaal in Rentweinsdorf gewürdigt. Aber auch seine Ehefrau Maria stand im Fokus der Rednerinnen und Redner und wurde nicht minder geschätzt, insbesondere auch von ihrem Mann Hans.

Nachdem Kirchendienerin Ilse Rödel per Fernsteuerung die Glocken der Kirche zum Klingen gebracht hatte, zog Pfarrer Hans Körner zusammen mit Dekan Jürgen Blechschmidt, mit seinen Amtsbrüdern aus dem Dekanat und Vertretern der katholischen Kirche, Mitgliedern des Kirchenvorstandes und Angehörigen vom Pfarrhaus in die Dreieinigkeitskirche am Planplatz in Rentweinsdorf ein. Die Abschiedspredigt von Pfarrer Hans Körner hatte das Thema: "Der heilschaffende Gott such nach Menschen." Seine Abschiedspredigt war mitreißend und auch teilweise emotional geprägt. Der Geistliche machte deutlich, dass er sich von Anfang an einfügen lassen wollte, in die groß angelegte Suchaktion Gottes. Menschen in der Gemeinde sind das Klientel Gottes und ihnen gelte ganz besonders seine Suche. "Genau daran wollte ich während meiner Tätigkeit in Salmsdorf und Rentweinsdorf gerne beteiligt sein", sagte Körner. Viele seien für ihn in der Gemeinde wertvolle Mitarbeiter gewesen, die sich begeistern ließen das Heil Gottes näher zu bringen. "In den unterschiedlichen Gottesdiensten und Gottesdienstformen für Kinder und Erwachsene, in den Hauskreisen, Bibelwochen, Seniorenkreisen, durch den Besuchsdienst haben wir diese Suche Gottes nach den nahen Gestalt werden lassen." Den Jugendlichen wurde Raum geschaffen, einen eigenen Gottesdienst anzubieten. Pfarrer Körner zeigte sich überzeugt, dass die Frucht des Dienstes in der Gemeinde wachsen werde.

Dekan Jürgen Blechschmidt verabschiedete zusammen mit Pfarrerin Baronin von Truchseß, der Señora des Dekanats Rügheim, Pfarrer Hans Körner mit Wirkung vom 1. November 2018 in den Ruhestand und übergab die Ruhestandsurkunde vom Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm. Blechschmidt dankte dem scheidenden Geistlichen für seine Liebe und Treue zu Gott und zur seiner Gemeinde, der das Evangelium predigte und in der in vielfältiger Weise gewirkt habe. "Jetzt ist es soweit. Nach Verlängerung steht dein wohlverdienter Ruhestand bevor, es ist ein schwerer Abschied, gerne geben wir dich nicht her", sagte der Dekan. Die Gemeinde und das Dekanat verlören einen lieben Kollegen, fleißigen Pfarrer und viele die heute hier sind auch einen Freund, sagte Jürgen Blechschmidt. Er skizzierte den Weg des Geistlichen in seinen verschieden Wirkungsbereichen. Er hob seine anschaulichen Predigten hervor mit denen er schnell die Herzen der Menschen eingenommen habe. Blechschmidt stellte die gute Zusammenarbeit mit dem Senior im Dekanat und seinen vom Glauben geprägten Lebensstil heraus. Blechschmidt zeigte sich optimistisch, dass die Pfarrstelle bald wieder besetzt wird. Schließlich entband der Dekan Pfarrer Körner von seinen Pflichten und segnete ihn und seine Ehefrau Maria. Der Gottesdienst wurde musikalisch von Walter Dold an der Orgel, vom Posaunenchor Rentweinsdorf unter Leitung von Gerhard Sperber und der "Gifband" (Gottesdienst in freier Form) begleitet mit Ute Leyh und Oliver Stark als Sänger.

Im Marktsaal der Gemeinde Rentweinsdorf fand im Anschluss an den Gottesdienst ein Empfang für das Pfarrerspaar statt, wozu Gerd Gröger, Kirchenvorstand und Jugendbeauftragter, die zahlreichen Vertreter von Behörden und Ämtern willkommen hieß und auch eine große Anzahl Gemeindeglieder. Er bedauerte, dass Pfarrer Körner mit seiner Familie, so "wunderbare Menschen", die Gemeinde verlassen und wünschte alles Gute. Er kündigte persönliche Zeugnisse von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kirchengemeinde an. Stellvertretender Landrat Oskar Ebert sagte in seinem Grußwort, dass Kommen und Gehen das Leben bestimme. "Sie können am Tage des Abschieds für sich sagen, dass sie mit ganzem Herzen und der Liebe zu Gott für Rentweinsdorf wirkten", sagte Ebert. "Pfarrer müssen sich auf vielen Ebenen bewegen, als Seelsorger, Kommunikator, Moderator, Manager, Gebäudeverwalter, Kindergartenverantwortlicher und vieles mehr. Ihr seelsorgerischer Beistand, ihr theologisches Wissen, ihre Begabung, alte biblische Botschaften in eine moderne Sprache zu kleiden, sie wurden hoch geschätzt", sagte der stellvertretende Landrat. Bei allem habe ihm seine Frau Maria zur Seite gestanden. Seinen Beruf habe Körner als Berufung verstanden, er sei Seelsorger mit Leib und Seele, offen, respektvoll und einfühlsam. "Sie reden auch nicht nur von der Ökumene, sie leben sie, wobei es immer ihr Anliegen war Kinder auf dem Weg zu Gott zu begeistern. Vieles habe er mit seinen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Kirche eingeführt, er habe Mut zu Neuerungen gehabt, habe seine Gemeindeglieder "erobert." Alle seien dankbar ein Stück des Weges mit Pfarrer Körner gegangen zu sein. "Behalten sie Rentweinsdorf und unseren schönen Landkreis in guter Erinnerung", schloss Landrat Wilhelm Schneider. Bürgermeister Willi Sendelbeck: "Lieber Hans, du und deine Familie werden in Rentweinsdorf Spuren hinterlassen." Die Politische und die Kirchengemeinde hatten miteinander ein sehr gutes Verhältnis, getragen von gegenseitigem Vertrauen, sagte Sendelbeck, dem seine Abschiedsworte an das Pfarrerspaar nicht leicht vielen. Bei zahlreichen Besuchen von Gemeindemitgliedern wäre man meist zusammen aufgetreten. "Der Pfarrer mit einem Buchgeschenk, ich mit einem Geldgeschenk, was der Pfarrer meist für seine Gemeinde gleich mit nehmen konnte", sagte der Bürgermeister. Er ging auf verschiedene Projekte ein, welche die Kirchengemeinde mit dem Markt Rentweinsdorf gemeinsam schulterte. Pfarrer Hans Körner, seine Ehefrau Maria und ihr Sohn Tobias trugen sich in das Goldene Buch der Gemeinde ein.

Für die katholische Kirchengemeinde Ebern sprach Pater Rudolf Theiler. Dass nicht nur "lauter Schwarzkittel da sind", dazu trage die katholische Gemeinde bei. "Die Kirche ist bunt", sagte er. "Hans, wir kennen uns zwölf Jahre und ich habe die Arbeit mit dir vollkommen gesehen, es gab nie ein Problem", sagte Theiler. Körner sei nicht nur klerikaler Bruder gewesen sondern zu ihm konnte man kommen, sich auch als Seelsorger bei ihm aussprechen. Pater Theiler nannte die problemlosen Vorbereitungen der gemeinsamen Gottesdienste in der Ökumene. "Heute bin ich zu deiner Verabschiedung hergekommen mit einem Heimatgefühl, das gehört man einfach dazu, dass hat die ganze Gemeinde gezeigt. Dazu habe Hans Körner viel beigetragen, zur Gemeinsamkeit und das die Kirche bunt ist. "Wir haben, jeder auf seine Art, den Glauben versucht zu vermitteln", so Theiler. Gisela Schott, Synodalpräsidentin im Dekanat Rügheim sprach auch im Namen ihres Kollegen, Gerhard Koch und lobte die gute Zusammenarbeit des Pfarrers mit den Ehrenamtlichen. Dekan Blechschmidt übergab an das Pfarrerpaar die Friedenstaube des Dekanats Rügheim, bevor Pfarrerin von Truchseß aus Wetzhausen Dankesworte sprach und hier hervor hob, dass Körner sich eine Freudigkeit am Dienst erhalten habe. Jugendreferent Manuel Reiss hob den kollegialen Umgang von Pfarrer Körner hervor und stellte dessen Draht zur Jugend heraus. So zitierte er einen Konfirmanden der erst nicht wusste wie man sich dem Pfarrer gegenüber verhält. Später sagte er Konfirmand: "Irgendwann kapiert man, dass der Pfarrer Körner einfach der Hans ist." Ute Leyh zeichnete in lebendigen Worten das Wirken von Hans Körner und seiner Frau in der Kirchengemeinde, wobei sie auf sehr persönliche Dinge in Zusammenhang mit ihrer eigenen Familie ein ging. Ihre Worte waren von Herzlichkeit und Dankbarkeit geprägt, für ein Pfarrerpaar, wie es hätte nicht besser sein können. Auch Maximilian von Rotenhan bezeichnete das Pfarrerspaar als eines von "Gott gesegnetes", welches der Berufung gefolgt sei. Er fand persönliche Worte was seine eigene Familie betrifft. An Maria Körner gewandt sagte der Redner, dass sie eine große Lücke hinterlassen werde. Pfarrer Stefan Lepp, von der Mühle Weingarten, einem Zentrum für Gebet und Jüngerschaft, begeisterte mit seiner Rede als Evangelist. Er sagte, dass Hans Körner unter allen Pfarrern die er kenne definitiv der Kleinste wäre. "Aber du bist ganz sicher ein Riese wenn man bedenkt, was für eine väterliche Barmherzigkeit du in diese Gemeinde investiert hast. Er erinnerte sich, wie ein Jugendlicher vom Rocksofa auf Pfarrer Körner zukam, ihn mit Hans ansprach und ihn in den Arm nahm. "Da wusste ich, das du der geistige Vater der Gemeinde bist und du Maria die geistige Mutter der Gemeinde."

Renate Becker vom Kirchenvorstand in Rentweinsdorf sagte, dass die Gemeinde Rentweinsdorf Gott loben und danken könne für Pfarrer Hans Körner und seine Ehefrau Maria, die in 19 Jahre zielstrebig und einsatzfreudig gedient hätten. "Ich sagte Dank für die vielfältigen Aufgaben die ihr mit großer Geduld und Hingabe gemeistert habt", so Renate Becker. Die Hilfsbereitschaft des Pfarrers und seiner Frau sei motivierend gewesen und habe zu einer fruchtbaren Arbeit beigetragen. "Pfarrer Körner und seine Frau haben wir als glaubhafte Botschafter Jesus Christus erlebt", sagte Becker. Mit etwas Wehmut könne sie heute nur noch einmal Danke sagen. Zeugnisse ihres Glaubens gaben Patricia Koch und Hendrik Schleicher ab, in einer Weise und Offenheit mit dem Bekenntnis zu Gott, wie man es nur selten erlebt. Hierbei wurde immer wieder deutlich, dass sie ihren Weg zu Gott durch und mit Hilfe von Pfarrer Körner fanden. Der Band vom Rocksofa war es eine Ehre ein letztes Mal vor dem Pfarrerspaar spielen zu dürfen. Auch der Gesangverein Liedertafel Rentweinsdorf unter Leitung von Norbert Weis reihte sich neben dem Posaunenchor mit Gerhard Sperber als Leiter in die musikalischen Grüße mit ein. Die Mitglieder des Kirchenvorstandes übergaben an das Pfarrerspaar Körner persönliche Geschenke, einen Apfelbaum, den sie mit ganz persönlichen Wünschen für die Körners behangen und ein Holzkreuz für deren künftigen Gebetsraum. Pfarrer Hans Körner hatte das letzte Wort. Ausdrücklich dankte er seiner Frau Maria, die für ihn "eine gewaltige Stütze an seiner Seite war." "Besser kann man es sich nicht wünschen", sagte er mit dankbarem Blick zu seiner Gattin. Auch machte er deutlich, dass er und seine Frau sich über Besuche in seinem künftigen Domizil freuen würden. Dank sagte Körner auch Dekan Blechschmidt und seinen Amtsbrüdern für das gute Miteinander, sowie der Kommune, den Kirchenvorstehern und allen Helferinnen und Helfern. "Ihr seid der wahre Schatz der Kirche", so der Geistliche sichtlich gerührt.

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