Knetzgau
Reisezeiten

Von guten Beifahrern

Auf dem Euro-Rastpark in Knetzgau fühlt es sich in der Urlaubszeit wie im Urlaub an. Selbst Promis werden hier gesichtet.
Artikel drucken Artikel einbetten
Elisabeth und Franz Josef Gosmann haben ihren Sohn besucht.
Elisabeth und Franz Josef Gosmann haben ihren Sohn besucht.
+1 Bild
Roberto Blanco, Jürgen Drews, Marc Terenzi, und "Xavier Naidoo hat hier auch schon Pizza gegessen", die junge Frau an der Theke im Euro-Rastpark bei Knetzgau grinst voller guter Laune, das Foto mit Marc Terenzi hat sie noch auf ihrem Handy gespeichert, immerhin der frühere Mann von Sarah Connor!


Eine Pause braucht ein jeder mal

Sie alle hat es schon einmal zu einem Halt zwischen Steigerwald und Haßberge im Maintal nach Knetzgau getrieben. Und so gesehen, ist der Euro-Rastpark ein bisschen wie das Hotel in Vicki Baums großem Gesellschaftsroman. "Es gibt hier jeden Tag ein Higlight" strahlt die junge Frau, die auch die Facebookseite des Rastparks mit pflegt.

Und manchmal, da fühlt sie sich trotz der Arbeit selbst wie im Urlaub: Wenn draußen die Thailänder das stählerne Klavier fotografieren und auf der Terrasse mehrsprachiges Stimmegewirr schwebt. Schöner kann's nicht sein...

Der Meinung sind an diesem Tag auch Elisabeth und Franz Josef Gosmann. Ihre Fahrt ist bislang prima verlaufen. Gerade bei der Rast auf halber Strecke zwischen Werl im Kreis Soest/Nordrhein-Westalen und Pfaffenhofen, wo der Sohn mit Familie und den zwei Enkeln seit 22 Jahren lebt. Die beiden Herrschaften fahren schon immer gerne in den Urlaub nach Bayern, lieben dort die Berge und das Brauchtum, die herrlichen Trachtenfeste und das günstige Leben.

Dass Freunde und Bekannte von All-inclusive-Urlauben in der Türkei schwärmen ("immer sonnig, toller Service"), das können die beiden Sauerländer nicht wirklich verstehen. "Da würde ich schon aus Prinzip nicht hinfahren wegen diesem Despoten", meint Franz Josef Gosmann, der nach einem beruflichen Leben im Vertrieb mit durchschnittlich 70 000 pro Jahr gefahrenen Kilometern gerade in Bayern die gut ausgebaute Autobahn zwischen Nürnberg und München schätzt.

"Das ist komplett überwacht mit Kamera", meint er und freut sich, wenn der Feierabend- und Stoßverkehr hier abgefedert werden, indem man eine vierte Spur auf der Standspur einrichtet, "eine schöne Sache". Jetzt übernimmt Gattin Elisabeth das Steuer heimwärts. "Ich habe nie verstanden, warum die Männer ihre Frauen nicht fahren lassen", schmunzelt Franz Josef Gosmann, "ich bin ein guter Beifahrer". Seine Frau schmunzelt ebenfalls, und erzählt noch schnell eine Anekdote: Bei einem befreundeten Paar überließ der Mann der Frau nur ungern die Schlüssel und brachte sie durch sein Nölen auch in größte Unsicherheit.

Die Bekannte traf sie in der Stadt mit den Worten, "ach gut, dass du da bist!". Ins Parkhaus sei sie reingekommen, meinte die Freundin, aber raus gehe es nun nicht mehr. Darauf Elisabeth Gosmann, "wo du reinkommst, kommst du auch wieder raus", kurzentschlossen manövrierte sie den Wagen der Bekannten aus dem Parkhaus heraus, und beide vereinbarten, dies unter sich zu halten. "Heute ist sie 81 und muss fahren, weil der Mann es nicht mehr kann..."


Ab nach Hause

Jetzt geht's nach Hause für die Gosmanns, die sich in diesem Jahr noch einmal auf Urlaubstage freuen: Da geht es dann nach Elba - mit dem Bus.

Ein paar Meter weiter auf dem Parkplatz des Euro-Rastparks ist Karlheinz Nitsche gerade dabei, den Helm wieder aufzusetzen. Bereitwillig zieht er ihn aber wieder vom kurzen grauen Haarschopf. Der Baden-Württemberger ist heute schon zwei Stunden von Ludwigsburg aus gefahren. Hier in Knetzgau macht er Tankstopp, seine 850er BMW hat Durst.


Ein achtsamer Motorradfahrer

Allerdings fährt der 68-Jährige sie mit Bedacht: Reisegeschwindigkeit 120 Stundenkilometer. Er will ins Erzgebirge zu einer Hochzeit von Bekannten. Den Termin nutzt er zu einer gut zehntägigen Tour, mal alleine mit seinem gepflegten Liebling.

Motorradfahren? War immer seine Leidenschaft, "schon mit 17! Mein Vater hat's verboten, meine Mutter hat den Kaufvertrag unterschrieben", lacht er, der überhaupt eine Beziehung zu Zweirädern hat. Seine BMW hat er 2001 gekauft, davor hatte er auch immer BMW. Daheim stehen außerdem vier Fahrräder, und eine Lieblingsbeschäftigung sind auch die Touren mit dem Zelt. In Südtirol wird dann auch noch gewandert.

Der gelernte Konditor ist bereits im Ruhestand, die Gattin muss noch arbeiten. Und so gerne Karlheinz Nitsche unterwegs ist, so gerne nimmt er sich dann im August eine Auszeit: "Ich muss auch mit meiner Frau in den Urlaub", lächelt er.

Wenn er loszieht, begleiten ihn die sanften Ermahnungen: pass auf, fahr vorsichtig... Nicht, dass es ihm so geht wie dem Herzog von Württemberg! Nicht mitbekommen? Der Urenkel des Herzogs Ludwig zu Württemberg war vor Kurzem unterwegs mit einem Oldtimer-Porsche, als er überholte und Gegenverkehr kam - sofort tot.


Ein Genussfahrer

Also fährt Karlheinz Nitsche sorgsam und bedacht, "das zahlt sich auch im Tank aus". Im Erzgebirge will er dann ein paar Straßen seitab fahren und die Gegend Richtung Oberlausitz und Tschechien genießen. Dann hat er die Autobahnfahrerei auch hinter sich: Baustellen, Staus - das sind die Seiten, die ihm nicht so gut gefallen. Und im Blick auf die Raserei - die Natur sowieso - da gerät er immer noch ins Schwärmen von einer Tour, die er einmal nach Norwegen unternahm. Alles auf Tempo 90 begrenzt - wunderbar, "ein so bequemes Fahren!"
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren