Haßfurt
Musiker

Vom "Herd" zu Pink Floyd

Er gehört nicht zu den großen Namen des Rock, aber der 74-jährige Andy Bown aus London hat sie alle getroffen - und besingt sie auf seiner aktuellen Platte.
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Andy Bown. Foto: Helmut Ölschlegel
Andy Bown. Foto: Helmut Ölschlegel
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Entspannt sitzt er auf der Terrasse von Schloss Eyrichshof. Oft schaut er in die Augen seines Gegenübers, als wollte er forschen, ob der seinen Erzählungen auch Glauben schenkt. In zwei Stunden wird Andy Bown beim rösler open air mit "Status Quo" auf der Bühne stehen. Doch zuvor nimmt sich der 74-Jährige Zeit für einen Parforceritt durch mehr als 50 Jahre Rockmusik.

Bown gründete die Gruppe "The Herd" anno 1965. Mit "From the underworld" und "Paradise lost" landete er achtbare Chart-Hits. Jetzt hat Bown mit "Unfinished business" nach 30-jähriger Pause wieder ein Solo-Album vorgelegt. Darauf sind mittlerweile verstorbene Musiker (wie Trevor Bolder, Ex-Uriah Heep, David Bowie) ebenso zu hören wie der Herd-Freund Henri Spinetti (Eric Clapton, George Harrison, Katie Melua) oder Mick Rogers (Manfred Mann's Earth Band). Ein Abschlusswerk, das ein Musikerleben krönt, Zufriedenheit ausstrahlt, sich aber auch mit dem Abschiednehmen beschäftigt. Ein Vermächtnis.

Nein, zu den großen Namen im Rockbiz hat der Londoner, der dort noch immer zufrieden mit sich selbst, der Familie und seinen Hunden lebt, nie gezählt. Aber er hat mit den ganz Großen musiziert, weswegen sein Name unter anderem auf Scheiben von Pink Floyd und Roger Waters auftaucht. Und seit 1976 auch bei Status Quo. Die Band verdankt ihm die Top-10-Hits Whatever You Want und Burning Bridges und das markante Intro zu Rockin all over the world.

Im aktuellen Solo-Song (I was there) When the lights went on verarbeitet Bown seine eigene Musik-Biografie und zählt sie alle auf, mit denen er auf der Bühne gestanden oder in den Pubs gejammt hat, etwa: Michael Jackson, Jerry Lee Lewis, Johnny Hallyday, Dusty Springfield, Eric Clapton, Pink Floyd, Roger Waters, Lesley Duncan, Paul McCartney, Carly Simon, Jimi Hendrix, Peter Frampton, Keith Richards, Ringo Starr, Mick Jagger, Chuck Berry, B.B. King, Carlos Santana, Dusty Springfield, Petula Clark, Rod Stewart, Lemmy Kilmister, Meat Loaf, Steve Winwood oder Tom Jones.

Fragt man Andy Bown nach den Akkorden seines ersten Hits "From the underworld" tastet er kurz auf einem fiktiven Keyboard auf dem Tisch herum und sagt: "Ja, das waren diese drei Akkorde" und summt dazu die Melodie. "Die Melodie macht diesen Song aus. Millionen Lieder, die geschrieben wurden, basieren auf lediglich drei Akkorden. Ken Howard, der den Hit geschrieben hatte, konnte keine Gitarre, aber er hatte gute Melodien im Kopf."

Dein Album "Unfinished Business" kommt jetzt heraus. Ich hoffe, Du hast nichts gegen Vergleiche, aber als ich zum ersten Mal reinhörte, hat es mich an die frühen "Dire Straits" erinnert.

Dire Straits? Oh mein Gott, welche Tracks meinst Du?

Auf jeden Fall die ersten beiden.

Vielen Dank, ich betrachte das als großes Kompliment. Denn die Dire Straits waren besonders in ihrer Anfangsphase wirklich sehr, sehr gut.

Wie beschreibst Du Deinen Stil?

Wahrscheinlich ist es eines meiner Probleme, dass ich zu vielseitig bin. Zu viele Stile. Das war immer einer meiner Fehler, dass ich versuchte, zu viele Stilarten auf eine Platte zu bringen. Ein bisschen von dem, ein bisschen vom anderen. Ich dachte halt, mir gefällt dieser Song, auch wenn er vollkommen anders ist als der andere. Ich hoffe, dass das Album nicht wie das Werk unterschiedlicher Leute klingt.

In "When the lights went on" erwähnst Du jede Menge Größen der Rockgeschichte. Was hat es damit auf sich?

Ich habe mit ihnen musiziert oder sie zumindest getroffen - alle, von Michael Jackson bis Jimi Hendrix. Das kommt schon daher, dass wir vor langer Zeit mit "The Herd" diese Kino-Tourneen mitgemacht haben, an denen bis zu acht Bands beteiligt waren. Pete Townshend hat mir mal Fish & Chips ausgegeben und mich mit einem der größten US-Schlitten, den es gab, heimgefahren. Ich habe noch zu vielen Jungs aus diesen Zeiten Kontakt. Peter Frampton hat mir erst jüngst Material zum Durchhören zugeschickt, weil er meine Meinung hören will, ob es gut genug ist.

"

Right as ninepence" ist mein Lieblingssong der neuen Platte. Worum geht's dabei?

Das ist verrückt, dass Du das magst. Eigentlich geht es um ein Mädchen und ein Kompliment mit der Redewendung "ninepence", die aussagt, dass alles in Ordnung beziehungsweise sogar perfekt ist.

"I got a million" klingt so fröhlich, was hat es damit auf sich?

Das ist listig, denn das ist der einzige bösartige Song auf diesem Album. In den drei Strophen geht um drei unterschiedliche Leute, auf die ich nicht unbedingt scharf bin. Der Song ist bitter und aggressiv.

"Good innings" klingt wie ein trauriger Walzer....

Ja, ein sehr trauriges Lied. Es geht um die Enttäuschungen im Alter und die Traurigkeit im Angesicht des Todes. Mein Schwiegervater und meine Schwiegermutter hatten alle ihre Freunde verloren, weil sie verstorben waren. Und als auch noch seine Frau starb, hörte ich, wie mein Schwiegervater zu sich selbst sagte: Jetzt bist du ganz allein. Und das war so traurig. Als ich den Text schrieb, bin ich wirklich ein paar Mal in Tränen ausgebrochen.

Was spielst Du eigentlich lieber, Saiten- oder Tasteninstrumente? Auf dieser Platte dominieren ja die Gitarren.

Meinst Du beim Komponieren? Ich begann auf der Gitarre, die lässt sich einfach herumtragen. Ich mag alle Instrumente, auch die Mandoline, die auf der Platte öfter zum Einsatz kommt.

Es war ein langer Weg von "The Herd" im Jahr 1964 bis zu Pink Floyd und Status Quo.

Mit Status Quo hatte ich zu dieser Zeit dasselbe Management. Ich war eigentlich nicht sehr scharf auf deren Musik, habe mich kaum damit beschäftigt. Aber natürlich kannte ich die Band. Sie brauchte einen Keyboarder, um den Sound zu erweitern. Man rief bei mir an. Also dachte ich: Mach' dich nicht verrückt, nehm' das Geld mit, in drei Stunden bist wieder daheim. Und nun sitze ich hier, 43 Jahre später. Ich bin in die Band hineingewachsen. Und verglichen mit vielen anderen Bands benehmen wir uns sehr anständig. Bei Pink Floyd hatte jemand David Gilmour meine Nummer gegeben. Es war wohl Rick Wills, der zu dieser Zeit mit Foreigner beschäftigt war. Er sagte zu Gilmour, wenn er einen Bassisten als Backup für Roger Waters braucht, der ein bisschen singen kann und sich während der Show auch schnell umzieht, dann ist Andy Bown der richtige Mann. Dafür bin ich Rick sehr dankbar. Die Wall-Touren waren mit die aufregendste Show aller Zeit.

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