Stettfeld

Vögel im Winter richtig füttern: Experten der Stettfelder Vogelauffangstation geben Tipps

Nur bei Frost und Schnee oder doch lieber durchgehend das ganze Jahr über? Beim Thema Vögelfüttern gehen die Meinungen auseinander. In einem Punkt sind sich aber alle einig: Wer füttert, sollte auch bestimmte Regeln beachten.
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Heiko Hannig, Mitarbeiter der Stettfelder Greifvogelstation, hängt alternativ zum Meisenknödel im Plastiknetz ein Futtersilo auf. Foto: Teresa Hirschberg
Heiko Hannig, Mitarbeiter der Stettfelder Greifvogelstation, hängt alternativ zum Meisenknödel im Plastiknetz ein Futtersilo auf. Foto: Teresa Hirschberg
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Die kleinen, gelben Küken liegen aufgetaut und servierbereit auf Günther Gabolds Tisch. Neben den Federknäueln stehen Ratte und Maus regelmäßig auf dem Speiseplan. Doch der Leiter der Stettfelder Greifvogelauffangstation kennt nicht nur die Essensvorlieben seiner großen Schützlinge, sondern weiß auch, was kleinen Piepmätzen mundet.

Früher konnten sich Vögel in Bauerngärten an allerlei Samen und Kernen satt fressen, erinnert sich Thomas Stahl vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). Der Vertreter der Bamberger Kreisgruppe hat in Gabolds Aufpäppel-Stube Platz genommen. Im Wärmekasten erholt sich gerade eine verletzte Schleiereule, im Regal gegenüber flitzen Mäuse durchs Terrarium. "Damals gab es noch ein anderes Bodenleben mit Spinnen und Würmern. Heute fehlt ganz viel natürliches Futter - da bleibt fast nichts anderes übrig, als zu füttern", meint Stahl.

Diskussion um Vogel-Fütterung

Noch vor 30, 40 Jahren erschwerten frostige Wochen und Schneefall die Nahrungssuche der Vögel beträchtlich. Inzwischen sind die Winter milder geworden - sollte man da überhaupt füttern? Die Vögel können sich selbst versorgen, der Mensch sollte sich raushalten, sagen manche. Andere verweisen darauf, dass aufgrund intensiver Landwirtschaft und häufig artenarmer Gärten auch bei milden Temperaturen mittlerweile Nahrungsengpässe entstünden.

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"Eine Patentlösung gibt es nicht", nimmt Gabold gleich vorweg. Doch er und Stahl sind sich einig: Wer sich beim Futter an dem orientiert, was saisonal zeitgleich in der Natur reif ist, fährt am besten. Selbst im Winter seien noch Hagebutten, Samen oder alte Apfelsorten zu finden. Wer doch lieber zu gekauftem Vogelfutter greift, sollte dabei auf regionale Inhaltsstoffe achten. Den Tieren entgegenkommen könnten Gartenbesitzer, indem sie ihre Hecken über den Winter nicht komplett zurückschneiden: "Wir müssen den Tieren auch was übriglassen, dann braucht man nicht so viel zu füttern", ermahnt Stahl.

Der LBV spricht sich für eine Ganzjahresfütterung aus. Das verbessere das Immunsystem der Tiere und reduziere Stress. "Es gibt aber zu wenig wissenschaftliche Studien darüber, welche Effekte vom Menschen angebotene Nahrung hat", räumt LBV-Pressereferentin Sonja Dölfel ein. "Aber es ist bisher nichts bekannt, inwiefern es schaden könnte. Und es macht vielen Menschen Spaß, dies das ganze Jahr zu tun."

Körner für Jungtiere unverträglich

Auch Christine Thorn, Leiterin des Umweltbildungszentrums in Oberschleichach, teilt diese Meinung: "Man kann durchaus auch im Sommer füttern, wenn die Vögel nicht genügend Insekten finden." Damit die Jungtiere nur mit Eiweißen und nicht mit Kohlenhydraten und Fetten ernährt werden, rät Stahl dazu, die Fütterung während der Brutzeit auszusetzen. "Die Elterntiere nutzen die Körner aber nur für sich selbst und füttern die Jungen nicht damit", wendet Thorn jedoch ein. Die ausgewachsenen Vögel könnten den zusätzlichen Energieschub dafür nutzen, um weitere Strecken zu fliegen und nach Insekten zu suchen.

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Peter Berthold, einer der bekanntesten Ornithologen Deutschlands, rät ebenfalls zur ganzjährigen Fütterung. Allerdings werde man mit einem Vogelhäuschen nicht über Nacht zum Artenschützer. "Bedrohte Tierarten wie Kiebitz oder Feldlerche rettet man damit nicht." Man helfe nur wenigen Vogelarten, die alle nicht bedroht sind. In Deutschland gibt es rund 200 Arten. Zum Fressen an die Futterstelle kommen höchstens zehn bis 15. "Mit der Fütterung ernährt man die Allerweltsvögel", stimmt Gabold zu.

Wer beim Winterfüttern mitmacht, sollte Ende Oktober beginnen, damit die Vögel den Futterplatz schon kennen, wenn es plötzlich gefriert. Die Vögel verlassen sich auf ihre Futterquellen. "Sie warten sonst lange an einer Stelle und verschwenden damit Energie", warnt Thorn. "Deshalb ist es ratsam, durchgehend zu füttern."

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Als Hauptregel beim Füttern gilt laut LBV-Referentin Dölfel: Auf Hygiene achten! "Bei offener Fläche muss jeden Tag ausgefegt und regelmäßig mit heißem Wasser ausgebürstet werden." Sogenannte Futterspender seien weniger arbeitsintensiv, weil das Futter vor Regen geschützt ist und die Tiere nicht darin herumlaufen und es mit Kot verunreinigen. Insofern müssten diese Spender nur ein- bis zweimal im Jahr gereinigt werden. Klassische Vogelhäuschen würde Thorn dagegen nicht mehr empfehlen. Auch unter dem Futterplatz sieht der LBV Hygienebedarf. "Der Dreck, die leeren Samenschalen, müssen von Zeit zu Zeit weggekehrt werden." Stahl rät, abends keine Kerne mehr auszustreuen: "Sonst füttert man damit auch Mäuse und Ratten."

Achtung beim Futter-Kauf

Was das Futter angeht, betont Dölfel, auf Qualität zu achten. Bei billigen Mischungen würden oft Füllstoffe wie Sand verwendet. Noch schlimmer seien die in manchem Futter enthaltenen Samen der Beifuß-Ambrosie - auch Ambrosia genannt. "Die Vögel fressen die Samen nicht, sondern schmeißen sie nach unten, wo sie dann später keimen können." Ambrosia sieht wie unscheinbares Unkraut aus und ähnelt dem heimischen Beifuß. Die Pflanze ist bei Pollenallergikern sehr gefürchtet. Mittlerweile verkaufen Hersteller Futtermischungen mit dem Label "Ambrosia kontrolliert".

2 Wildvögel hat Günther Gabold aktuell in Pflege, eine Schleiereule sowie einen Wanderfalken.

70 Vögel werden in etwa pro Jahr bei der Station abgegeben. Bis zu 50 Prozent können wieder ausgewildert werden.

15 Millionen Euro geben die Deutschen dem Naturschutzbund Nabu zufolge jährlich für Vogelfutter aus.

Vogelfutter ganz einfach selbst anmischen

Rezept Aus Körnern, Haferflocken, Sonnenblumenkernen und Rindertalg lassen sich Meisenknödel herstellen, erklärt Christine Thorn. Auch Hanf- und Leinsamen, Hirse, Nüsse und getrocknete Rosinen können dafür verwendet werden; dazu noch ein paar ganze Äpfel und Birnen für die Weichfutterfresser wie zum Beispiel Amseln, Drosseln oder Rotkehlchen im Garten platzieren. Salz, Palmöl und menschliche Lebensmittel wie Brot oder Kartoffeln sowie Essensabfälle seien aber laut Günther Gabold für Vögel absolut tabu.

Futtersilos Vom Netz-Knödel rät Thorn ab: Vögel können sich darin verhaken und das Plastik schadet der Umwelt. Thomas Stahl empfiehlt Futterkörbe aus Draht oder selbstgebastelte Silos: Dafür Löcher in eine PET-Flasche bohren, einen Stab zum Sitzen durchschieben, weitere Löcher frei lassen und die Flasche mit Futter auffüllen.

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