Ebern
Kirche

Vikar folgt Order des Bischofs nach Ebern nicht

Der Seelsorger, der zum 1. November in der katholischen Pfarreiengemeinschaft anfangen sollte, trat seinen Dienst nicht an. Aus Würzburg folgte eine Verwarnung. In den Haßbergen ist man frustriert.
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Seit Jahren überbrückt Eberns Pfarrer Pater Rudolf Theiler den Priestermangel in seiner Pfarreiengemeinschaft. Angesichts des neuen Rückschlags sagt er: "Wenn's mir zuviel wird, mache ich Schluss. Ich habe kein Problem aufzuhören."  Foto: Archiv
Seit Jahren überbrückt Eberns Pfarrer Pater Rudolf Theiler den Priestermangel in seiner Pfarreiengemeinschaft. Angesichts des neuen Rückschlags sagt er: "Wenn's mir zuviel wird, mache ich Schluss. Ich habe kein Problem aufzuhören." Foto: Archiv
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Die Personalmisere in der Pfarreiengemeinschaft Ebern setzt sich fort. Noch im September hatte das Bistum Würzburg Unterstützung für Pater Rudolf Theiler angekündigt, der drei Pfarreien weitgehend im Alleingang versorgt. Der Pfarrweisacher Salesianer-Pater Alfons Blüml (72) unterstützt ihn mit einer 20-Prozent-Stelle, dazu kommen drei Wochenstunden von Gemeinderefent Rudi Reinhart. Das war's!

Zum 1. November sollte Zacharias Nitunga, Priester aus Burundi, der seit 20 Jahren in Deutschland wirkt, eine Stelle als Pfarrvikar in den Haßbergen antreten. Er steht aber offenbar nicht zur Verfügung. Seit dem Sommer hat er trotz wiederholter Aufforderung aus Ebern und Würzburg nicht Pfarrer Theiler, seinen neuen Dienstvorgesetzten, kontaktiert. Zuletzt meldete er sich krank.

Bernd Schweßinger, Pressesprecher beim Bischöflichen Ordinariat Würzburg, weiß spontan keine Antwort auf die Frage, wie es weitergehen soll. Die Situation ist verfahren. Mit Pfarrvikar Nitunga hatten, wie Schweßinger dem FT auf Anfrage erklärt, bereits seit 2014 mehrere Gespräche zu einem Stellenwechsel stattgefunden. Solch ein Wechsel nach der zweiten Dienstprüfung sei im Bistum Würzburg üblich. Doch bisher habe sich der heute 57-Jährige einer Versetzung entzogen.

Zunächst eingewilligt

Mit Schreiben vom 16. Juli hatte der Pfarrvikar erfahren, dass er ab Herbst in der Pfarreiengemeinschaft "Gemeinsam unterwegs - Ebern - Unterpreppach - Jesserndorf" eingesetzt wird, berichtet Schweßinger. Die Bereitschaft dazu habe Nitunga im Gespräch gegenüber Generalvikar Thomas Keßler erklärt. Dieser habe ihn gleichzeitig aufgefordert, mit Pater Theiler Kontakt aufzunehmen. Der Aufforderung kam der Priester nicht nach, auch nach mehrfacher Aufforderung nicht.

Theiler hatte für den neuen Kollegen nach eigenen Angaben bereits eine Wohnung besorgt und über Monate reserviert, doch alle seine Versuche einer Kontaktaufnahme scheiterten. Der Karmelit berichtet von etlichen Ansätzen, den neuen Pfarrvikar zu erreichen. "Seit Juli habe ich immer wieder dort und in Würzburg nachgefragt".

"Mit Schreiben vom 18. Oktober verwarnte Generalvikar Keßler Pfarrvikar Nitunga wegen des Verstoßes gegen die Gehorsamspflicht", berichtet Bernhard Schweßinger. Auch dies fruchtete nicht.

"Nitunga hat eine besonders schwierige Vergangenheit", räumt Pfarrer Theiler ein, "aber nach 20 Jahren in Deutschland muss er doch an die Gepflogenheiten gewohnt sein."

Im Krieg schwer verletzt

Der Pfarrvikar wurde 1961 in Burundi geboren. Papst Johannes Paul II. hatte ihn 1990 zum Priester geweiht. Er wirkte als Pfarrer, bis er im Dezember 1995 im Krieg Opfer eines Attentats wurde und schwerste Verletzungen an Beinen und Oberkiefer erlitt. In Würzburg wurde er behandelt.

Seither bildete sich Nitunga als Krankenhausseelsorger fort, studierte Diplom-Pädagogik und Social Engineering. Als Seelsorger wirkte er zehn Jahre lang in Marlen (Erzbistum Freiburg) und seit 2009 als Pfarrvikar in Kleinrinderfeld, Teil der Pfarreiengemeinschaft "Sankt Petrus - Der Fels, Kirchheim".

In zwischen war er offenbar in der Pfarrei im Kreis Würzburg fest verwurzelt. So sehr, dass sich eine Gruppe zusammengetan hat, die via Sozialem Netzwerk Facebook ("Kleinrinderfeld steht zu Pfarrer Zacharias") gegen Nitungas Versetzung nach Ebern protestiert. Während der Pfarrvikar selbst verstummt zu sein scheint, wollen die Kleinrinderfelder "darum kämpfen, dass Zacharias in seiner neuen Heimat bleiben kann." Die Bürger dort verweisen auf Nitungas schweres Schicksal und sehen in ihm einen Härtefall, der besonderer Rücksicht bedürfe. "Jetzt, wo er endlich Ruhe hat, soll er gegen seinen Willen gehen", heißt es auf der Facebook-Seite.

Bischof Franz Jung erwartet laut Schweßinger, dass Nitunga dem Stellenwechsel nachkommt und sich an die Regeln des priesterlichen Dienstes hält: "Es gibt keine Sonderregelungen für einen Kleriker, auch dann nicht, wenn dieser Gemeindemitglieder mobilisiert, gegen Bischof und Bistum zu agieren."

Offiziell ist Nitunga seit 23. Oktober bis voraussichtlich einschließlich 18. November krankgemeldet. "Das weitere Vorgehen hängt jetzt davon ab, ob Herr Nitunga nach seiner Genesung der Weisung des Generalvikars nachkommt oder seinen Gehorsamsverstoß fortsetzt", sagt Schweßinger. Gleiches gelte für die Personalplanung in der Pfarreiengemeinschaft Ebern.

"Jetzt stehen wir wieder mit leeren Händen da", sagt Pfarrer Theiler. Offiziell sei alles offen, doch ein Priester, der offenkundig "nicht herkommen will, das ist doch keine Basis."

"Alt und krank genug"

Dabei wäre Theiler über jede Unterstützung froh, vor allem wegen der Firmvorbereitung, die der neue Vikar hätte übernehmen sollen. Immer wieder gebe es Anfragen aus der Gemeinde: Aber: "Ich kann einfach keinen Firmtermin ausmachen". Auch bei den Gottesdiensten auf den Dörfern und für die Senioren gibt's Engpässe. "Ich mache meine Sachen gern, aber mehr geht einfach nicht", sagt Theiler. In der Gemeinde erlebe er ebenso Verständnis wie Gemecker, weil die Leute unzufrieden sind. "Ich wäre für jeden dankbar", beteuert der Karmelit nochmals.

Mit inzwischen 68 Jahren und nach einem Unfall im Jahr 2017 ist er selbst nicht mehr leistungsfähig wie früher. Theiler hat einen 60-prozentigen Behinderungsgrad, gilt also als schwerbehindert. "Ich bin alt genug und krank genug", sagt er, "ich könnte sofort aufhören."

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