Haßfurt
Strafprozess

Viel Lärm um die letzte Ruhe

Das Amtsgericht in Haßfurt stellte ein Verfahren wegen einer nicht bezahlten Bestatter-Rechnung ein.
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Das Sprichwort "Das letzte Hemd hat keine Taschen" traf bei einer im vergangenen Jahr verstorbenen Seniorin aus dem Steigerwald offenbar voll zu. Da sie nichts an irdischen Gütern hinterließ, schlug ihr 55-jähriger Sohn das Erbe aus. Und da sein Vater, der Ehemann der Verstorbenen, nach dem Tod der Frau "durch den Wind" war, unterschrieb der Sohn den Bestattungsauftrag eines Beerdigungsinstituts und erhielt in der Folge die Rechnung für die Bestattungskosten in Höhe von 2650 Euro. Doch zahlen wollte er die Rechnung nicht. Er ignorierte Mahnungen und einen Mahnbescheid.

Der Bestattungsunternehmer erstattete Anzeige wegen Betrugs, so dass der 55-Jährige einen Strafbefehl erhielt, gegen den er Einspruch einlegte. Deshalb kam es am Mittwoch am Amtsgericht in Haßfurt zum Strafprozess. Dort sagte der Beschuldigte, dass er in Vertretung für seinen Vater unterschrieben habe, da der nach dem Tod seiner Frau zehn Tage lang nicht handlungsfähig gewesen sei.

Die Vorsitzende, Richterin Ilona Conver, wies ihn darauf hin, dass sich auf dem unterschriebenen Schriftstück auch der Satz befunden habe: "Ich trage die gesamten Kosten der Bestattung." Der Staatsanwalt fragte den Angeklagten, warum er nicht mit dem Kürzel "i.V." (in Vertretung) unterschrieben habe. Verteidiger Jürgen Borowka verwies darauf, dass sein Mandant nur ein einfacher Arbeiter sei. Der Bestatter habe ihm gesagt, es handle sich um eine Vollmacht, die es dem Bestattungsunternehmen erlaube, die Leiche aus dem Krankenhaus zu überführen.

Der Angeklagte fügte hinzu, dass sein Vater einen Monat nach dem Tod der Ehefrau in ein Heim gekommen sei und einen Betreuer zugeteilt bekommen habe. Der habe sämtliche Bankkonten des Vaters sperren lassen. Da das vorhandene Geld des Vaters nicht für die Bezahlung der Bestatter-Rechnung gereicht habe, sollte das Wohnhaus der Eltern verkauft werden, was sich jedoch als schwierig herausgestellt habe. Der Bestatter habe ihn dazu gedrängt zu unterschreiben. Er sei selbst kurz nach dem Tod der Mutter in einem psychischen Ausnahmezustand gewesen und habe daher ohne Zögern unterschrieben, verteidigte sich der Angeklagte.

Verärgert zeigte sich der Inhaber des Bestattungsinstituts im Zeugenstand. Der Angeklagte habe auf Mahnungen nicht reagiert und den Mahnbescheid als "grundlos" abgewiesen. In einem Telefonat habe die Ehefrau des Angeklagten ihm gesagt: "Wir haben keine Angst. Wir können auch vor Gericht. Das haben wir schon einmal gemacht." Er habe sich "veräppelt" gefühlt und habe deswegen Anzeige erstattet, gab der Unternehmer zu Protokoll.

Der mit der Bestattung betraute Mitarbeiter des Unternehmens sagte vor Gericht, der Angeklagte habe zusammen mit ihm den Ablauf der Beerdigung besprochen, Sterbebilder sowie die Sargausstattung in Auftrag gegeben. "Er war für mich der Auftraggeber", sagte er.

Das Gericht beendete die unwürdige Posse mit einer Einstellung des Verfahrens. Als Auflage muss der Angeklagte die offene Rechnung in Raten innerhalb von sechs Monaten begleichen. Die Kosten für seinen Anwalt muss er ebenfalls berappen.

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