Ebern
Pilzfund

Viagra im Eberner Stadtwald

Im Stadtwald von Ebern hat Forstmann Armin Otter Trüffel entdeckt, denen Kräfte als "Brunstkugeln" zugeschrieben werden.
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Erbsen- bis walnussgroß waren die Trüffel, die Forstmann Armin Otter im Eberner Stadtwald entdeckte.  Foto: Otter
Erbsen- bis walnussgroß waren die Trüffel, die Forstmann Armin Otter im Eberner Stadtwald entdeckte. Foto: Otter
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Wenn Eberns Wappentier oder sein kleiner Bruder, der Wahlkampfkeiler "Ebi" jetzt nicht zu Trüffelschweinen mutieren, dann stimmt die Welt nicht mehr! Forstoberrat Armin Otter hat im Eberner Stadtwald Trüffel entdeckt. Sie sind dort an mehreren Stellen zu finden, erzählt der Mann vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Würzburg. Beim Waldgang zur Forsteinrichtung vor einigen Tagen hat er, zur Verblüffung etlicher Stadtratsmitglieder, Trüffel aus dem Waldboden befördert.
"Ich durfte Zeuge eines Trüffelfundes im Stadtwald sein", freut sich Bürgermeister Jürgen Hennemann, "was es bei uns so alles gibt". Die Stelle werde natürlich nicht verraten, sagt er. Armin Otter meint ohnehin: "Die Gefahr, dass Heerscharen von Trüffelsuchern im Stadtwald Schäden anrichten, dürfte zu vernachlässigen sein ".


Nicht die feine Sorte

Denn Feinschmecker, denen beim Wort Trüffel das Wasser im Munde zusammenläuft, werden enttäuscht sein: Anders als die weißen Trüffel aus Piemont, die Gastronomen als "Diamanten der Tafel" ansehen und für astronomische Preise handeln, seien die Trüffeln aus dem Stadtwald für die menschliche Tafel nicht zu gebrauchen!

Bei den entdeckten Exemplaren handelt es sich um Warzige Hirschtrüffel (Elaphomyces granulatus). "Mit den edlen Vettern in Südeuropa hat diese Trüffel-Art lediglich die Lebensweise und den Namen gemein", erklärt Otter. Ihre Vorzüge entfalte sie nicht in der Küche, sondern im Schlafzimmer, als altbekanntes Potenzmittel. "Hirschbrunst" oder "Brunstkugeln" nennt der Volksmund den Pilz wegen seiner aufputschenden Wirkung im sexuellen Bereich.


Altbekanntes Mittel

Als "Fungus cervinus" war er ein offizinelles - also beglaubigtes - Arzneimittel, um die Lust zur Fortpflanzung bei Mensch und Tier anzuregen. In einem alten Fachbuch, dem "Handbuch der Pharmacie: zum Gebrauche bei Vorlesungen und zum Selbstunterrichte für Ärzte, Apotheker und Droguisten" von Philipp Lorenz Geiger aus dem Jahr 1828 fand Otter eine knappe Beschreibung: Wollte der Zuchtbulle seinen Pflichten nicht nachkommen, dann mengte ihm der Bauer eine Handvoll zerstoßener Hirschtrüffel als "Brunstpulver" unter das Futter und die Kälberproduktion war gesichert. "Womöglich", sinniert ein lachender Förster Otter, "ist das Trüffelvorkommen verantwortlich für die Wildschweinschwemme in der Region".


Mit Zimtöl verfeinert

Für die Anwendung beim Menschen wurde der schwarze, bitter schmeckende Inhalt des Pilzes vom Apotheker mit Zimtöl verfeinert. Viagra gibt es also nicht nur in der Apotheke, sondern auch im Stadtwald Ebern!
Ehefrauen, die ihren liebesmüden Gatten nun zum Trüffel- sammeln schicken wollen, warnt Otter vor übertriebenen Hoffnungen: Die unterirdischen Pilze seien von Anfängern nur schwer zu finden. "Man bräuchte schon ausgebildete Trüffelschweine", schmunzelt er.
Das größte Exemplar, das er bislang fand, war etwa kastaniengroß. "Im Frühjahr ist der Inhalt saftig und riecht recht lecker, sagt Otter, "jetzt aber sind die Pilze staubtrocken, wie Pulver". Versucht hat er noch nie. Auch nicht, die Pilze der Pharmaindustrie anzubieten. "Sie bringen mich da auf eine gewinnbringende Idee",scherzt er, um sogleich kehrtzumachen: "Nein, ich kümmere mich lieber um die Forsteinrichtung. Und die ist in Ebern gut gelungen."


Nur unterirdisch

Ähnlich wie die südländische Verwandtschaft entwickelten die Hirschtrüffel ihre warzigen Fruchtkörper ausschließlich unterirdisch, doziert der Förster. In der Lebensgemeinschaft Wald erfülle der Pilz vielfältige Funktionen. Selbst bei Schnee können Wildscheine und Hirsche mit ihrem guten Geruchssinn die eiweißhaltigen und nahrhaften Trüffel aufspüren und freilegen.
Dieses Verhalten machte Otter das Auffinden der Trüffel erst möglich: Dem Förster fiel nämlich auf, dass das Schwarzwild ganz gezielt unter bestimmten Bäumen den Boden umwühlt. Bei näherer Untersuchung der Grabungsorte fand er Reste von walnussgroßen, gelb-braunen Gebilden mit moschusartigem Geruch: Trüffelpilze. Otter berichtet von einem Zusammenleben zwischen Baum und Pilz (Mykorrhiza). "Ein feines Pilzgeflecht überzieht die Baumwurzeln wie mit einem Mantel und wächst sogar in sie hinein. Der Wirtsbaum erhält vom Pilz wichtige Nährsalze aus dem Boden und der Pilz entnimmt der Baumwurzel Stoffe, die er in Ermangelung grüner Blätter nicht selbst bilden kann". Die Hirschtrüffel im Stadtwald sei offensichtlich mit einem Nadelbaum eine dauerhafte Partnerschaft eingegangen. Eine für den Pilzsammler wichtige Erkenntnis: "Wo er einmal Trüffel gefunden hat, da wird er mit großer Sicherheit auch zukünftig wieder welche finden - solange der Wirtsbaum existiert".
Für ihn sind die Hirschtrüffel ein weiterer Beweis für die unglaubliche Vielfalt des Stadtwaldes Ebern: "Eine Vielfalt, die der Bevölkerung wieder nahegebracht werden sollte". eki
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