Haßfurt
Verhandlung

Versöhnliche Töne um eine Tuba

Das Amtsgericht Haßfurt stellte ein Strafverfahren wegen Online-Betrugs gegen eine 47 Jahre alte Frau ein. Alles war "ein großes Missverständnis".
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Eine antike Tuba hat eine 48-Jährige aus dem Landkreis Haßberge für 170 Euro auf einer Online-Plattform am 30. Mai dieses Jahres zum Verkauf angeboten. Das Blasinstrument weckte das Interesse eines Musikfreundes aus dem Allgäu, der das Instrument kaufte und den Kaufpreis vorab überwies. Dies war ein Fehler, denn die Auslieferung der Ware erfolgte nicht so schnell wie deren Bezahlung. Nach vier Wochen Warten reichte es dem Käufer und er erstattete Anzeige wegen Betrugs.

In der Folge erhielt die säumige Verkäuferin einen Strafbefehl über 1250 Euro, gegen den sie Einspruch einlegte, so dass sie sich in einem Strafprozess am Mittwoch am Amtsgericht in Haßfurt verantworten musste. Dort gab sie "ein großes Missverständnis" als Grund für das geplatzte Geschäft an. Ihr Sohn habe - ohne ihr Wissen - das antike Teil selbst verkauft, erklärte die Angeklagte. Sie habe das Geld zurücküberweisen wollen, was sie vergessen habe, weil eine mehrmonatige Geschäftsreise dazwischen kam, bedauerte sie. In dieser Zeit habe sie auch nicht die Post erhalten.

Sie sei "völlig perplex" gewesen, als sie von der Anzeige gegen sie erfuhr. Sie habe sich damals gerade in Passau aufgehalten. Sie habe sich mit dem geprellten Käufer in Verbindung setzen wollen, jedoch habe die Polizei ihr dessen Telefonnummer nicht verraten. Als sie wieder zuhause war, habe sie ihm unverzüglich 170 Euro plus 30 Euro für Kosten überwiesen, wofür sich der Allgäuer per Whatsapp bedankt habe. Kurz darauf habe sie den Strafbefehl erhalten.

Richterin Ilona Conver merkte an, dass die Staatsanwaltschaft sehr schnell gehandelt habe und es "blöd gelaufen" sei. Dennoch musste der Käufer den weiten Weg aus dem Allgäu nach Haßfurt antreten, um als Zeuge am Mittwoch auszusagen. Er habe das geplatzte Geschäft auf 30 Seiten dokumentiert und es der Polizei übergeben, sagte er im Zeugenstand. Die Angeklagte habe ihm gesagt, sie habe seine E-Mail nicht öffnen können.

Das Ende der Geschichte war vor Gericht versöhnlich: Das Gericht stellte das Verfahren gegen die nicht vorbestrafte Angeklagte ein. Die beiden Parteien reichten sich die Hand und der Zeuge konnte sich wieder auf den Heimweg ins Allgäu machen. Verlierer war der Staat, der ihm die Fahrt bezahlt und auch die Gerichtskosten trägt.

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