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Kohlenmonoxid-Unfall in Untersteinbach: Bewohner entkamen nur knapp dem Tod

Nach dem Kohlenmonoxid-Unfall mit sieben Verletzten schildert der Bruder einer Betroffenen, wie dramatisch die Situation war und dankt den BRK-Rettern.
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Der Kohlenmonoxid-Austritt in einem Wohnhaus in Untersteinbach führte am Freitagmittag zu einem Großaufgebot des Rettungsdienstes. Es waren fünf Rettungswagen, drei Rettungshubschrauber, vier Notärzte und der Einsatzleiter Rettungsdienst vor Ort. Michael Will
Der Kohlenmonoxid-Austritt in einem Wohnhaus in Untersteinbach führte am Freitagmittag zu einem Großaufgebot des Rettungsdienstes. Es waren fünf Rettungswagen, drei Rettungshubschrauber, vier Notärzte und der Einsatzleiter Rettungsdienst vor Ort. Michael Will
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Die Umstände, die am Freitagnachmittagzur Rettung von mehreren Bewohnern eines Mehrparteienhauses in Untersteinbach geführt haben, sind nach Mitteilung des Bayerischen Roten Kreuzes mehr als glücklich. Demnach hatte nicht, wie zunächst von der Polizei mitgeteilt, eine im Haus befindliche Bewohnerin den Notruf verständigt, sondern die Mutter der 19-Jährigen, die mit ihrem 25 Jahre alten Freund sprichwörtlich in letzter Minute von Einsatzkräften und einem Ersthelfer gerettet wurden.

In dem Wohnhaus war es aus unbekannten Gründen zum Austritt von Kohlenmonoxid gekommen (wir berichteten). Die ersten, noch am Freitag von der Schweinfurter Kripo übernommenen Ermittlungen deuten nach Angaben der Polizei vom Samstag auf einen technischen Defekt an der Heizungsanlage hin. Vom Keller aus habe sich das Gas demzufolge im gesamten Haus ausgebreitet.

Es waren glückliche Umstände

Dass die zur Mittagszeit im Haus befindlichen Personen allesamt rechtzeitig gerettet werden konnten, dürfte alles in allem glücklichen Umständen geschuldet sein. Darauf hat der Bruder der 19-Jährigen am Wochenende in einem Gespräch mit Michael Will, Pressesprecher des BRK-Kreisverbandes Haßberge, aufmerksam gemacht. Dem Mann sei es, erklärte Will, wichtig, darauf hinzuweisen, wie schicksalhaft die Ereignisse gewesen sind.

Ihm zufolge hatte seine Mutter, die im Nachbarort lebt, einen Termin beim Hausarzt. Als sie kurz zuvor von ihrer Tochter eine Handy-Nachricht erhalten hatte, dass es der jungen Frau nicht gut gehe und sie schlapp sei, hatte die Mutter kurzerhand entschieden, bei ihrer Tochter persönlich nach dem Rechten zu sehen, um sie eventuell gleich mit zum Hausarzt zu nehmen.

Mit letzter Kraft

Als die 50 Jahre alte Mutter kurz darauf in Untersteinbach eintraf und an der Haustür klingelte, war die 19-Jährige offenbar noch mit letzter Kraft in der Lage, die Haustür per Knopfdruck zu öffnen. Augenblicke später, als die Mutter die Treppe zum Obergeschoss nach oben gelaufen und in der Wohnung angekommen war, lag die junge Frau bereits im Hausflur und habe sich laut der Mutter nicht mehr regen können. Ihr 25 Jahre alter Freund habe im Schlafzimmer gelegen, ebenfalls nicht in der Lage, selbstständig zu gehen. Die 50-Jährige habe daraufhin sofort den Notruf 112 gewählt und die Integrierte Leitstelle in Schweinfurt verständigt. Von dort wurde ein Rettungswagen zur medizinischen Hilfeleistung entsandt.

"Es war also alles in allem sehr glücklich, dass meine Schwester mehr oder weniger von der Mutter aufgefordert wurde, mit zum Hausarzt zu kommen und sie dann abgeholt werden sollte", sagt ihr Bruder. Die ganze Familie und auch die weiteren Bewohner des Mehrparteienhauses hätten einen Schutzengel gehabt, ist der junge Mann überzeugt.

Als wenig später das Team eines Rettungswagens von der BRK-Rettungswache Eltmann eintraf und zu den beiden Patienten ins Obergeschoss ging, schlug ein an der Rettungsdienstausrüstung mitgeführter CO-Warner plötzlich Alarm. Ein Hinweis darauf, dass in dem Gebäude eine über dem normalen Grenzwert befindliche Belastung mit Kohlenmonoxid (CO) vorlag. Mit einem Ersthelfer gelang es Notfallsanitäter Jürgen Bäuerlein und seinem ehrenamtlichen Kollegen Holger Eiter, alle Bewohner des Hauses ins Freie zu bringen.

Ein Großaufgebot an Rettungsdiensten und Polizei

Die Rettungswagenbesatzung forderte weitere Rettungskräfte und Feuerwehr nach. Insgesamt waren fünf Rettungswagen aus Eltmann, Gerolzhofen, Bamberg, Schlüsselfeld und Zeil, ein Notarzteinsatzfahrzeug aus Gerolzhofen sowie drei Rettungshubschrauber aus Ochsenfurt, Nürnberg und Bayreuth, vier Notärzte, die Feuerwehren Untersteinbach und Eltmann sowie mehrere Polizeistreifen der Inspektion Haßfurt am Einsatzort.

Während die 19-Jährige und ihr 25-jähriger Freund sowie eine 68 Jahre alte Frau mit den Rettungshubschraubern in Spezialkliniken nach Ludwigsburg und Wiesbaden geflogen wurden, kamen vier Betroffene, darunter die Mutter der 19-Jährigen, in Kliniken nach Bamberg und Gerolzhofen. Wäre die Mutter nicht gewesen und hätte sie nicht nach dem Rechten gesehen, wer weiß, wie es den Hausbewohnern ergangen wäre. Sie hatten sich allesamt in Lebensgefahr befunden. Dem Bruder der 19-Jährigen, ist dies ein Anliegen: "Vielen, vielen Dank für eure gute Arbeit und großen Respekt vor dem professionellen Vorgehen. Ich wünsche jedem, dass er im Ernstfall auf Leute wie euch trifft, die ihr Handwerk beherrschen und auf die absoluter Verlass ist. Ich spreche euch tiefen Dank aus."

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