Untermerzbach
Kräuterbinden

Unterpreppacher Frauen sind mit ganzer Seele beim Kräuterbinden

Maria Himmelfahrt ist der Tag der Gottesdienste unter freiem Himmel und Prozessionen.
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Viele fleißige Hände banden Kräutersträuße, die an Maria Himmelfahrt geweiht werden.  Foto: Helmut Will
Viele fleißige Hände banden Kräutersträuße, die an Maria Himmelfahrt geweiht werden. Foto: Helmut Will
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Die Gläubigen bringen Sträuße mit gebundenen Heilpflanzen, Kräutern und Getreideähren mit, die gesegnet werden.


Kräuterbüschelbinden fiel auch aus

In vielen Obst- und Gartenbauvereinen ist es üblich, Sträuße für die Kräuterweihe vorzubereiten. Wegen der Trockenheit mussten einige Vereine, etwa die Zeiler und die Prappacher, ihre Aktion in diesem Jahr absagen: Keine Pflanzen in der vertrockneten, versengten Flur zu finden. In Unterpreppach gab es noch genügend Kräuter, und so trafen sich am Tag vor Maria Himmelfahrt am Feuerwehrgerätehaus 20 Frauen zum Binden.


In einer Wolke von Düften

Wunderbare, intensive Düfte umwehten sie, als sie schon fast wie am am Fließband Hand in Hand die schönsten Sträuße banden. Alles unter Regie des Obst- und Gartenbauvereins mit Vorsitzender Irmgard Hau.

Ihre Vertreterin, Gisela Gütlein erklärte, dass 120 Kräutersträuße gebunden werden. Der Erlös aus dieser Aktion fließt wieder in den örtlichen Blumenschmuck.

"Marienkräuter" sind beliebt: Sie werden als wertvolle Naturapotheke gesehen. Werden Kräutersträuße richtig bestückt, so sind in ihnen über 30 Heil- und Gewürzkräuter zu finden aus heimischen Gärten oder von Waldrändern und Wiesen. Oft dabei sind Wegwarte, Melisse, Johanniskraut, Schafgarbe, Beifuß, Pfefferminze oder Baldrian. Nach dem Zehn-Uhr-Gottesdienst und der Weihe fanden die Würzbüschel gegen eine kleine Spende ihre Abnehmer.


Was heute an Himmelfahrt in Unterpreppach noch läuft

Nach dem Gottesdienst trifft man sich am Musikheim zu einem Frühschoppen. Heute feiert der Obst- und Gartenbauverein Unterpreppach sein jährliches Sommerfest. Deshalb ist ab 14 Uhr Festbetrieb in der Ortsmitte. Am Nachmittag spielt die Jugendblaskapelle auf, und gegen 17 Uhr wird Theresia Groh ihre Hausbienen vorstellen, bzw. dazu einige Erläuterungen geben.


Die Hintergründe beschreibt das Pressewerk des Ordinariats der Diözese Würzburg

Katholikenfest In den 1700 katholischen Gemeinden Bayerns haben am 15. August Fabriken und Geschäfte geschlossen. In Unterfranken sind 268 von 308 Gemeinden katholisch.

Dogma Theologisch korrekt ist das Hochfest das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel: Maria ist mit Leib und Seele als ganzer Mensch in die Herrlichkeit Gottes aufgenommen worden. Diesen Glaubenssatz erhob Papst Pius XII. nach Befragung
aller Bischöfe am Allerheiligenfest 1950 zum Dogma.

Kräuterzahl Traditionell mit dem Hochfest verbunden ist der Brauch der Kräuterweihe. Sieben oder neun bis 77 Kräuter sind in den Würzbüschel zu finden. Darunter Johanniskraut, Kamille, Minze, Wermut, Wohlmut, Majoran, Holunder, Beifuß, Schafgarbe, Basilikum und Sonnwendkraut. Dazwischen sind Königskerze, eine Rose oder Getreideähren vertreten. Die Kräuterbüschel schützen nach Volksglauben vor Unwettern oder Krankheiten (auf dem Dachboden aufgehängt, im Herd verbrannt oder dem Essen oder Viehfutter beigemischt). Das Marienfest war einst auch Tag der Apotheker und Drogisten, Gärtner, Blumenhändler, Gewürzkrämer und Parfümeure.

Urzeit Der Brauch der Kräuterweihe geht in die vorchristliche Zeit zurück. Ägypter, Griechen, Römer und die germanischen Völker kannten die Heilkraft von Pflanzen. Im Mittelalter wurde der Brauch christianisiert. Die frühesten Belege stammen aus dem zehnten Jahrhundert. Die christliche Legende, die der Kräuterweihe zugrunde liegt, dreht sich um die Himmelfahrt Marias: Als die Apostel nach drei Tagen das Grab der Muttergottes öffneten, fanden sie statt des Leichnams duftende Blumen und Kräuter darin.

Frauendreißiger Zu Mariä Himmelfahrt beginnt der "Frauendreißiger", der bis zum Fest Mariä Geburt am 8. September (oder bis Mariä Schmerzen am 15. September) gezählt wird. Bis dahin sind die Kräuter voll ausgereift. Eventuelle Gifte sollen ihre Schärfe verloren haben. Auch das christliche Brauchtum lässt sich auf das Fasten der Germanen vor den Erntefesten zurückführen.


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