Untermerzbach
Waldbegang

Untermerzbach setzt auf Biotopbäume

Die Gemeinde Untermerzbach leistet in ihren Wäldern einen Beitrag zum Naturschutz.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bürgermeister Helmut Dietz (4. v. l.) und die Mitglieder des Gemeinderates wurden beim Waldbegang von Betriebsleiter Jürgen Hahn (2. v. r.) und Förster Wolfgang Gnannt (2. v. l.) über die Situation im Gemeindewald informiert.    Foto: Christian Licha
Bürgermeister Helmut Dietz (4. v. l.) und die Mitglieder des Gemeinderates wurden beim Waldbegang von Betriebsleiter Jürgen Hahn (2. v. r.) und Förster Wolfgang Gnannt (2. v. l.) über die Situation im Gemeindewald informiert. Foto: Christian Licha
+2 Bilder

Der Vertragsnaturschutz war Thema des Waldbegangs der Mitglieder des Gemeinderates Untermerzbach. Im Gemeindewald in der Gemarkung Recheldorf informierten Betriebsleiter Jürgen Hahn und Förster Wolfgang Gnannt vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) das Gremium.

"Es geht genauso weiter wie letztes Jahr, nur dass heuer das heiße Wetter schon früher da ist", sagte Gnannt zur Situation des Waldes. Hahn ergänzte, dass die bisherigen Niederschläge zwar im Messbecher gut aussehen, aber im Boden davon nur wenig angekommen sei. Vor kurzem wurden noch Trockenschäden beseitigt und demnächst werden mit einem Harvester noch einzelne Fichten aufgearbeitet. Die Gemeinde Untermerzbach könne sich glücklich schätzen, dass in ihrem Bestand sehr viele Eichen vorhanden sind, so dass sich der Schaden in Grenzen halte.

Der Vertragsnaturschutz wird im Untermerzbacher Gemeindewald groß geschrieben, in dem es bisher 54 sogenannte Biotopbäume gibt. Das sind meist alte und dicke Bäume mit besonderem Wert für die Flora und Fauna. Sie bilden im Ökosystem Wald ein Mikrohabitat mit spezifischen Eigenschaften für unterschiedliche Arten und erhöhen so die Biodiversität im Wald. Mulmbäume haben zum Beispiel Faulhöhlen im Stammfuß und sind ein seltener Lebensraum für Käfer und Pilze. Angesammelte Mulm, eine Mischung aus zersetztem Holz und Käferexkrementen, ist für viele Kleinlebewesen von existenzieller Bedeutung.

Höhlenbäume hingegen haben vom Specht gezimmerte oder durch Fäulnisprozesse entstandene Höhlen, die wertvoll für zahlreiche Vogelarten, Säugetiere und Insekten sind. Daneben steht auch 16 Mal Totholz auf der Liste des Vertragsnaturschutzes in Untermerzbach. Das können stehende oder liegende, abgestorbene Bäume sein, die ebenfalls einen vielfältigen Lebensraum bieten.

Generell sind die ausgewählten Biotopbäume nur für Brennholztauglich, haben also einen sehr geringen wirtschaftlichen Nutzen. Dafür, dass sie stehen gelassen werden, bekommt jedoch die Gemeinde eine staatliche Förderung von bis zu 195 Euro je Baum. Insgesamt können so knapp 10 000 Euro für die Gemeindekasse generiert werden. "Buche, Eiche, Kiefer, eigentlich ist alles dabei außer der Fichte", beschreibt Hahn die Artenvielfalt, die geschützt wird. Mindestens zwölf Jahre müssen die Bäume nach den Förderbedingungen stehen gelassen werden, jedoch sei eine Verlängerung dieses Zeitraumes sehr sinnvoll. "Die Förderkulisse ist der Lohn für die jahrelange Arbeit", sagte Bürgermeister Helmut Dietz und dankte gleichzeitig Betriebsleiter Jürgen Hahn und Förster Wolfgang Gnannt für die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde.

Die Rechtler sind unzufrieden

Ein weiterer Beischtigungspunkt stand im Hemmendorfer Wald auf dem Programm. Der Wald gehört der Gemeinde, jedoch dürfen neun Holzrechtler die insgesamt 15 Rechte auf Nutzung des Waldes ausüben. Nach einem Jahresbetriebsplan, der wie auch im Gemeindewald aufgestellt wird, beträgt der jährliche Hiebsatz 100 Festmeter. Für die Beforstung müssen die Rechtler insgesamt einen Eigenanteil von 590 Euro jährlich übernehmen. Dies führte in jüngster Vergangenheit zu Unmut bei den Rechtlern. Mit Gesprächen soll die Situation geklärt werden.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren