Haßfurt
Strafprozess

Um ein Haar wäre der Job weg gewesen

37-Jähriger stand wegen eines Unfalls vor Gericht und hatte Glück: Das Fahrverbot wurde reduziert.
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Ein Auffahrunfall zwischen Haßfurt und Zeil am 26. Oktober vergangenen Jahres hat einen 37-jährigen Firmenmitarbeiter aus dem Landkreis Haßberge fast seinen Arbeitsplatz gekostet. Der Mann war mit einem Lastwagen seines Unternehmens unterwegs, als er auf ein vorausfahrendes Auto auffuhr und dabei einen Bagatellschaden verursachte. Da es sich um ein Firmenfahrzeug handelte, rief er die Polizei, die feststellte, dass der Unfallfahrer aufgrund früherer Geschwindigkeitsüberschreitungen gar nicht hätte fahren dürfen. Er hatte sich trotz eines bestehenden Fahrverbots ans Steuer gesetzt.

In der Folge erhielt der 37-Jährige einen Strafbefehl über 800 Euro und - was ihn noch viel mehr schmerzte - ein zweimonatiges Fahrverbot. Dies hätte ihn fast den Job gekostet, weil sein Vorgesetzter ein Fahrverbot ab zwei Monaten als K.o.-Kriterium für den Arbeitsplatz erachtet. Der 37-Jährige legte Einspruch gegen den Strafbefehl ein und musste daher - nicht zum ersten Mal - auf der Anklagebank des Amtsgerichts in Haßfurt Platz nehmen.

Dort gab er den Ahnungslosen. Er habe nicht gewusst, dass gegen ihn ein Fahrverbot ausgesprochen worden sei. Der Bußgeldbescheid mit dem verhängten Fahrverbot sei an seine alte Adresse bei seiner Mutter in einem anderen Landkreis zugestellt worden. Da er mittlerweile im Landkreis Haßberge lebe, habe er den Brief nicht erhalten und nichts von einem Fahrverbot gewusst, gab er zu Protokoll. Darüber hinaus erachte er ein Fahrverbot für überzogen, sagte er.

Als ihm der Anklagevertreter Ilker Özalp klar machte, dass er eine Rücknahme des Fahrverbots auch aufgrund der fünf Vorstrafen des Angeklagten nicht mitmache, erwiderte der 37-Jährige: "Sie betrifft's ja nicht." Einschlägig vorbestraft ist der Angeklagte zwar nicht. Dafür stehen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Hausfriedensbruch unter Waffeneinsatz und dreimal Betrug in seinem Sündenregister. Der Unfall ereignete sich, nur einen Monat nachdem eine 15-monatige Bewährungsstrafe abgelaufen war.

Dennoch verminderte Özalp in seinem Plädoyer das Fahrverbot auf einen Monat und erhöhte dafür die Geldstrafe auf 1200 Euro. Der Angeklagte habe dafür zu sorgen, dass er "postalisch erreichbar" sei, schrieb er ihm hinter die Ohren. Unwissenheit schütze vor Strafe nicht, sagte der Vertreter der Staatsanwaltschaft.

Richterin Ilona Conver verhängte eine Geldstrafe von 990 Euro wegen fahrlässigen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und beließ es bei einem einmonatigen Fahrverbot. Dies rettete dem Verurteilten seinen Arbeitsplatz. Denn er kann frei verfügen, wann er seinen "Lappen" abgibt. Er werde dies über Weihnachten tun, weil dann eh nichts los sei, sagte er vor Gericht erleichtert.

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