Haßfurt
Lehrervereidigung

Trotz aller Wagnisse und Spannungen ein Traumjob

Zehn Lehramtsanwärterinnen wurden am Haßfurter Schulamt vereidigt. Der Staat überträgt damit ein öffentliches Amt, das Verantwortung mit sich bringt.
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Die Lehramtsanwärterin Veronika Werner aus Sand liebt die Musik und möchte in den kommenden zwei Jahren den Kindern an der Grundschule Eltmann auch die Musik im Unterricht näherbringen. Fotos: Ulrike Langer
Die Lehramtsanwärterin Veronika Werner aus Sand liebt die Musik und möchte in den kommenden zwei Jahren den Kindern an der Grundschule Eltmann auch die Musik im Unterricht näherbringen. Fotos: Ulrike Langer
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"Ich wollte schon als Grundschülerin Lehrerin werden und habe mir jetzt meinen Wunsch erfüllt", sagt Veronika Werner. Die 23 Jahre alte, gebürtige Knetzgauerin, die mit ihrem Mann in Sand wohnt, wurde am gestrigen Montag mit neun weiteren Lehramtsanwärterinnen an Grund- und Mittelschulen und einem Fachlehranwärter von der fachlichen Leiterin des Staatlichen Schulamts, Claudia Schmidt, vereidigt.


Zwei Jahre voller Erfahrungen

Veronika Werner, geborene Gonnert, wird in den kommenden zwei Jahren an der Grundschule Eltmann arbeiten und hauptsächlich in einer vierten Klasse unterrichten. Sie hat ihre eigene Grundschulzeit in Knetzgau "weitaus positiv" in Erinnerung. "Ich bin gerne zur Schule gegangen und hatte selbst eine Lehramtsanwärterin als Lehrerin. Daher habe ich nach dem Abitur 2012 in Haßfurt gleich ein Lehramtsstudium für die Grundschule in Bamberg aufgenommen", erzählte sie.

"Auch die Praktika, die ich im Rahmen meiner Seminararbeit für das Abitur an Grundschulen absolviert hatte, haben mir sehr viel Spaß gemacht." Im Hauptfach hat sie Sozialkunde und in den Nebenfächern Deutsch, Mathematik und Musik studiert. "Musik ist meine Leidenschaft und ich möchte sie auch den Kindern im Unterricht näherbringen", so Veronika Werner, die im als Klarinettistin Mitglied im Blasorchester Sand ist und gerne Klavier und Gitarre spielt.

In ihrer Zulassungsarbeit zum Staatsexamen unter dem Titel "Vom Problem zur Fähigkeit - Das Programm ,Ich schaff's‘ aus Sicht der Kinder" hat sie sich mit verhaltensauffälligen Kindern beschäftigt. Dieses lösungsfokussierte Lern- und Arbeitsprogramm hilft Kindern und Jugendlichen, Fähigkeiten zu erlernen, Probleme zu bewältigen und schwieriges Verhalten los zu werden. "Ich habe damit über einige Monate hinweg in der Grundschule Knetzgau gearbeitet", berichtete Veronika Werner. "Es hat allen Spaß gemacht, alle Kinder haben ihr Ziel erreicht, und auch die Eltern waren begeistert."

Dieses Programm könne sie einmal in jeder Klasse anwenden. "Ich weiß, was auf mich zukommt, doch das Unterrichten an sich wird wohl für jeden von uns Neuland werden", meint die Lehramtsanwärterin in Vorfreunde und viel Aufregung. "Ich möchte meinen Unterricht so gestalten, dass er den Kindern Spaß macht und dass sie Schule als schönen Ort erfahren. Außerdem möchte ich sie so fördern, dass sie ihre eigenen Ziele erreichen." Dazu hat sie an ihrer neuen Wirkungsstätte acht Stunden an drei Tagen in der Woche Gelegenheit, die restliche Zeit hospitiert sie in anderen Klassen.


Start mit einer Eidesformel

Nicht mit einer großen Schultüte, sondern mit einer Eidesformel sind zehn junge Frauen als Lehramtsanwärterinnen an Grund- und Mittelschulen sowie ein junger Mann als Fachlehramtsanwärter in das neue Schuljahr gestartet. Im Landratsamt wurden sie von der fachlichen Leiterin des Schulamts, Claudia Schmidt, und Landrat Wilhelm Schneider willkommen geheißen. Claudia Schmidt erklärte: "Heute ist ein spannender Tag für uns alle, denn Sie werden heute ihren Amtseid ablegen und in das Beamtenverhältnis auf Widerruf übernommen." "Sie tragen die unmittelbare Verantwortung für Ihre Erziehungsarbeit und den Unterricht, auch an der gesamten Schule, Sie müssen der Aufsichtspflicht vor, während und nach dem Unterricht nachkommen und Sie unterliegen der Verschwiegenheitspflicht, dem Verbot der körperlichen Züchtigung und dem Verbot der Annahme von Belohnungen und Geschenken", so Claudia Schmidt.

Für die Kinder seien sie eine wichtige Bezugsperson und für die Eltern wichtiger Ansprechpartner. Die Kinder würden sie und ihre Grenzen austesten, verhaltensauffällige Buben und Mädchen sie fordern, Eltern ihnen auch kritisch begegnen. Und doch hätten sie einen der schönsten Berufe, die man ergreifen könne, gewählt. Berufliche Zufriedenheit würden sie aus vielen bereichernden Momenten und Begegnungen ziehen: Denn da spürten sie, dass Kinder erfolgreich lernen, sich entwickeln und in der Schule wohlfühlen sowie den Weg hinaus ins Leben wagen.

Ihnen werde auch bald die Notwendigkeit ständiger Veränderungsbereitschaft, Anpassungsfähigkeit an neue Entwicklungen und vor allem die Bedeutung von Fortbildung und kollegialem Gespräch bewusst werden. "Ich möchte Sie ermuntern, auch gegen gelegentlichen Widerstand, Ihre Ideen, die Sie aus Ihrer universitären Ausbildung mitbringen, in die Praxis einzuführen und auszuprobieren", sagte Claudia Schmidt. Ein guter Lehrer sollte einladen, Mut machen und inspirieren können. Dies sei allerdings nur möglich, wenn der Lehrer seine Schüler möge und wenn er von seinen Fächern begeistert sei. Als entscheidend für den Erfolg erachte sie eine Schulatmosphäre, in der Achtsamkeit, Verständnis und Unterstützung vorherrschten.


Zahlen zum Schulamtsbereich Haßberge

Im Schulamtsbereich Haßberge gibt es 23 Grund- und Mittelschulen und eine freie Waldorfschule, an denen im Schuljahr 2016/17 rund 4350 Schüler unterrichtet werden. Das Schulamt arbeitet eng mit den Förderzentren in Haßfurt und Maroldsweisach/Ebern und der Schule für individuelle Entwicklung in Sylbach zusammen, die personell mit "mobilen sonderpädagogischen Diensten" unterstützen. Das pädagogische Angebot umfasst laut Chlaudia Schmidt gebundene Ganztagesklassen an sieben Grundschulen und sechs Mittelschulen, M-Förderung flächendeckend und an zwei Mittelschulen Praxisklassen für Schüler mit Schwierigkeiten beim Lernen. Jugendsozialarbeit gibt es an fast allen Mittelschulen und an vier Grundschulen, außerdem Nachmittagsbetreuung mit Hausaufgabenhilfe.

"Insgesamt kann man sagen, dass unsere Schullandschaft sehr lebendig und innovativ mit unterschiedlichen pädagogisch wertvollen Einrichtungen ist", betonte die fachliche Leiterin des Schulamts. Mit den Worten: "Ich schwöre Treue dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und der Verfassung des Freistaates Bayern, Gehorsam den Gesetzen und die gewissenhafte Erfüllung meiner Amtspflichten (so wahr mir Gott helfe)" wurden die Anwärter vereidigt.

Anschließend begrüßten der Personalratsvorsitzende Matthias Weinberger, die Seminarleiterinnen Pia Rückert und Nicole Maag sowie Landrat Wilhelm Schneider die Lehramtsanwärter. "Ich bin sehr stolz darauf, dass der Landkreis vor zwei Jahren durch das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst mit dem Qualitätssiegel "Bildungsregion" ausgezeichnet wurde", sagte Schneider. Denn Bildung gehöre zu den kostbarsten Gütern und die Schule sei die wohl wichtigsten Station für Kinder und Jugendliche. "Wir wollen, dass unsere Kinder und Jugendlichen die besten Rahmenbedingungen für eine qualitativ hochwertige und zukunftsorientierte schulische Ausbildung vorfinden. Weil unsere Kommunen und Schulleitungen für gute Ideen grundsätzlich sehr aufgeschlossen sind, möchte ich Sie ausdrücklich ermutigen: Bringen Sie sich ein, machen Sie mit, lassen Sie Ihrer Kreativität, Ihrem Elan freien Lauf. Gehen Sie mit ganzer Kraft daran, unsere jungen Menschen auf die Zukunft vorzubereiten", so der Landrat, der auch den Landkreis vorstellte.


Die Namen der jungen Lehrerinnen

Im Einzelnen wurden vereidigt: Stefanie Gerhard aus Bamberg (Grundschule Ebelsbach), Isabel Gutschwager aus Haßfurt (GS Hofheim), Eva Helbig aus Knetzgau (GS Rauhenebrach), Barbara Jäger aus Knetzgau (GS Zeil-Sand), Judith Kaiser aus Kirchlauter (GS Ebern), Jana Rädlein aus Burgpreppach (GS Knetzgau), Kathrin Weidinger aus Obertheres (GS Haßfurt), Veronika Werner aus Sand (GS Eltmann), Julia Appel aus Ebern (Mittelschule Maroldsweisach), Sara Batzner aus Ebern (Mittelschule Knetzgau) und Peter Neubauer aus Küps (Mittelschule Ebern).


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