Haßfurt
Unser Thema der Woche // Mut & Courage

Training für den Einsatz

Manuel Guhl und Daniel Ruß haben sich bewusst für den Beruf des Polizisten entscheiden. Bei ihrer Arbeit in der Inspektion in Haßfurt brauchen sie Mut, profitieren aber auch von vielen Übungsstunden.
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Daniel Ruß (links) und Manuel Guhl bereiten sich auf ihre Einsätze draußen vor. Foto: Stefanie Gleixner
Daniel Ruß (links) und Manuel Guhl bereiten sich auf ihre Einsätze draußen vor. Foto: Stefanie Gleixner

Es gibt Menschen, die von Natur aus mehr Mut haben als andere. Sie trauen sich dazwischen zu gehen und in Problemsituationen einzuschreiten. Diese Persönlichkeiten sind prädestiniert dazu, Polizist zu werden. Daniel Ruß hat sich bereits vor 16 Jahren dafür entschieden und bestätigt: "Wenn ich mich für den Beruf entscheide, dann bringe ich die Persönlichkeit dafür mit." Und Polizeianwärter Manuel Guhl meint, dass man als Polizist weiß, was auf einen zukommen könnte, weswegen die Einsätze nicht so viel Mut abverlangen.

Dennoch ist es jedes Mal anders. "Ein mulmiges Gefühl bekommt man schon mal bei unbekannten Situationen", sagt Daniel Ruß. In Einsätzen, bei denen man überlege, ob man wieder heil rauskäme, wenn zum Beispiel Schusswaffen im Spiel sind. Und im Nachhinein überlege man sich oftmals, wie bestimmte Situationen auch hätten ausgehen können.

Handlungssicherheit

Um diese unbekannten Gegebenheiten möglichst klein zu halten und den Polizeibeamten eine Hilfestellung zu geben, gehört Handlungssicherheit zu den wichtigsten Bestandteilen in der Polizeipraxis. "In standardisierten Trainings üben wir gewisse Szenarien immer wieder", erklärt Daniel Ruß, wie das polizeiliche Einsatztraining (PI-Training) abläuft. Die PI-Trainer sind immer auf dem neuesten Stand und wissen, welche Handlungstechniken am besten für die Einsätze geeignet sind.

Vier mal pro Jahr finden für die Polizisten in Haßfurt solche Übungseinheiten statt. Die Trainings laufen für alle gleich ab, egal in welcher Inspektion sich der Polizist befindet, so dass auch bei Einsätzen mit anderen Polizeistationen, wie Schweinfurt oder Würzburg, jeder weiß, was der andere tut. "Wir müssen uns aufeinander verlassen können", sagt Daniel Ruß. "Durch viel lernen und üben und trainieren kommt dann der Mut für die Einsätze, da man weiß, was auf einen zukommen könnte", fasst Ruß zusammen

Auch in der Ausbildung spielen die PI-Trainings eine große Rolle. Alle zwei Wochen hat Manuel Guhl ein solches. "Wir haben am Anfang ganz einfache Szenarien durchgespielt", erzählt der 19-Jährige. Die Verkehrskontrolle stand als erstes auf dem Lehrplan. Mit dem Verlauf der Ausbildung steigert sich der Schwierigkeitsgrad der Maßnahmen, die eingeübt werden. Die einzelnen Abläufe werden so oft trainiert, bis sie von den Polizisten wie automatisiert durchgeführt werden. Diese Durchläufe seien so realitätsnah, dass man in den Einsätzen damit Erfolg habe, bestätigen die Beiden.

Das hilft in der Praxis, wenn man sich bei der Anfahrt bereits darauf einstellen kann, was einen vor Ort erwarten kann - aber nicht muss. "Wir sprechen uns mit dem Streifenkollegen, der uns begleitet ab, wie wir uns bei dem Einsatz verhalten, zu dem wir gerade fahren", sagt Daniel Ruß. Trotzdem lässt sich nicht immer vorhersagen, wie es ablaufen wird und man muss sich auf jede Situation neu einstellen: "Die Routine ist der größte Feind", betont der 39-Jährige. Man dürfe nie sagen, weil ich das immer so mache, funktioniert das auch bei diesem Einsatz.

Training der Persönlichkeit

Die Gefahrensituationen nehmen immer mehr zu. Gewalt gegen Beamte und Einsatzkräfte werden nicht weniger werden, vermutet Daniel Ruß. Auch in Haßfurt gab es schon Fälle. Um das abzufedern, spielt das Auftreten im Arbeitsalltag eines Polizisten eine große Rolle. Während der Ausbildung wird darauf viel Wert gelegt: Wie ich als Polizist selbstsicher auftrete, wie ich Personen ansprechen und mich verhalten muss. Dieses Persönlichkeitstraining wirkt auch nachhaltig. "Ich höre mittlerweile öfters von meinem Umfeld, dass man sieht, dass ich bei der Polizei bin. Mein Auftreten hat sich verändert", sagt Manuel Guhl. Im März beendet er seine Ausbildung. Er hat gelernt: "Je gepflegter man aussieht, desto weniger Angriffspunkte bietet man." Das alles wirkt deeskalierend. Auch deshalb hat er keine Angst, wenn er zu Einsätzen fährt. "Ich weiß, was auf mich zukommen kann."

Für ihn war Polizist schon als Kind ein Traumberuf, den er sich nach dem Realschulabschluss erfüllt hat. Die Abwechslung ist es auch, die Daniel Ruß an seiner Aufgabe fasziniert: "Man hat immer mit neuen und unterschiedlichen Leuten zu tun, jeder Einsatz ist unterschiedlich, mit anderen Hintergründen."

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