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Haßfurt
Strafprozess

Glimpfliche Strafe für den Angeklagten - Tötungsversuch ist vom Tisch

Ein 29-jähriger Autofahrer kam vor dem Landgericht Bamberg glimpflich davon. Dem Haßfurter war vorgeworfen worden, er habe seine Ex-Freundin mit einem Verkehrsunfall umbringen wollen.
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Gravierende Folgen hatte ein Unfall für einen 29-jährigen Haßfurter. Ihm war vorgeworfen worden, er habe seine Ex-Freundin töten wollen. Das Landgericht in Bamberg sah keinen Tötungsversuch. Der Angeklagte kam mit einer Bewährungsstrafe davon. Symbolfoto: Archiv
Gravierende Folgen hatte ein Unfall für einen 29-jährigen Haßfurter. Ihm war vorgeworfen worden, er habe seine Ex-Freundin töten wollen. Das Landgericht in Bamberg sah keinen Tötungsversuch. Der Angeklagte kam mit einer Bewährungsstrafe davon. Symbolfoto: Archiv

Kein versuchter Totschlag: Viel blieb von dem Vorwurf des versuchten Totschlages mittels eines absichtlichen Verkehrsunfalls nicht übrig. Die Beweisaufnahme am Landgericht Bamberg förderte "nur" einen vorsätzlichen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, eine versuchte gefährliche Körperverletzung und einen Versicherungsbetrug zutage. Dadurch kam ein 29-jähriger Mann aus Haßfurt mit einer eineinhalbjährigen Bewährungsstrafe davon. Es wird aber teuer werden.

"Sie sind niemand, der unbedingt ins Gefängnis muss." Als der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt diesen Satz sagte, meinte man einen Stein vom Herzen des Angeklagten fallen zu hören. Der Haßfurter hatte immerhin schon fünf Wochen in Untersuchungshaft verbracht, weil die Justiz von einem versuchten Tötungsdelikt ausgegangen war. "Man stelle sich vor, er wäre im November 2018 nicht freigelassen worden und säße immer noch ein," so Rechtsanwalt Stefan Wagner aus Würzburg. Das hätte in keinem Verhältnis zum jetzt verhängten Schuldspruch gestanden. Dem Angeklagten kam zugute, dass er bislang noch nicht vorbestraft ist, dass seine Ex-Freundin bei dem Unfall nicht verletzt wurde und er reinen Tisch gemacht hatte.

Enorme Gefährlichkeit ausschlaggebend für das Strafmaß

Dennoch orientierte sich das Strafmaß an den Vorstellungen des Staatsanwaltes Felix Stephani. Ein Grund dafür war die enorme Gefährlichkeit. Immerhin war der Angeklagte mit "einer Affen-Geschwindigkeit" von 111 Stundenkilometern durch Mönchherrnsdorf, einem kleinen Ort in der Gemeinde Burgebrach im Kreis Bamberg, gerast. Das zumindest hatte ein Sachverständiger für Unfallanalyse zurückgerechnet. Der hatte aber auch klargemacht, dass die Wiese neben der Bundesstraße 22 nicht der richtige Ort war, um jemanden umzubringen. Eine Hauswand, ein Brückenpfeiler oder ein Baum hätten bessere Dienste geleistet. Derweil hatte das Gericht mahnende Worte für den Verkehrssünder: "Seien Sie froh, dass um diese Uhrzeit kein Fußgänger im Dorf unterwegs war. Den hätten Sie glatt abmähen können. Sie hatten das nicht mehr in der Hand."

Unstreitig war, dass der Angeklagte nach einem Streit während der Fahrt absichtlich das Lenkrad herumgerissen hatte und so mit seinem Kleinwagen von der Fahrbahn abgekommen war. Dass der Angeklagte es nicht ernst gemeint habe, schlossen Richter Schmidt und seine Kollegen aus einer neuen Beziehung mit einer anderen Frau, die sich schon vor dem Unfall angebahnt hatte und den glänzenden beruflichen Aussichten des Angestellten. "Es war ein Sekunden-Entschluss." Vielleicht war es tatsächlich so, wie es der Angeklagte geschildert hatte: Er habe seine damalige Lebensgefährtin nur erschrecken wollen. "Es war jedenfalls ein halbwegs glückliches Ende dieser Fahrt." Verletzt wurde nämlich nur der Angeklagte, der zuvor schon Probleme mit der Wirbelsäule gehabt hatte. Seine Beifahrerin kam mit dem Schrecken davon.

Viele offene Fragen belasten das Verfahren

Auch nach dem Prozess blieben für die Strafkammer viele Fragen ungeklärt: Warum war die Ex-Freundin in der Nähe ihres Wohnortes in aller Herrgottsfrühe überhaupt ins Auto eingestiegen? Weshalb hatte sie während der Fahrt nicht die Polizei gerufen und den Angeklagten nachher sogar ins Krankenhaus gefahren? Wieso hatte sie die Straftat vom Oktober 2017 erst neun Monate später gemeldet? Das habe das Verfahren belastet, so Richter Schmidt. Gerade wenn Emotionen im Spiel seien, sei es nach so langer Zeit schwierig, sichere Zeugenaussagen zu bekommen.

Das wird noch teuer

Durch das Urteil ist auch klar, dass der junge Mann die 6587 Euro zurückzahlen muss, die er von seiner Kfz-Versicherung erhalten hat. Hatte er doch behauptet, ein herumhuschendes Reh habe ihn zum Ausweichen gezwungen. Denn für vorsätzliche Unfälle zahlt die Versicherung nicht. Von dem scheuen Tier als Verursacher war im Prozess dann aber keine Rede mehr. Dass für den Prozess aber ein Gutachten erstellt werden musste, in dem das Reh noch eine Rolle spielte, wird den Angeklagten "mehr als 3,50 Euro kosten. Das hätte man sich mit einem frühzeitigen Geständnis bei der Polizei sparen können." Außerdem darf er zwei Monate lang kein Fahrzeug mehr führen. "Sie müssen ein wenig in Ihren Fahrkünsten eingeschränkt werden." Als Bewährungsauflage verhängte die Strafkammer zudem die Zahlung von 1500 Euro an die Kreisverkehrswacht Bamberg sowie weitere 1500 Euro an das Frauenhaus Bamberg.

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