Haßfurt
Unglück

Tödlicher Unfall am Flugplatz Haßfurt: "Es tut uns ausgesprochen leid."

Ein Militärhubschrauber landete in Haßfurt zum Tanken, dann geschah etwas Schreckliches: Die Maschine verunglückte, ein Flugplatzmitarbeiter starb.
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Der verunglückte Transporthubschrauber der Bundeswehr vor dem beschädigten Tower des Flugplatzes Haßfurt Fotos: Barbara Herbst
Der verunglückte Transporthubschrauber der Bundeswehr vor dem beschädigten Tower des Flugplatzes Haßfurt Fotos: Barbara Herbst
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Die Wucht, mit der die Rotorblätter den Tower trafen, war enorm. Teile des Gebäudes wurden herausgerissen und flogen wie Geschosse durch die Luft, auch vom Rotor lösten sich Teile: Die Trümmer durchlöcherten das über 50 Meter entfernte Tor der Gerätehalle des Fallschirm-Sport-Zentrums von Haßfurt.

Das Tragische an dem Unfall war jedoch die Tatsache, dass sich ein 60-jähriger Mitarbeiter des Flugplatzes Haßfurt zu diesem Zeitpunkt im Freien in der Nähe des Unglücksortes aufgehalten hatte. Ihn trafen herumfliegende Trümmer und verletzten ihn so schwer, dass er in der Nacht auf Dienstag im Krankenhaus verstarb, wie das Polizeipräsidium Unterfranken am Dienstagnachmittag mitteilte. Der Unfall ereignete sich am Montagvormittag (9. April) um kurz nach 10 Uhr. Die vierköpfige Besatzung des Hubschraubers erlitt einen Schock und musste psychologisch betreut werden.


Hauptrotor lief mit voller Leistung

Am Dienstagnachmittag gaben Vertreter der Bundeswehr und des Landratsamtes Haßberge bei einer Pressekonferenz am Unfallort Auskunft zum Geschehen. Das war demnach passiert: Der Bundeswehrhubschrauber des Typs CH 53 war gerade am Flugplatz in Haßfurt gelandet, kurz darauf rollte die Besatzung mit der Maschine in Richtung Tankstelle, die sich unmittelbar neben dem Tower befindet.

Die Drehgeschwindigkeit des etwa 22 Meter durchmessenden Hauptrotors hatte zu diesem Zeitpunkt "noch seine volle Drehzahl", die erbrachte Leistung der Antriebsturbinen mit insgesamt 8660 PS hätte ausgereicht, um den (unbeladen) 10,7 Tonnen schweren Transporthubschrauber wieder abheben zu lassen, wie Marcus Baier vom Luftfahrtamt der Bundeswehr erklärte. Er leitet die Ermittlungen am Unfallort.


Ermittlungen gehen weiter

Der Hubschrauber rollte weiter zum Tankplatz, worauf es zu dem folgenschweren Unfall kam. Die Maschine habe "mit dem Rotor den Tower gestreift", erklärt Oberstleutnant Stefano Toneatto, Pressesprecher bei der Bundeswehr. Durch die herumfliegenden Trümmerteile sei der Flugplatzmitarbeiter getroffen worden und "in der vergangenen Nacht verstorben", erklärte Toneatto. Warum der Hubschrauber zu nah an den Tower geriet, dazu konnte der Pressesprecher keine Auskunft geben, da die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien. Bis ein Abschlussbericht vorliege, dürften laut Toneatto noch einige Wochen vergehen. "Es tut uns ausgesprochen leid, was passiert ist", sagte er.

Der Transporthubschrauber war am Montagmorgen in Manching gestartet und legte am Flugplatz in Haßfurt eine Zwischenlandung ein. Andreas Schmidt von der Wehrtechnischen Dienststelle für Luftfahrzeuge und Luftfahrtgerät der Bundeswehr (WTD) 61 in Manching sprach wie auch Landrat Wilhelm Schneider und der Geschäftsführer des Flugplatzes, Günther Mendel, von einem "äußerst tragischen Unglück" und drückte sein Bedauern aus.


Schwer bewaffnete Soldaten

Am Montag und am Dienstag waren sowohl die Staatsanwaltschaft Bamberg als auch ein Revisionsteam der Bundeswehr mit Ermittlungen vor Ort beschäftigt. Der Flugplatz wurde zum militärischen Sicherheitsbereich erklärt und von schwer bewaffneten Soldaten bewacht. Bis auf weiteres war der Flugbetrieb eingestellt worden. Neben dem Bundeswehrhubschrauber und dem Tower wurden auch andere Flugplatz-Gebäude und stehende Flugzeuge durch umherfliegende Trümmerteile zum Teil erheblich beschädigt. Der Gesamtschaden dürfte nach ersten Schätzungen der Ermittler in die Millionen gehen.


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