Rauhenebrach

Todesfahrt führt ins Gefängnis

Das Amtsgericht Haßfurt verurteilte einen 28-Jährigen zur Haftstrafe. Der Mann hatte einen tödlichen Unfall im Steigerwald verursacht.
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An dieser Stelle passierte die tödliche Kollision. Die Stelle liegt etwa 500 Meter außerhalb von Theinheim.    Ronald Rinklef
An dieser Stelle passierte die tödliche Kollision. Die Stelle liegt etwa 500 Meter außerhalb von Theinheim. Ronald Rinklef
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"Es war eine Autofahrt ohne Wiederkehr", fasste Sabine Müller als Anwältin der Nebenkläger den tragischen Unfalltod einer 74-jährigen Rentnerin in der Gemeinde Rauhenebrach zusammen. Nach einer fünfstündigen Verhandlung vor dem Schöffengericht am Amtsgericht in Haßfurt wurde das Urteil verkündet: Der Angeklagte (28) muss für ein Jahr und sechs Monate hinter Gitter, eine Bewährung wurde nicht gewährt. Bei der Todesfahrt spielten Alkohol und Drogen eine maßgebliche Rolle, denn: Das Rauschgift enthemmte den Angeklagten und infolgedessen fuhr er viel zu schnell und reagierte viel zu langsam. Ergo sei die schwere Kollision "vorhersehbar und vermeidbar" gewesen, führte die Vorsitzende Richterin in ihrer Urteilsbegründung aus.

Bei dem spektakulären Fall geht es um die tödliche Folge eines schweren Verkehrsunfalls, der sich am Sonntagabend des 3. April 2016 im Steigerwald zwischen Untersteinbach und Theinheim ereignet hatte. Wie Staatsanwalt Matthias Eichelsdörfer in seiner Anklageschrift vortrug, war damals der Fahrer eines BMW kurz vor 18 Uhr auf der kurvigen Staatsstraße unterwegs. Obwohl er schon von weitem den silbernen Opel am rechten Fahrbahnrand stehen sah, habe der 28-Jährige sein hohes Tempo kaum reduziert, sagte der Staatsanwalt. Als dann die Frau mit ihrem Opel nach links in einen Feldweg einbiegen wollte, knallte der BMW laut der Berechnung eines Sachverständigen mit 80 bis 90 Stundenkilometern in die Seite des Wagens. Die Seniorin, die am Steuer des gerammten Autos saß, wurde dabei so schwer verletzt, dass nach zwölf Tagen im Koma am 15. April 2016 im Krankenhaus starb.

Was den Angeklagten massiv belastet, war die Tatsache, dass er zum Tatzeitpunkt erheblich unter Alkohol- und Drogeneinfluss stand. Eine Blutprobe ergab rund 1,6 Promille und Rückstände eines Cannabiskonsums. Dazu erklärte der zerknirscht und reumütig wirkende Mann, dass er in der Nacht vor dem Unfall ausgiebig gefeiert habe. Immer wieder sei dabei der Tequila geflossen. Wie die Analyse seiner Blutprobe ergab, hatte der Angeklagte Haschisch oder Marihuana geraucht. Eine verhängnisvolle Kombination, denn die Cannabis-Droge kann die Wirkung des Alkohols verstärken. Der als Sachverständige angereiste Toxikologe von der Universitätsklinik Bonn sprach denn auch von einer "euphorisierenden Wirkung und Enthemmung". So erklärt sich die weit überhöhte Geschwindigkeit.

Nach der Partynacht legte sich der spätere Unfallverursacher gegen halb sieben in der Früh erst mal ins Bett und als er um die Mittagszeit herum aufstand, hatte er das Gefühl, seinen Rausch ausgeschlafen zu haben. Als er sich am Nachmittag spontan mit einigen Kumpels traf, legte er mit einem oder zwei Bieren nach. Zum Unfallgeschehen selbst erklärte er, dass er bei dem Opel nichts von einem Blinker gesehen habe. An die Angehörigen gerichtet, sagte er: "Es tut mir unendlich leid und ich will mich dafür entschuldigen."

Obwohl die Strecke sehr kurvig verläuft, ist die Unfallstelle selber übersichtlich und der BMW-Fahrer hätte den stehenden Opel schon von weitem sehen können. Das exakte Tempo, mit dem er damals unterwegs war, ließ sich nicht rekonstruieren. Aber zwei Zeugen, die damals unterwegs waren, sprachen übereinstimmend davon, dass der Beschuldigte viel zu rasant gefahren sei.

Warum die Rentnerin an dieser Stelle angehalten hatte, auch darüber kann nur spekuliert werden. Entweder wollte sie, wie eine ihrer Enkelinnen vermutete, Blumen an einem kleinen sandsteinernen Bildstock aufstellen oder den Zustand der Felder inspizieren, die von ihrer Familie bewirtschaftet werden. Jedenfalls, unterstrichen alle, die sie näher kannten, sei die 74-Jährige umsichtig und vorsichtig gefahren und geistig und körperlich "topfit" gewesen.

Anhand des demolierten Fahrzeugs konnten die Gutachter feststellen, dass der Opel bei dem Aufprall wohl geblinkt hatte. Wahrscheinlich aber hatte die Seniorin während des Abbiegevorgangs nicht erneut in den Rückspiegel geschaut - denn dann hätte sie vielleicht den heranbrausenden BMW bemerkt.

Mit Blick auf die fatalen Folgen des Unfalls forderte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten - ohne Bewährung. "Das Leben eines Menschen ist das höchste Gut, das unsere Rechtsordnung kennt", betonte der Jurist. Für die Allgemeinheit sei es schlicht und einfach unverständlich, wenn ein Autofahrer in einem solchen Zustand einen anderen Menschen zu Tode fahre und dafür nicht hinter Gitter müsse.

Pflichtverteidiger Jürgen Wagner wies dagegen darauf hin, dass bei seinem Mandanten nach dem Unfall keinerlei Ausfallerscheinungen festgestellt werden konnten. Er habe weder gelallt noch sei er getorkelt. Er plädierte auf eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten.

In der Urteilsbegründung wägte Amtsrichterin Ilona Conver alle Gesichtspunkte gegeneinander ab, die für und gegen den Angeschuldigten sprachen. Da er bislang weder straf- noch verkehrsrechtlich aufgefallen war, könne man ihn nicht als notorischen Verkehrsrowdy bezeichnen. Aber die Grenze zur absoluten Fahruntüchtigkeit, die bei 1,1 Promille liegt, war weit überschritten. "Da hätten Sie nie die Hände ans Steuer legen dürfen", hielt sie dem Verurteilten vor. Innerhalb einer Woche muss der Mann entscheiden, ob er gegen den Richterspruch Einspruch einlegt.

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