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Tierschutz

Tierschutzinitiative Haßberge päppelt 16 kleine Igel auf - Wichtiger Appell an "Igel-Sammler"

16 Fund-Igel hat die Tierschutzinitiative Haßberge derzeit in Pflege. Doch häufig werden die Tiere aus übertriebener Fürsorge abgegeben, obwohl sie kerngesund sind. Leiterin Britta Merkel weiß, wo die kleinen Igel besser aufgehoben wären.
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Schmatzen gestattet: Nina Röhr bringt den Igeln das Futter ins Gehege. Normalerweise sind hier Eichhörnchen untergebracht. Foto: Teresa Hirschberg
Schmatzen gestattet: Nina Röhr bringt den Igeln das Futter ins Gehege. Normalerweise sind hier Eichhörnchen untergebracht. Foto: Teresa Hirschberg
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Durch die Küche zieht ein strenger Geruch. Nina Röhr lässt den rosa-braunen Doseninhalt in eine Schüssel pflatschen und rührt kräftig durch. Ein paar Meter weiter wird das glibbrige Festmahl schon sehnsüchtig erwartet. 16 Igel päppelt das Tierheim Haßberge derzeit auf - und die Zahl der Fundtiere steigt. Doch nicht jeder Igel, der von vermeintlichen Tierfreunden abgegeben wird, braucht tatsächlich Hilfe.

Das Katzenfutter hat eine magische Anziehungskraft: Sobald Röhr die drei Teller im Gehege befüllt, recken sich schwarze, feuchte Näschen aus dem Stroh. Kurze Zeit später sind sie umringt von stacheligen Kugeln. "Am Anfang ist es ganz wichtig, dass sie Katzenfutter ohne Getreide bekommen. Mittlerweile mischen wir aber Futter mit und ohne Getreide", erklärt die Auszubildende mit leiser Stimme, während sie den Tieren beim Schmatzen zusieht. Einige Igel sind noch schreckhaft, ziehen sich bei der kleinsten Bewegung wieder ins Häuschen zurück.

Appell an Igel-Sammler

In den vergangenen Jahren wurden über den Herbst hinweg durchschnittlich 20 Igel im Tierheim abgegeben - diesmal ist die Zahl bereits Anfang Oktober erreicht. Übertriebene Fürsorge und das ständige Aufsammeln der Igel seien mittlerweile zu einem echten Problem geworden, sagt Britta Merkel. "Das ist falsch verstandene Tierliebe", stellt die Tierheimleiterin klar. Manchmal werden sogar ganze Nester abgegeben, die eigentlich viel besser bei der dazugehörigen Igelmutter aufgehoben wären. "Häufig wollen die Leute sie einfach nur loswerden, weil sie ihnen im Garten lästig sind", erzählt Merkel. "Sie sagen dann zum Beispiel, ihr Hund sei wegen der Igel voller Flöhe - dabei kann er sich die auch woanders geholt haben."

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Gesunde Igel werden den Findern wieder mitgegeben und wenn möglich im eigenen Garten weiterversorgt. Denn oft seien die Tiere reviergebunden oder noch Halbstarke, die von ihrer Familie getrennt wurden. Zwischen 100 und 300 Gramm wiegen sie bei ihrer Ankunft im Tierheim, je nachdem, aus welchem Wurf sie stammen. Das Alter der Tiere können die Mitarbeiter nicht genau bestimmen, nur an den unterschiedlichen Größen abschätzen.

Mit Fläschchen füttern

Sind sie bei ihrer Ankunft im Tierheim noch ganz klein und schwach, werden die Igel zunächst mit Katzen-Aufzuchtmilch aus dem Fläschchen gefüttert. Haben sie ein Gewicht von 500 Gramm erreicht, können sie wieder entlassen werden. "Dann ist sicher, dass sie gut durch den Winter kommen", erklärt Röhr. Einige Wochen können bis dahin vergehen, je nachdem, in welchem Zustand die Tiere eingeliefert werden. "Wenn sie so weiter futtern wie bisher, können sie noch in diesem Jahr wieder raus", schätzt Merkel. Sollte das Herbstwetter doch nicht mitspielen, müssen die Igel im Tierheim überwintern.

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Gefährlich wird es für Igel, die ihr Revier mit anderen Vierbeinern teilen: Denn häufig werden die Tiere mit Hunde-Bisswunden zum Arzt gebracht, müssen dann aufwendig getackert und mit Antibiotikum behandelt werden.

Wer keinen Hund hat, der im eigenen Garten Igel-Alarm schlagen könnte, erkennt die Anwesenheit der Stacheltiere auch an "fremden Würstchen", wie es Merkel beschreibt. "Igel sind nämlich Schweine", sagt die Tierheim-Leiterin und Röhr bestätigt: "Die machen mit ihrem Kot eine riesige Sauerei."

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800 Gramm Katzenfutter bekommen die Igel jeweils zum Mittag- und Abendessen serviert.

Wann Igel wirklich dringend Hilfe brauchen

1. Die Tiere rollen sich nicht zu einer Kugel zusammen, wenn sie berührt werden.

2. Unterernährte Igel haben einen birnenförmigen Körper, der hinter dem Kopf dünner wird und dann wieder in die Breite geht.

3. Ausgewachsene Igel sind nachtaktiv, Spaziergänge am Nachmittag und ein torkelnder Gang sind untypisch.

4. Sie sind von Maden und Fliegen befallen oder sichtbar verletzt.

Vorsicht! Normale Kuhmilch sowie Futtermilch für Katzen können für Igel tödlich sein. Obst und Nüsse gehören ebenso wenig auf den Speiseplan. Mit Katzenfutter aus der Dose und einem trockenen Unterschlupf aus Reisig, Laub oder Holz machen Tierfreunde dagegen nichts falsch.

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