Oberschwappach
Hilfe

Tierschutzinitiative Haßberge: Die Arbeit ist doch kaum zu scha(f)fen

Auf Britta Merkels Hof ist mächtig viel los. Die Vorsitzende der Tierschutzinitiative Haßberge betreut hier Tiere, die sich einst in einer misslichen Lage befanden. Der Verein "Franken helfen Franken" der Mediengruppe Oberfranken will diese wertvolle Arbeit unterstützen.
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Schaf Moses (oben) ging nach der Geburt verloren, seine Herde zog ohne ihn weiter, doch fand er ein neues Zuhause in Oberschwappach.
Schaf Moses (oben) ging nach der Geburt verloren, seine Herde zog ohne ihn weiter, doch fand er ein neues Zuhause in Oberschwappach.
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Dass Britta Merkel nur selten eine ruhige Minute hat, merkt man, wenn man versucht, mit ihr ins Gespräch zu kommen. In ihrer Küche in Oberschwappach springt Hündin Nadja umher und giert nach Aufmerksamkeit. Das junge Tier sei ein liebevolles Energiebündel, erklärt Merkel lächelnd. Nadja, die solange bei Merkel bleiben darf, bis sie jemand übernehmen möchte, wird kurz gekrault und gibt sich erstmal zufrieden. Fünf Katzen tummeln sich um die Frühstücksbar, Kater Plix hat es sich auf der Mikrowelle bequem gemacht und döst gemütlich. Die anderen hätten jetzt am liebsten etwas zu fressen und machen sich schnurrend-schmusend bemerkbar. Zwei weitere Hunde (Scotty und Papsi) wollen dann noch ein paar Streicheleinheiten. Als der Zeitungsreporter die erste Frage stellt und Britta Merkel antworten will, klingelt das Telefon.

Damwild, Schaf und Ziege

"Ein Privatleben hat Frau Merkel jetzt nicht mehr", sagt Karin Kraus und lacht. "Ich wär' da schon längst durchgedreht." Kraus und Merkel sind Freundinnen, zusammen bilden sie den Vorstand der Tierschutzinitiative (TI) Haßberge. Kraus ist zuständig für das "Drumherum", Merkel ist die Tier-Expertin, die sich um all die tierischen Not- und Pflegefälle im Landkreis kümmert: im Schnitt 25 Katzen, derzeit vier bis fünf Hunde, zwei Pferde, ein Damwild-Kalb, ein Schaf, eine Ziege und zwei Enten, so lautet die Momentaufnahme auf Merkels Hof mitten im Knetzgauer Gemeindeteil Oberschwappach. Zeitweise wohnten auch schon Königspythons, eine Vogelspinne, Skorpione und sogar ein Rhesus-Affe hier . Nicht nur, dass die Pflege der Tiere aufwändig ist, das Ganze kostet auch eine ziemliche Stange Geld. Zwischen 2000 und 3000 Euro monatlich muss die TI für Tierarztkosten, Pflege und Unterhalt der Tiere aufbringen.

Am teuersten sind die Katzen: Kastration, Impfung, Entwurmung, gegebenenfalls Behandlung gegen Krankheiten. Das ganze Jahr über kommen ständig neue Katzen herein (Kraus: "Wir vermitteln gut, Gott sein Dank!"), aber zwischen 20 und 30 Miezen sind trotzdem immer zu versorgen. Das geht ins Geld. Durch Spenden, Mitgliedsbeiträge, Futterspenden, Tombolas oder Plätzchenverkauf auf Weihnachts- und Flohmärkten hält sich der Verein seit fünf Jahren über Wasser. Auch Patenschaften, die jemand für eines der unvermittelbaren Tiere übernimmt, seien sehr hilfreich.

Druck auf Politik

Das alles in Oberschwappach aber langfristig aufzuziehen, sei aber "einfach unrealistisch", sagt Kraus. Nicht erst seit gestern machen die beiden Frauen und die rund 130 Mitglieder der TI Haßberge Druck auf die Politik: Es muss endlich ein neues Tierheim her. Denn seit das Veterinäramt des Landratsamtes die bis dato bestehende Einrichtung in Haßfurt im Juli 2011 hat schließen lassen ("unakzeptable Zustände"), ist die Sache in der Schwebe. Die TI hatte zwar provisorisch in Oberschwappach die Fundtier-Betreuung übernommen, stieß aber schnell an ihre Grenzen: Es war einfach nicht genügend Platz.

Die TI hatte die provisorische Fundtierbetreuung bis Ende 2012 übernommen. Derzeit vermitteln die Kommunen ihre Fundtiere an Tierheime in Nachbarlandkreise. Nun zeichnet sich nach langer Suche eine Lösung ab: es gibt ein vielversprechendes Grundstück im Norden Haßfurts. "Das Grundstück gehört der Stadt Haßfurt", erklärt die Pressesprecherin des Landratsamtes, Monika Göhr. "Es besteht bereits eine Skizze, wie das Tierheim aussehen könnte: ein eingeschossiger Bau mit zwei Trakten - einer für Hunde, einer für Katzen- , die mit einem Zwischenbau verbunden sind." Zu klären sei noch die Erschließung des Grundstücks und die Finanzierung. Laut Gesetz sind die Städte und Gemeinden für die Fundtierbetreuung zuständig, in den vergangenen Jahren hatten sie die Aufgabe über eine 40-Cent-Pro-Einwohner-Pauschale an den Kreis übertragen.

Bürgermeister treffen sich

Am kommenden Montag findet deswegen ein Gespräch zwischen der Stadt Haßfurt und Vertretern des Landratsamtes statt, "das der Vorbesprechung für die Bürgermeisterdienstbesprechung am Montag, 16. Dezember, dient", teilt Göhr mit. Ausgaben von mindestens 700 .000 Euro seien für ein neues Tierheim nötig, will man es ordentlich machen, schätzt Merkel. Ob die Kommunen so viel Geld aufbringen wollen? Doch Merkel und Kraus kämpfen dafür, dass die Städte und Gemeinden nicht auf eine 0815-Lösung setzen: denn langfristig könnte das noch teurer werden.


Der Verein "Franken helfen Franken"


Idee Die Mediengruppe Oberfranken erreicht über ihre Zeitungen Fränkischer Tag, Bayerische Rundschau, Coburger Tageblatt, Saale-Zeitung und Die Kitzinger sowie ihre Internetangebote viele Menschen. Das will sie mit Hilfe eines Spendenvereins nutzen - und Hilfsbedürftige in der Region unterstützen.

Zweck Der Spendenverein macht sich stark für ein Franken, das sich durch eine Atmosphäre des Miteinanders und der gegenseitigen Hilfe auszeichnet.

Verwendung Jeder für "Franken helfen Franken" gespendete Euro geht an den guten Zweck, die Verwaltungskosten übernimmt die Mediengruppe Oberfranken.

Empfänger Die Spenden gehen ausschließlich an gemeinnützige Initiativen und Projekte oder Vereine in der Region. Die können sich direkt bei "Franken helfen Franken" bewerben, der Vereinsausschuss entscheidet dann über die Spende. Seit der Gründung von "Franken helfen Franken" vor rund vier Jahren wurden sie insgesamt schon über 90 000 Euro ausgegeben.

Spendenkonto Mediengruppe Oberfranken - Franken helfen Franken e.V.; Sparkasse Bamberg (BLZ 770 500 00), Konto 302 194 501, Verwendungszweck: TI Haßberge

Fragen? Mehr Infos und Kontaktdaten gibt es hier.


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