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Tierquälerei-Skandal in Bayern: Razzia auch in fränkischem Landkreis - was ist passiert?

Der Skandal um den Vorwurf der Tierquälerei gegen einen Milchviehbetrieb aus dem Allgäu weitet sich aus. Im Zuge einer großen Razzia gab es auch Durchsuchungen in Franken. Eine extra eingerichtete Soko hat die Ermittlungen übernommen.
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Der Tierquälerei-Skandal weitet sich auch auf Franken aus. Jetzt wurden bei einer großen Razzia auch Räumlichkeiten in Haßberge untersucht. Symbolfoto: RyanMcGuire/Pixabay.com
Der Tierquälerei-Skandal weitet sich auch auf Franken aus. Jetzt wurden bei einer großen Razzia auch Räumlichkeiten in Haßberge untersucht. Symbolfoto: RyanMcGuire/Pixabay.com

Nach den Tierquälerei-Vorwürfen gegen einen Milchviehbetrieb aus dem Allgäu haben die Ermittler bei einer Großrazzia nach Beweisen gesucht. Bei der Aktion wurden am Mittwoch sieben Milchviehbetriebe, zwei Praxen und zwölf Wohnungen in Bayern und Baden-Württemberg durchsucht. Auch im fränkischen Landkreis Haßberge wurde nach Beweisen gesucht.

Es werde gegen neun Verdächtige ermittelt, sagte Staatsanwalt Thomas Hörmann in Memmingen. Es handele sich um den Inhaber und Mitarbeiter des Betriebes sowie drei Tierärzte. Das Landratsamt Unterallgäu teilte mit, der Betrieb sei bereits mit Auflagen belegt worden.

Razzia in Unterfranken: Auch im Landkreis Haßberge wird durchsucht

Die Razzia fand in den Landkreisen Unter- und Oberallgäu, Weilheim-Schongau, Haßberge und Ravensburg sowie in der Stadt Kempten statt. Auch der Hauptbetrieb in Bad Grönenbach sowie mehrere Nebenbetriebe waren betroffen. Mehr als 160 Polizisten, 11 Staatsanwälte und mehrere Veterinäre waren im Einsatz.

In dem Großbetrieb im Unterallgäu sollen Kühe misshandelt worden sein. Eine Tierrechtsorganisation hatte vor rund drei Wochen entsprechende Videoaufnahmen öffentlich gemacht. Das Unternehmen hat sich bislang zu den Anschuldigungen öffentlich nicht geäußert. Am Mittwoch war in dem Betrieb ebenfalls niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Harte Auflagen für Landwirt: Tierschutzbeauftragter, Verbot der Tötung von Rindern und Untersuchung von Tierarzt vor Schlachthof-Transport

Die Behörden haben nach eigener Darstellung in den vergangenen Wochen die Zügel angezogen. Zu den bereits verhängten Auflagen gehört etwa, dass der Landwirt einen Tierschutzbeauftragten einsetzen muss, wie eine Sprecherin mitteilte. Zudem sei dem Betrieb das Töten von Rindern bis auf Weiteres untersagt. Vor einem Transport zu einem Schlachthof müssen Tiere überdies von einem amtlichen Tierarzt untersucht werden.

"Eine Betriebsschließung kommt im vorliegenden Fall zum jetzigen Zeitpunkt nicht in Betracht", sagte die Sprecherin. "Dadurch wäre auch den Tieren nicht geholfen. Diese sind und werden versorgt."

Das Unternehmen hält nach Angaben der Behörden in den beiden Bundesländern rund 2850 Rinder. Bei zwei Kontrollen im Juli wurden bei dem Betrieb etliche kranke und verletzte Tiere entdeckt. Es seien an den beiden Tagen insgesamt zwölf Tiere wegen des schlechten Zustands sofort eingeschläfert worden, sagte Martina Sedlmayer vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Soko "Fundus" mit 30 Mitarbeitern: Sichtung von 400 Videomaterial und sichergestellten Unterlagen

Beim Polizeipräsidium in Kempten wurde zur Aufklärung der Vorwürfe eine 30-köpfige Sonderkommission gegründet. Die Soko "Fundus", benannt nach der lateinischen Bezeichnung für Landgut, wertet auch mehr als 400 Stunden Videoaufnahmen aus, die der Tierschutzverein den Ermittlern zur Verfügung gestellt hat. Etwa zwei Drittel des Materials seien bereits gesichtet, sagte Soko-Chef Michael Haber. Zudem müssen nun die bei der Razzia sichergestellten Unterlagen überprüft werden. "Wann erste Ergebnisse dieser Durchsuchungen zu erwarten sind, kann ich derzeit nicht einschätzen", sagte Haber.

Durch die bisherigen Prüfungen sieht die Staatsanwaltschaft den Verdacht von tierschutzrechtlichen Verstößen gegeben. So werde gegen den Inhaber des Betriebes ermittelt, weil der Verdacht bestehe, dass der Mann durch Unterlassen von Behandlungen oder das Einschläfern kranker Rinder den Tieren Schmerzen zugefügt habe, erklärte Hörmann.

Bayerns Verbraucherschutzminister will Kontrolle von Großbetrieben neu organisieren

Auch gegen fünf Mitarbeiter und drei Hoftierärzte gebe es Ermittlungen wegen des Verdachts von Verstößen gegen das Tierschutzgesetz. In dem bisherigen Verfahren hätten die Beschuldigten keine Angaben zu den Vorwürfen gemacht, sagte er.

Nach Angaben der Ermittler hat es nach Bekanntwerden der Vorwürfe auch etwa 30 Straftaten wie "Bedrohungen, Beleidigungen und Sachbeschädigungen zum Nachteil der Betreiberfamilie" des Hofs gegeben. Es gebe Beleidigungen in sozialen Netzwerken und eine Bedrohung mit einem Messer. Diese Taten will die Polizei verfolgen.

Bayerns Verbraucherschutzminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) hatte angekündigt, die Kontrollen von Großbetrieben neu zu organisieren. Die dafür zuständige Spezialbehörde soll zwei neue Standorte und 25 neue Stellen dafür erhalten.

So kam die Geschichte ins Rollen: Skandal wegen Tierquälerei in Bayern - Betrieb war schon mehrfach auffällig

Tierschützer haben offenbar einen Skandal in einem der größten Milchviehbetriebe Bayerns aufgedeckt. Videoaufnahmen, die veröffentlicht wurden, zeigen schlimme Zustände in dem Betrieb in Bad Grönenbach (Allgäu).

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