Haßfurt
Fundtiere

Tierheim Haßberge: Gelingt bald der große Sprung?

Seit längerer Zeit hat der Landkreis kein Tierheim und damit ein Problem. Oft schon ist die Suche nach einem Standort kurz vor dem Ziel gescheitert. Gegen die jüngste, mögliche Lösung regt sich heftiger Protest.
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Ein kleines Kätzchen, das im Katzenhaus der Tierschutzinitiative Haßberge in Oberschwappach untergekommen ist. Ein echtes Tierheim gibt es im Landkreis Haßberge aber immer noch nicht. Foto: Schlicht/schLichtspiel.de
Ein kleines Kätzchen, das im Katzenhaus der Tierschutzinitiative Haßberge in Oberschwappach untergekommen ist. Ein echtes Tierheim gibt es im Landkreis Haßberge aber immer noch nicht. Foto: Schlicht/schLichtspiel.de
Was der Landrat sich schon alles anhören musste wegen des nicht vorhandenen Tierheims, geht auf keine Kuhhaut (wenn man das in Zusammenhang mit tierschutzrechtlichen Vorgaben überhaupt so sagen darf). Rudolf Handwerker (CSU) hat die seit über zwei Jahren andauernde Suche nach einem geeigneten Standort ein bisschen satt. "Mich nervt das schon langsam", sagt er. "Ich hätte nie gedacht, dass das so lange dauern könnte."
Aber weil es so lange dauert, kommt Kritik von vielen Seiten, unter anderem aus der Bevölkerung, aber auch von der Tierschutzinitiative (TI) Haßberge, die quasi seit Beginn der Suche in den Startlöchern steht, das neue Tierheim zu betreiben. Dabei ist es im Grunde genommen gar nicht die Aufgabe des Landratsamts, sich um die Fundtierbetreuung zu kümmern. Zuständig sind die Städte und Gemeinden im Landkreis.

Persönliche Angriffe
Weil aber nicht jede Kommune "ein kleines Tierheim aufmachen" kann, wie es Rauhenebrachs Bürgermeister Oskar Ebert (FW) einst auf den Punkt brachte, soll eine kreisweite Lösung her. Und die liegt auch Rudolf Handwerker am Herzen, der es bedauert, dass sein Landkreis wohl der einzige in der Umgebung ist, der kein Tierheim hat.

Als nun jüngst ein Waldgrundstück in der Gemarkung Schlettach zwischen den Haßfurter Stadtteilen Sylbach und Prappach ins Gespräch gebracht worden war, regte sich sogleich Widerstand gegen das möglich Vorhaben: Die Jagdgenossenschaft und die Waldkörperschaft Sylbach (im folgenden als JWS bezeichnet) hält den Schlettachwald für ungeeignet, weil es sich hier "um einen sensiblen Bereich im Sinne des Natur- und Landschaftsschutzes" handelt. In dem Schreiben der JWS wird Landrat Handwerker sogar persönlich angegriffen.

Von wegen Gutsherr
So wird ihm etwa vorgeworfen, er nutze seine politische Macht aus und versuche, das Tierheim-Projekt im Fall Schlettach nun durchzudrücken (Zitat: "Der Herr Landrat kann ja zum Wohl der Allgemeinheit alles umgehen").
Solche Angriffe gegen seine Person "nehme ich gelassen", sagt Handwerker dazu. Dazu sei er schon zu lange in der Politik, als dass er sich hier aus der Reserve locken ließe. Dass er irgendetwas durchdrücken wolle, weist er zurück: "Als ob der Landrat als Gutsherr über allem steht." Das könne nur jemand behaupten, der keine Ahnung davon habe, wie die Abläufe hier sind. Der Landrat vertraut bei seiner Meinungsbildung auf das Wissen der Experten in seiner Behörde.

Außerdem sieht er ein Tierheim Schlettach selbst kritisch. "Es ist ein problematischer Standort von der Erschließung her", räumt er ein. Unter anderem ist es schwierig, dort einen Abwasseranschluss zu legen. Wenn die JWS nun gegen den Standort protestiert, ist das für Handwerker kein Problem: "Wir nehmen die Einwendungen natürlich ernst", sagt er. Und: "Wir werden Alternativen prüfen." Denn fix sei hier noch gar nichts, es gab auch noch keine Untersuchung des Baugrundes. Warum ist das Waldstück dann im Gespräch? Die TI hat es laut Handwerker "als besonders geeignet" empfunden, weil es ausreichend Platz bietet und außerhalb von Ortschaften liegt. Erneut betont der Landrat: "Es ist ein möglicher Standort."

Wie es in der Sache weitergeht, wird sich voraussichtlich am 16. Dezember entscheiden. Dann wollen die Bürgermeister der Landkreiskommunen das Thema bei einer Bürgermeisterdienstbesprechung ausführlich behandeln. Und es wird auch ums Geld gehen: Denn der Neubau eines Tierheims wird laut Handwerker nicht unter einer Million Euro zu realisieren sein. Und das habe nichts mit "Luxus" für die Tiere zu tun, wie die JWS in ihrem Schreiben gespottet hat. "Mittlerweile sind die Standards beim Tierschutz so hoch", erklärt Handwerker. Und diese werde man einhalten.


Wer ist zuständig und warum gibt es kein Tierheim?

Fundrecht Landkreis oder Kommunen, wer muss sich um die Fundtiere kümmern? Nach dem Fundrecht sind die Gemeinden und Städte für die Fundtierbetreuung zuständig. Allerdings hatte der Kreisausschuss des Kreistages die Aufgabe ab Januar 1996 auf den Tierschutzverein Haßfurt Stadt und Land (ehemaliger Betreiber des Tierheims in Haßfurt) übertragen. Der Verein erhielt dafür einen jährlichen Zuschuss vom Landkreis, dem die Kommunen eine Pro-Kopf-Einwohner-Pauschale in Höhe von 40 Cent wiederum bezahlten.

Schließung Nachdem das Tierheim 2011 geschlossen und dem Tierschutzverein die Kompetenz zur Fundtierbetreuung abgesprochen worden war, sprang die Tierschutzinitiative (TI) Haßberge ein und verlagerte die Fundtierbetreuung provisorisch nach Oberschwappach. Den Vertrag hat die TI aber mittlerweile gekündigt, weil der Privathof in Oberschwappach auf Dauer zu klein ist. Der Landkreis scheiterte seitdem mehrmals in Verhandlungen mit Grundstückseigentümern, wenn es um einen neuen Tierheim-Standort ging.
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