Haßfurt
Schadinsekten

Theres, Buch, Ebern: Der Borkenkäfer tötet die Fichten

"Katastrophenstimmung" - Förster Björn Lieblein braucht nur ein Wort, um die aktuelle Lage zu beschreiben.
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Auf einem Stück Rinde befindet sich ein ausgewachsener Borkenkäfer.Lino Mirgeler/dpa
Auf einem Stück Rinde befindet sich ein ausgewachsener Borkenkäfer.Lino Mirgeler/dpa
Er betreut den Haßfurter Stadtwald und den Gemeindewald Theres und sieht in Sachen Borkenkäfer den Kampf als verloren an. "Jetzt geht es nur noch um Schadenbegrenzung." Es liegt eine geradezu atemlose Zeit hinter Lieblein und seinen Berufskollegen: Seit den Wintermonaten und dem Frühjahr hat der Druck auf ihnen gelegen, in Fichtenbeständen Befall auszumachen und schnellstens die Stämme aus dem Wald zu schaffen. "Mit Stumpf und Stiel" nahmen die Waldarbeiter sogar die sonst im Wald zurückbleibenden Giebelhölzer zur Schadensprävention mit.

Doch keine Chance. In dem heißen Sommer vermehrte sich jetzt auch im Landkreis der Borkenkäfer - geradezu explosionsartig ist der Befall in diesen Tagen sichtbar. Wieder muss dringend gehandelt werden, Holz und Rinde müssen raus.


Alarmstufe Rot

Jürgen Hahnvom Sachgebiet Waldschutz am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schweinfurt, zuständig für die Landkreise Schweinfurt und Haßberge, kam diese Woche aus dem Urlaub und veränderte zuerst die Farbe: Rot, oberste Alarmstufe, zeigt jetzt das Borkenkäferinfoportalborkenkaefer.org für den Landkreis Haßberge an, das die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft betreut. "Gerade um Ebern herum", so Hahn, schaut es für unsere Verhältnisse schlimm aus".

Freilich, sagt Hahn, sind die Schäden hier noch im bayernweiten Vergleich fast lächerlich gering. Die Kahlschläge bei Regensburg und Landshut haben ein anderes Kaliber.

In der Behörde geht es jetzt um Abstimmung: Die Forstbetriebsgemeinschaften haben Hahn gerade angerufen, um die Einschätzung der Revierleiter zu erfahren und so Noteinsätze in den Einsatzplan aufnehmen zu können.


Der Staat gibt Geld

Für Privatwaldbesitzer, sagt Hahn, gibt es staatliche Hilfen, wenn sie sich bei den Revierförstern vor Ort melden (über den "Försterfinder" auf dem Waldbesitzer-Portal auf der Internetseite des "aelf schweinfurt"). Wichtig, so Hahn: Privatwaldbesitzer müssen jetzt kontrollieren und akribisch handeln. Wo Käferholz liegen bleibt, selbst wenn es nur ein Brocken Brennholz ist, da verwandelt es sich in ein Brutnest für die Schädlinge, für die 500 Meter zum nächsten Baum ein Klacks ist. Für den Raum Ebern legt das Amt gerade einen Lagerplatz für Käferholz an, der weit genug von anderen Beständen entfernt ist.

40 Prozent der Fläche des Landkreises Haßberge ist bewaldet; ein Teil wird durch den Bayerischen Staatsforst verwaltet (Steigerwald), viele Waldflächen stehen unter der Regie von Städten und Gemeinden und sind Privatwald.


Zersplitterte Privatwälder

Wie Jürgen Hahn vom Forstamt in Schweinfurt erzählt, hat das fränkische Erbrecht die Privatwälder sehr zerteilt. In Erbengemeinschaften sind es manchmal nicht einmal drei Meter, die den einen Waldbesitzer vom anderen trennen. Da ist die genaue Grenze selbst per GPS nicht mehr herauszufinden.

Das Forstamt Schweinfurt, zuständig für die Landkreise Schweinfurt und Haßberge, hat vor allem beratende Funktion. Viele tausend Waldbesitzer gehören zu der Klientel der Behörde.

Weil der Schädling nicht unterscheidet zwischen Privatwald, Staatswald oder Stadtwald und fremdes Eigentum gefährdet ist, muss die Behörde aktuell zu drastischen Mitteln greifen. Wie Jürgen Hahn als Sachbearbeiter Waldschutz erläutert, erlaubt ihm die aktuelle Lage die Anordnung einer Ersatzvornahme, wenn ein Waldbesitzer nicht zu erreichen ist. Was in der Urlaubszeit ein Problem sein kann. Reagiert der Privatwaldbesitzer innerhalb der Zwei-Wochen-Frist nicht, so schickt das Amt einen Unternehmer - die Kosten trägt der Waldbesitzer.


Wichtig: tägliche Kontrolle

Die Fachleute empfehlen jetzt Privatwaldbesitzern tägliche Kontrolle - und dann Meldung beim Forstamt. Björn Lieblein weiß, "es hat ewig gedauert, bis man überhaupt etwas gefunden hat." Jürgen Hahn erklärt: Wenn ein Baum befallen ist, wehrt er sich erst, indem er den Eindringling verharzt. Bohrmehl sieht man erst später.

Wegen der Hitze und Trockenheit aber waren die Fichten schwach; da gab es kaum Harztröpfchen an den Baumstämmen zu sichten. Dann die "Pseudogewitter". Hahn: Kaum Regen, viel Wind, der das Bohrmehl verblasen hat. So zeigen sich die Schäden aktuell schlagartig. Wenn bei der Fichte erst einmal die Nadeln braun sind, ist alles vorbei - die Käfer sind weg, unterwegs zu neuen Gefilden.


Die Nachwehen kommen noch

Björn Lieblein appelliert nun auch an das Verständnis der Wanderer, denn die Aufarbeitung des Schadholzes wird sicher bis zur neuen Holzsaison ab Oktober dauern. Wege müssen gesperrt werden. Das eigentlich Schlimme ist, findet der Förster, dass es mit der Arbeit jetzt nicht getan ist. Die neuen Kahlschlagflächen kann man nicht der Natur überlassen: Der Wald ist als Wirtschaftsfaktor Lieferant für hochwertige Hölzer. Was nützt da eine Fläche mit Pappeln oder Birken, die keiner will?


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