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Ebelsbach
Bürgerversammlung

Thema "Herrenwald" entzweit die Ebelsbacher

Selten war das Interesse an einer öffentlichen Diskussion: Junge Familien wollen Bauland. In der Siedlung befürchtet man Belastungen.
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Noch nie war es bei einer Bürgerversammlung so voll: Riesig war das Interesse an der Diskussion über das Baugebiet "Am Herrenwald; rechts Bürgermeister Walter Ziegler. Fotos: Günther Geiling
Noch nie war es bei einer Bürgerversammlung so voll: Riesig war das Interesse an der Diskussion über das Baugebiet "Am Herrenwald; rechts Bürgermeister Walter Ziegler. Fotos: Günther Geiling
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Riesig war das Interesse an der Bürgerversammlung zum Thema Baugebiet "Am Herrenwald". Bürgermeister Walter Ziegler war sichtlich überrascht über die rund 250 Besucher. "In meiner ganzen Amtszeit hatte ich noch nie so viele Teilnehmer bei einer Bürgerversammlung."

Dafür und dagegen

Dabei wurden Fronten deutlich. Während Bürger fanden, dass die Planung "mit zwei Engstellen verkehrstechnisch ein Chaos" sei und "man dies den Menschen nicht zumuten könne, die dort wohnen", hieß es auf der anderen Seite: "Ich kann dies nicht nachvollziehen" und "Das kann man ertragen". In der nächsten Woche ist der Gemeinderat am Zug, über die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens zum Baugebiet "Am Herrenwald" zu entscheiden.

Der Bürgersaal konnte die Interessierten kaum fassen. Ganz offensichtlich brennt das Thema "neues Baugebiet am Herrenwald" auf den Nägeln. "Die Gemeinde Ebelsbach ist ein beliebter Wohnstandort und hat in den letzten Jahren die im Flächennutzungsplan ausgewiesenen Wohngebiete angesichts der bestehenden Nachfrage konsequent aufgeplant. Diese Baugebiete sind mittlerweile weitestgehend bebaut und auf die noch freien Bauplätze hat die Kommune aus eigentumsrechtlichen Gründen keinen Zugriff", betonte Walter Ziegler.

Tatsächlich sind noch 63 Bauplätze unbebaut, aber in privatem Besitz. Weil niemand verkaufen will, bleibt kaum Möglichkeit, an Bauflächen zu gelangen. Die Nachfrage nach Wohnbebauung sei aber ungebrochen, beschrieb Ziegler, die Gemeinde muss neue Bauflächen planen.

Voruntersuchungen schon 2017

Der Bürgermeister erinnerte daran, dass Ebelsbach deswegen im April 2017 Voruntersuchungen beauftragte, denn das Gebiet "ist nicht ganz ohne". Drei Punkte galt es zu klären. Bei der Wasserversorgung gibt es im Hochbehälter eine Drucksteigerungsanlage, mit der auch die Zone III versorgt werden kann. Eine Verlegung der 110-kv-Hochspannungsleitung würde bei fünf neuen Masten zwei Millionen Euro kosten; eine Verkabelung 2,5 Millionen Euro.

Und die Anbindung des neuen Siedlungsgebiets an die überörtliche Straße zwischen Steinbach und Ebelsbach? Die Baukosten lägen bei 1,7 Millionen Euro - mit den Nebenkosten bei 2,5 Millionen Euro. Ein weiterer Kreisverkehr Richtung Steinbach wäre dann möglich, wenn Eltmann sein Industriegebiet mit anbände. Gegenwind gibt es vom Naturschutz, weil am Ebelsbacher Hang wertvolle Biotope liegen. So war sich der Gemeinderat einig, von einem Straßenbau aus Kosten- und Naturschutzgründen Abstand zu nehmen.

In der Folge, so Ziegler, wurden Varianten diskutiert. Für die jetzige Teilvariante mit 45 Bauplätzen wurden die Auslegung mit 10:3 Stimmen und das Baugutachten mit 10:5 Stimmen beschlossen. Ziegler sprach für die Verwirklichung zwei Zeitfenster an. Der Aufstellungsbeschluss war zum 31. Dezember 2019 zu fassen; der Plan selbst muss Ende 2021 Rechtskraft erlangen. Der Gemeinderat beschloss am 22. Januar, das Verfahren fortzuführen. Ziegler erläuterte das Abwassersystem: Das Schmutzwasser soll über den Kanal, das Oberflächenwasser über Rückhaltungen in das Kirschental abgeleitet werden. Ziegler kritisierte, dass die Aktiven des Bürgerbegehrens wegen angeblicher Kanalprobleme Druck auf die Bürger machten. Das sei nicht gerechtfertigt.

Genug Wohnraum ist da

Bei der Bürgerversammlung entwickelte sich eine sehr rege Diskussion. Wolfgang Gerbig fragte, für wen Ebelsbach die Bauplätze brauche - für Einheimische oder für Auswärtige? In der Gemeinde gebe es genug Leerstände oder Häuser, in denen nur noch eine Person lebt. "Irgendwann stehen diese Häuser leer. Auch am Schloss oder an der Schule gibt es noch Flächen, die man bebauen könnte. Wir pflastern alles zu und in 20 Jahren werden wir auch noch den Herrenwald roden, damit wir bauen können."

Sarah Folger sagte, "Ich bin Ebelsbacherin und würde gern hier bleiben wie auch meine Freunde. Ich bitte die Träume von jungen Familien nicht zu zerstören." Der Leiter der Bauverwaltung, Matthias Stretz, verwies auf die Reservierungsliste für das neue Baugebiet: 30 Personen wollen Plätze kaufen. Zur Hälfte seien es Ebelsbacher. Die andere Hälfte seien Auswärtige, die wegen der Nähe zu Bamberg oder Schweinfurt hier bauen wollen. Laut Leerstandsmanagement verfügt Ebelsbach über 63 freie Bauplätze.

Thomas Wendler wünschte "Fakten" zur Wasserableitung und Größe der Rückhaltebecken. Er schlug vor, jeder Bauherr solle eine Zisterne bauen oder sich über eine andere zentrale Lösung Gedanken machen. Der Bebauungsplan sei jedenfalls nicht zukunftsweisend. Ihn interessierte ferner, welche Grundstücksbesitzer verkauften und welche Flächen dann in Gemeindehand kämen. Markus Reinwand brachte das Schlossareal in Ebelsbach als Alternative für Wohnbebauung ins Gespräch. Die Verlängerung der "Weingartenstraße" mit Anschluss in Richtung Gewerbegebiet und an die Staatsstraße sollte überdacht werden. "Dies müsste doch bei einer großen Gemeinde wie Ebelsbach genehmigt werden", meinte er mit dem Hinweis auf Ziegelanger oder Zeil.

Franz Hertel meinte, dass es ja beim Verkehr nicht nur um Zahlen, bezogen auf die jetzt geplanten 45 Wohneinheiten gehe, sondern mit dem nächsten Bauabschnitt dann 80 bis 85 Bauparzellen vorhanden wären. "Das ist dann verkehrstechnisch ein Chaos und da muss es eine Entlastung geben." Er denke hier vor allem auch an die Baufahrzeuge, Sattelschlepper Versorgungs- und Entsorgungsverkehr. Es werde hier immer nur ein Teilabschnitt gesehen, "... anderes wird unter den Teppich gekehrt."

Gerald Makowski erinnerte, dass schon 2017 auf das "Nadelöhr" hingewiesen wurde. Hier eine Lösung zu finden, "daran sollten wir arbeiten im Sinne einer Lösung für den Bürger. Der Bürgerwille wird einfach weggewischt." Katharina Dorsch kam bei ihrer Familie mit Kindern auf fünf Fahrten pro Tag und berechnete damit 1125 Fahrten durch das Nadelöhr in diesem Bereich. Wenn man sage, das macht nichts, sei das schon eine Unverschämtheit. "Das kann man den Menschen, die dort wohnen, nicht zumuten." Ralph Wiegner wünschte sich das Baugebiet, aber nicht in einer "eindimensionalen Lösung". Peter Gerlach sprach Probleme bei der Vorfahrtsregelung "Schönbergstraße" zu "Haselnussstraße" an: Im Winter sei das wegen des Anstiegs besonders problematisch. Er beantragte, "der Haselnuss-Straße" die Vorfahrt zu nehmen.

Wer zahlt? Chris Allen sprach Rückhaltebecken und Kanalisation an. Die Antwort des Bürgermeisters war klar. In einer neuen Siedlung werde alles laut Satzung auf die Grundstückseigentümer umgelegt.

Schloss Ebelsbach

Angesichts der Bedeutung des Baugebietes "Am Herrenwald" und des damit verbundenen Bürgerbegehrens wurden weiteren Themen nur ansatzweise diskutiert. Ziegler berichtete vom Schloss Ebelsbach, das seit 16. Dezember der Gemeinde Ebelsbach gehört. In der letzten Woche gab es Gespräche mit Architekt und Denkmalpflege. Die eingestürzten Dächer zur Festwiese hin dürfen beseitigt werden. Beim ehemaligen Bullenstall kann eine provisorische Zufahrt geschaffen werde, um Schutt zu beseitigen.

Dach ist vordringlich

Der Architekt wurde mit Untersuchungen beauftragt, wie man das Schloss wieder herstellen könne. Vor allem müsse ein Dach gebaut werden, um weitere Nässeschäden zu vermeiden. "Es wird auf jeden Fall ein sehr langwieriger Prozess, um zu einer entsprechenden Nutzung zu kommen."

Sonja Förtsch äußerte ihre Sorge zum Altdorf insgesamt und fragte: "Was passiert mit meinem alten Dorf? Das alte Dorf und der alte Kern geraten in Vergessenheit und es wird alles nach oben verbraten." Damit meinte sie die Investitionen in die Siedlung am Berg. Bürgermeister Ziegler hielt dies für aus der Luft gegriffen. Einiges sei sicherlich der Finanzsituation der Gemeinde in den vergangenen Jahren geschuldet gewesen. Aber man habe alles getan, was anstand und außerdem seien die Straßen im alten Dorf nicht so schlecht.