Haßfurt
Gerichtsverhandlung

Täter nicht identifiziert: Wer war der Bursche mit der roten Baseballmütze?

Da der Täter nicht zu identifizieren war, stellte das Jugendgericht in Haßfurt die Anklage gegen einen 21-Jährigen wegen Sachbeschädigung und Bedrohung ein.
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Für zahlreiche Festbesucher war sie urgemütlich, die vorjährige italienische Nacht mit Gondelfahrten auf der Nassach im Haßfurter Stadtteil Sylbach. Einem 31-jährigen Lageristen aber wurde von einer vier- bis fünfköpfigen Jugendclique übel mitgespielt: In einer Art Hetzjagd verfolgten und bedrohten die Jugendlichen den Lageristen massiv.
Rädelsführer der Gruppe war ein Bursche, der eine rote Baseballmütze trug. Da aber auch nach Anhörung von sechs Zeugen nicht zweifelsfrei nachweisbar war, dass der Angeklagte, ein 21-jähriger Zeitsoldat, damals eine solche Kappe trug, musste das Jugendgericht das Verfahren wegen Sachbeschädigung und Bedrohung einstellen.
Der vor einem guten Jahr gejagte Arbeiter schilderte im Zeugenstand, wie es dazu kam, dass er in dieser Julinacht 2017 zum Opfer wurde. Er war alleine bei der Veranstaltung, und es war schon weit nach Mitternacht, als er zufällig einen Ex-Kollegen aus seiner Firma traf. Dieser ehemalige Mitarbeiter war gar nicht gut auf den Lageristen zu sprechen, denn er gab ihm die Schuld daran, dass man ihn gefeuert hatte.


In die Bar geflüchtet

Der wütende Bekannte des 31-Jährigen scharte dann drei oder vier seiner Freunde - darunter der Angeklagte - um sich, und die Gruppe schoss sich auf den Arbeiter ein. Immer unverhohlener beschimpften und bedrohten ihn die Jugendlichen. Da zu diesem Zeitpunkt alle mehr oder weniger blau waren, verwundert es nicht, dass es in dieser aufgeheizten Situation zu schlimmen Schimpfwörtern und Handgreiflichkeiten kam. Der so Attackierte flüchtete in die Bar und bat dort einen 58-jährigen Mann, von dem er wusste, dass dieser beruflich bei der Polizei beschäftigt ist, um Hilfe.
Der ältere Mann überlegte kurz, ob er gleich seine Kollegen im Polizeipräsidium rufen sollte. Da er sich aber zutraute, die aufgebrachten Teenager selbst zur Räson zu bringen, beschloss er, die Angelegenheit auf dem kurzen Dienstweg zu regeln: Er ging hinaus zu der Jugendgruppe und erteilte ihnen einen Platzverweis. Widerwillig entfernten sich die renitenten Jugendlichen ein Stück vom Eingang der Bar.


Von johlender Meute verfolgt

Diese Situation wollte der Lagerist nutzen, um zu dem VW Polo zu rennen, in dem seine Freundin auf ihn wartete. Das aber checkte einer der Burschen aus dem Augenwinkel, und schon setzte unter lautem Gejohle die Hetzjagd ein. Der Verfolgte konnte mit Mühe und Not das in der Nähe stehende Auto erreichen, knallte die Beifahrertür zu und verriegelte sie.
Einen Moment später hatte die Horde das Fahrzeug erreicht, und der Bursche mit der roten Baseballmütze drosch mit der flachen Hand auf die Motorhaube ein und versetzte dem Außenspiegel einen heftigen Schlag. Panikartig starte die junge Fahrerin den Motor und fuhr auf der Stelle davon.
Bei der Verhandlung konnte keiner der Zeugen - auch das damalige Opfer nicht - mit Sicherheit sagen, dass der Angeklagte die besagte Mütze trug. "Ein zweifelsfreier Tatnachweis", resümierte Jugendrichter Martin Kober etwas resigniert, "liegt nicht vor." Deshalb wurde das Verfahren ohne weitere Auflagen eingestellt. Die Gerichtskosten trägt die Staatskasse, aber die Rechnung seines Anwalts muss der Zeitsoldat aus der eigenen Tasche übernehmen.


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