Haßfurt
Tierheimsuche

Suche nach Tierheim-Standort in Haßbergen geht weiter

Scheinbar sind die Städte und Gemeinden gewillt, einen Neubau für die Fundtierbetreuung zu finanzieren. Das war zumindest der Tenor Anfang dieser Woche bei einer Bürgermeisterdienstbesprechung. Nun sollen die Kosten realistisch geschätzt und die Stadt- und Gemeinderäte dazu befragt werden.
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Vier kleine Kätzchen, die einst von der Tierschutzinitiative Haßberge in Oberschwappach betreut wurden. Foto: Archivbild/TI
Vier kleine Kätzchen, die einst von der Tierschutzinitiative Haßberge in Oberschwappach betreut wurden. Foto: Archivbild/TI
Es ist ein langwieriger Prozess und noch ist ein Ende nicht in Sicht: Die Suche nach einem Tierheim-Standort im Landkreis Haßberge geht weiter. Mehr noch: Sie besitzt nun erst einmal, wenn man so will, keine Priorität mehr. Denn zunächst wollen die Verantwortlichen im Landratsamt andere Fragen klären.

Nämlich, wie teuer ein Tierheim-Neubau wird, welche Folgekosten er voraussichtlich nach sich zieht und vor allem: Werden die Städte und Gemeinden mitziehen? Denn Letztere sind rechtlich gesehen für die Fundtierbetreuung zuständig. Sprich: Auf die Kommunen kämen einige Kosten zu.

Bei einer Bürgermeisterdienstbesprechung, die sich diesem Thema widmete, signalisierten die Kommunenoberhäupter am Montag im Landratsamt in Haßfurt zumindest, dass sie bereit sind, eine solche Investition zu wagen. Das erklärte Landrat Rudolf Handwerker (CSU) gestern gegenüber unserer Zeitung. "Das Veterinäramt hat die Notwendigkeit eines Tierheims dargelegt", sagte er. Die Mindeststandards nach geltendem Tierschutzrecht bei pro Jahr zwischen 15 und 25 Fundhunden und etwa 100 Fundkatzen im Kreis Haßberge seien erläutert worden. Auf dieser Grundlage ergeben sich allein für den Neubau des Tierheims Kosten, die bei "über einer Million" liegen, sagte Handwerker. "Das ist auch eingesehen worden." Aber auch die Folgekosten, sprich: Unterhaltungs- und Betriebskosten für ein solches Tierheim sollen nun ermittelt werden. Deswegen wolle man durch das Veterinäramt ein "Exposé erarbeiten lassen", das als Grundlage der Diskussion für die Stadt- und Gemeinderäte dienen soll. Denn die Bürgermeister müssen bei solchen Investitionen ihre Räte befragen.

Vergleichsobjekte als Grundlage
Federführend soll Thomas Albert, im Landratsamt zuständig für Ordnungsrecht und Verkehrsrecht, dieses Exposé begleiten. Vor allem die Folgekosten eines Tierheim-Neubaus seien schwer einzuschätzen, sagte er. Wie Albert erklärte, wolle man sich nach "Vergleichsobjekten" umschauen, um eine realistische Aussage zu Personal-, Unterhaltungs-,und Betriebskosten machen zu können. Dabei würden auch verschiedene Szenarien durchgespielt, sprich: Was kostet ein Tierheim mit hauptamtlicher Kraft oder mit geringfügig beschäftigten Kräften? Wie viel ehrenamtliche Arbeit wird notwendig sein? Die Ergebnisse dieser Untersuchung sollen den Bürgermeistern schnellstmöglich präsentiert werden, damit diese bereits im Januar das Thema mit ihren Räten diskutieren können. Wo das Tierheim letztlich gebaut wird, ist laut Albert erstmal zweitrangig: "Wenn wir die Mittel nicht zusammenbekommen, erübrigt sich die Standort-Frage."

Dennoch hat Landrat Handwerker die Bürgermeister gebeten, sich weiter nach Objekten und Grundstücken umzuschauen. Dabei ist klar, dass ein Tierheim wohl nur im Maintal entstehen wird, da es nach Vorstellung des potenziellen Betreibers, der Tierschutzinitiative (TI) Haßberge, zentral gelegen sein muss, um weite Transporte der Fundtiere zu vermeiden. Handwerker sieht das ein, obwohl er an anderen Orten im Landkreis schon längst fündig geworden sein könnte: "In Ebern wären geeignete Gebäude (ehemalige Kaserne, die Red.) da, ohne Zweifel", sagt der Landrat. Das Manko jedoch: zu dezentral.

Ende Januar sollte laut Handwerker klar sein, ob die Kommunen im Landkreis Haßberge die Finanzierung eines neuen Tierheims auf sich nehmen. Rechtlich sind sie für die Fundtierbetreuung nämlich verantwortlich. Aber es obliegt jeder Kommune, sich auch selbst um das Anliegen zu kümmern.

So lief es zuvor: 1996 wurde die Fundtierbetreuung vom Kreistag auf den Tierschutzverein Haßfurt Stadt und Land (ehemaliger Betreiber des Tierheims in Haßfurt) übertragen. Der Verein erhielt dafür einen jährlichen Zuschuss vom Landkreis, dem die Kommunen wiederum eine Pro-Kopf-Einwohner-Pauschale von 40 Cent bezahlt haben. Jedoch wurde dem Tierschutzverein aufgrund gravierender Missstände in der Fundtierbetreuung die Kompetenz abgesprochen und das Tierheim 2011 wegen Mängel vom Veterinäramt geschlossen.

Die Tierschutzinitiative Haßberge mit Sitz in Oberschwappach hatte sich ab da interimsweise um die Fundtierbetreuung bis Ende 2012 gekümmert. Aus Platzmangel auf ihrem Privathof hat die TI den Vertrag aber nicht verlängert. Der Landkreis scheiterte seitdem mehrmals in Verhandlungen mit Grundstückseigentümern, wenn es um einen neuen Tierheim-Standort ging.
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