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Ebern
Konzert

Stimmung "wie vor 30 000 Leuten"

Viele treue Fans von Johannes Oerding waren nach Eyrichshof gekommen und sangen jede Zeile des 36-jährigen Liedermachers mit.
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Manchmal trügt die Ahnung nicht: Schon nach dem ersten Song "Leuchtschrift" hatte Johannes Oerding vermutet, dass dies ein toller Abend in Eyrichshof werden würde...  Foto: Ralf Kestel
Manchmal trügt die Ahnung nicht: Schon nach dem ersten Song "Leuchtschrift" hatte Johannes Oerding vermutet, dass dies ein toller Abend in Eyrichshof werden würde... Foto: Ralf Kestel
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Die Volkszählung, die Johannes Oerding inmitten seines Konzertes am Sonntagabend zum Abschluss des Rösler-Festivals vornahm, war symptomatisch: "Wer ist eigentlich aus Ebern?", fragte der sympathische Sänger aus Hamburg. Einige reckten ihre Hände in den blauen Himmel. "Und wer ist von weiter her angereist?" Rund 95 Prozent der 2000 Besucher gaben nun ein Handzeichen.
Diesen Aspekt hebt auch Wolfgang Heyder als Konzertveranstalter heraus: "Es kommen unwahrscheinlich viele Leute überhaupt zum ersten Mal nach Ebern, nehmen zum Teil weite Anfahrten auf sich." 250 Kilometer sind da keine Seltenheit. "Das Schloss-Festival hat mittlerweile einen weiten Einzugsbereich."
Dazu bedarf es aber enormer Werbeaktivitäten. "Wir bewerben mit dieser Veranstaltung ganz Nordbayern", verweist Wolfgang Heyder auf den großen Werbe-Etat, den die Veranstaltergemeinschaft zusammen mit dem Baron benötigt. Ehefrau Gaby wird noch konkreter: Rund eine halbe Million Euro waren für die sechs Tage heuer an Vorleistung für Gagen, Werbung, Technik, Subunternehmer und Logistik notwendig.


"Um die 15 000 Besucher"

Dass unter dem Strich etwas übrig bleibt, lässt sich aus dem Fazit schlussfolgern, das Hermann Freiherr von Rotenhan am Montag zog. "Das vierte Rösler-Open-Air Eyrichshof bot tolle Bands und Stars zum Anfassen. Bei Bombenwetter genossen um die 15 000 Besucher wunderbare Abende mit Musik, guter Gastronomie und Biergartenflair im Gutshof. Mein Dank gilt den vielen, vielen Helfer, die diese Veranstaltung möglich machen. Ab jetzt: Erwartung und Vorfreude auf das fünfte Open-Air."
Zwei Künstler stehen für 2019 schon wieder fest, hat Gaby Heyder am Sonntag kurz vor Mitternacht verraten. Wer? Sie hüllte sich - wie immer - in Schweigen. Die Tinte unter den Verträgen ist noch nicht trocken.


Helene Fischer? "Nicht machbar"

Sicher ist, dass ein Wunsch nicht in Erfüllung geht, den eine Besucherin gegenüber Wolfgang Heyder geäußert hatte: "Wann kommen denn Depeche Mode?" Als ihr Heyder klar machte, dass dies aufgrund der Besucher-Kapazität und der finanziellen Vorbedingungen gar nicht möglich sei, hatte die Gesprächspartnerin eine Alternative parat: "Dann holen's halt die Helene Fischer!" Staunte Heyder allein über die Künstler-Kombination, so musste er die Frau doch ein zweites Mal enttäuschen: "Unvorstellbar und nicht machbar."
Allerdings tauchte nach dem Erfolg des "In Extremo"-Gastspiels mehrfach der Name "Stahlzeit" in den Gesprächen auf. Der Ansturm der Dudelsack-Rocker sorgte nicht nur für eine Pyro-Show vom Feinsten, sondern auch für bemerkenswerte Umsätze. "Bei uns waren die Turbo-Zapfhähne im Einsatz", freute sich der Caterer aus Sand. Am benachbarten Grillstand war man mit der Nachfrage auch zufrieden: "Wir haben so zwischen 600 und 800 Paar Bratwürste verkauft", schätzt Marion Müler. "Bei Nena waren's ein paar mehr."


Lob für professionelle Feuerwehr

Bei einer Stahlzeit-Verpflichtung wäre auch wieder die Feuerwehr gefordert. Den Wehrleuten aus Eyrichshof zumindest macht es Spaß, wie sie am Montag auf ihrer Facebook-Seite selbst verkündeten. "Der Marathon ist geschafft. Wir freuen uns schon jetzt auf die Neuauflage in 2019", steht da zu lesen.
An den sechs Veranstaltungstagen waren 35 Helfer insgesamt rund 570 Stunden als Parkeinweiser und Verkehrsregler im Einsatz. Und das erledigten sie mit Bravour und professionell, wie Gaby und Wolfgang Heyder Sonntagnacht auch gegenüber Kommandant Harald Prediger zum Ausdruck brachten.
Das war kurz nach dem Ende des Gastspiels von Johannes Oerding und Charly Klauser, die weit mehr als in die Rolle des Vorprogramms schlüpfte, sondern zum Ende des Hauptacts wieder mit auf der Bühne stand. Und beide hatten viel Spaß an diesem Techtelmechtel am lauschigen Sommerabend, wie bis in den hintersten Winkel spürbar war. "Ich merk' , das wird ein toller Abend", hatte Oerding schon nach dem ersten Song "Leuchtschrift" vermutet, da seine Vorsängerin geschwärmt hatte: "Die Stimmung da draußen ist wie vor 30 000 Leuten."
Er täuschte sich nicht. Viele treue Fans waren gekommen und sangen jede Zeile des 36-jährigen Liedermachers mit, der seit zwölf Jahren mit der aktuellen vierköpfigen Band unterwegs ist. Der Lebensgefährte von Ina Müller hat seit 2009 mittlerweile fünf Alben herausgebracht und zuletzt mit "Kreise" richtig Erfolge eingefahren. Der Titelsong war denn auch einer der Höhepunkte im Schlosshof, der frenetisch gefeiert wurde, was den Komponisten emotional bewegte. "Ich glaub' , das Grinsen muss man mir aus dem Gesicht herausschneiden."
Auch Oerding mischte sich unters Volk. Wie zuvor schon Nena, Dieter Thomas Kuhn und Chris de Burgh marschierte er durchs Publikum im Schlosshof und posierte mit den Fans für Selfies.
Zu den Eigenkompositionen gesellte sich ein bisschen Michael Jackson ("Beat it" - samt Moonwalk), Bob Marley ("Could you be loved") und Marc Cohn ("Walking in Ebern"). Fast mochte man meinen, dass Band und Oerding so viel Spaß hatten, dass sie gar nicht mehr aufhören wollten. Das Repertoire des Sympathikus umfasste jedenfalls viel mehr Songs als bei den vorherigen Konzerten der laufenden Tournee. Nach fast zweieinhalb Stunden war dann aber doch Ende. Polizeistunde!


Große musikalische Bandbreite

"Mir persönlich hat dieses Jahr besonders die große musikalische Bandbreite von Flower-Power-Party über eindrucksvollen Mittelalterrock mit Feuershow zum ruhigen Weltstar Chris de Burgh gefallen. Dadurch war fast für jeden Geschmack was dabei. Auf dieser Basis machen wir weiter", versprach Hermann von Rotenhan zum Abschluss.
Und er arbeitet auch schon daran. In den Stallungen des Gutshofes werden aktuell weitere Räume aufwendig umgestaltet, so dass schon zur "Winterszeit" im November neue Möglichkeiten zur Verfügung stehen und die Attraktivität des Veranstaltungsortes noch weiter gesteigert wird.

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