Eltmann
Landwirtschaft

Stiller Protest auf den Feldern: Darum hat ein Landwirt aus Eltmann grüne Kreuze errichtet

Mit grünen Kreuzen auf Feldern drücken viele Bauern derzeit ihren Frust über die Auflagen des neuen Agrarpakets aus. Auch Georg Schwemmlein aus Eltmann beteiligt sich am Protest und verrät, wie sich die lokalen Landwirte bereits vernetzen.
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Wolfgang Müller und Georg Schwemmlein (von links) aus Eltmann beteiligen sich an der Protest-Aktion "Grüne Kreuze". Foto: Teresa Hirschberg
Wolfgang Müller und Georg Schwemmlein (von links) aus Eltmann beteiligen sich an der Protest-Aktion "Grüne Kreuze". Foto: Teresa Hirschberg

Georg Schwemmlein hat endgültig genug. "Das ist zwar ein stiller Protest. Aber ich habe die Schnauze voll." Ein grünes Kreuz am Straßenrand zwischen Eltmann und Unterschleichach ist Symbol seines Unmuts. Ein Mahnmal, wie er es nennt. Und es soll nicht das einzige bleiben.

Schwemmlein ist nur einer von vielen deutschen Landwirten, die dem Beispiel "Bauer Willis" folgen. Der Nordrhein-Westfale, der mit richtigem Namen Willi Kremer-Schillings heißt, rief Anfang September auf seiner Internetseite zum Protest gegen das neue Agrarpaket der Bundesregierung auf. Mit grünen Holzkreuzen auf Feldern und Äckern kritisieren Bauern seitdem die ihrer Meinung nach überbordende Bürokratie sowie steigende Auflagen in der Landwirtschaft, Billigpreise für Lebensmittel, ungebremsten Flächenverbrauch und eine unfaire Handelspolitik.

Bauernverband unterstützt Aktion "Grüne Kreuze"

Über WhatsApp wurde auch Schwemmlein auf diesen Artikel aufmerksam. "Die Idee fand ich gut. Also habe ich beschlossen, ein Kreuz aufzustellen." Kurz vor der Fertigstellung erreichte ihn ein Schreiben des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), der die Aktion ebenfalls guthieß. Für Schwemmlein eine Bestätigung, sich der Bewegung anzuschließen. Der BBV ermuntere jeden Landwirt, bei der Aktion mitzumachen, betont Manfred Kraus, BBV-Geschäftsführer für die Kreisverbände Schweinfurt und Haßfurt. "Das Agrarpaket betrifft alle Bauern. Wir müssen endlich aufhören, ihnen an allem die Schuld zu geben."

Auch diese unterfränkischen Landwirte beteiligen sich an der Protest-Aktion!

Die Aktion "Grüne Kreuze" kritisiert beispielsweise die Auflagen zum Ausbringen von Gülle und zum Einsatz von Dünge- oder Pflanzenschutzmitteln. Das Agrarpaket vernachlässige außerdem, dass viele Landwirte darauf angewiesen seien, mit ihren Erträgen Familien zu ernähren. "Wenn es in der Landwirtschaft tatsächlich so schön wäre, würden nicht so viele Leute aussteigen", echauffiert sich Kraus. Im Landkreis Haßberge werden mittlerweile 70 Prozent der Landwirtschaft nur noch im Nebenerwerb betrieben.

Landwirtschaft durchaus lernfähig

"Wir wollen nicht zum Ausdruck bringen, dass wir nicht lernfähig wären", stellt Kraus klar. Selbstverständlich würden sie neue Erkenntnisse in ihre Bewirtschaftung einbringen wollen, jedoch auf wissenschaftlicher Basis. "Aber wenn uns einer weismachen will, wie Landwirtschaft richtig zu betreiben ist, und selbst noch nie auf einem Schlepper saß - diese Besserwisser brauche ich nicht", macht Kraus deutlich. Und nur von Landschaftspflege alleine könne kein Bauer leben.

Wolfgang Müller, BBV-Ortsobmann in Eltmann, stört sich besonders an der Diskrepanz zwischen dem Angebot und der tatsächlichen Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln. "Derzeit kommen die Bio-Betriebe in Bayern auf zwölf Prozent. Nach dem Volksbegehren sollen es bis zu 30 werden - aber wo geht die Produktion der zusätzlichen 18 Prozent hin?" Es sei nicht nachvollziehbar, warum immer mehr Bio-Produkte hergestellt werden sollen, wenn Verbraucher im Laden gar nicht zur teuren Öko-Variante greifen. "Denn im Gesetz steht nirgendwo, dass auch der Verbraucher verpflichtet ist, mehr Bio-Ware zu kaufen", fügt Kraus an.

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Zwei grüne Kreuze hat Schwemmlein bereits auf seinen Feldern aufgestellt und es sollen noch mehr werden. "Ich vermisse etwas die Loyalität der hiesigen Bauern", bemängelt er. "Hier im Umkreis habe ich nämlich noch keine weiteren Kreuze gesehen." Die Aktion werde im Landkreis Haßberge nur zögernd angenommen, bestätigt Kraus. Der BBV appellierte in einer Rundmail noch einmal, sich an der Aktion zu beteiligen.

Und es tut sich etwas: Am Dienstag wurde Schwemmlein zu einer WhatsApp-Gruppe eingeladen, in der sich Landwirte aus dem Landkreis Haßberge austauschen. "Es geht momentan viel um die Ausbringung von Dünger und dass wir Bauern durch Überdüngung angeblich an der Nitratbelastung des Oberflächenwassers schuld wären", erzählt Schwemmlein. "Das ist aktuell ein heißes Thema."

260 Mitglieder hat die WhatsApp-Gruppe bereits, in der sich Landwirte aus dem Landkreis Haßberge austauschen.

1227 Landwirtschaftsbetriebe gab es 2018 im Landkreis. Im Jahr 1960 waren es noch 7331.

Kritik an der Bauern-Aktion "Grüne Kreuze"

Religion Kreisverbände des Bund Naturschutzes kritisieren, dass das Kreuz als christliches Symbol durch die Aktion missbraucht werde. Manfred Kraus argumentiert jedoch, das Kreuz nicht auf seine theologische Bedeutung zu reduzieren, sondern es vor allem als Mahnmal zu betrachten. Die grüne Farbe stehe für die Landwirtschaft, aber auch für die Hoffnung der Bauern auf ein Einlenken der Politik.

Feedback Positive Rückmeldungen habe Schwemmlein von Autofahrern erhalten, die das Kreuz am Straßenrand gesehen hatten. "Einige haben nachgefragt, was es bedeutet. Ich habe aber auch gehört, wir Bauern seien nur am Jammern."

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