Gleusdorf
Pflegeskandal

Steht der Verkauf des Schlosses Gleusdorf unmittelbar bevor?

Zahlreiche Stellen sind mit den Vorkommnissen in der Seniorenresidenz Gleusdorf aktuell befasst. Ein Gerichtsverfahren kommt frühestens im Juli.
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Der Name der Seniorenresidenz hat in den vergangenen Jahren durch den Pflegeskandal gelitten. Die Aufarbeitung der Geschehnisse und die Versuche, Abhilfe zu schaffen, schreiten voran.Eckehard Kiesewetter
Der Name der Seniorenresidenz hat in den vergangenen Jahren durch den Pflegeskandal gelitten. Die Aufarbeitung der Geschehnisse und die Versuche, Abhilfe zu schaffen, schreiten voran.Eckehard Kiesewetter

Was passierte am Vorabend zum Maifeiertag hinter den verschlossenen Türen und verhängten Fenstern in den Büroräumen der Seniorenresidenz Schloss Gleusdorf? Sicher ist, dass das Personal ausgesperrt blieb und sich die Ex-Geschäftsführerin, die schon Wochen vorher ihre Schlüssel hatte abgeben müssen, zusammen mit dem Noch-Heimleiter und ihrer Nachfolgerin und einstigen Vertrauten zur Klausur zurückgezogen hatte. Wurde dabei der schon im Februar angekündigte Verkauf besiegelt?

Offizielle Bestätigungen waren dazu, trotz mehrfacher Anfragen, von keinem der Beteiligten zu erhalten. Auch im Landratsamt in Haßfurt gibt man sich bedeckt. Mit Hinweis auf Datenschutz und laufende Verfahren gab es nur die Auskunft, dass man die "Einrichtung weiterhin engmaschig" begleite und der im Dezember verhängte und von Gerichten bestätigte Aufnahmestopp weiterhin Bestand habe.

Der letzte offizielle Stand zur Betriebsuntersagung (Schließung) war nach den Eilverfahren in zwei Instanzen an den Verwaltungsgerichten in Würzburg und München eine sogenannte Abhilfeprüfung. Ein Verfahren, in dem die zuständigen Stellen im Landratsamt ihre eigenen Entscheidungen nochmals auf den Prüfstand stellen. Wie heißt es so schön im besten Beamtendeutsch: "Das behördliche Vorverfahren befindet sich insoweit noch im Stadium des sogenannten Abhilfeverfahrens, das heißt, das Landratsamt prüft zunächst noch selbst, ob und welche Schlussfolgerungen und Anpassungen aus der Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes vom Januar 2019 im gerichtlichen Eilverfahren für das Hauptsacheverfahren gezogen werden", heißt es dazu von der Regierung von Unterfranken, die als Aufsichtsbehörde zumindest offiziell mit dem Fall noch gar nicht befasst war.

Klar ist, dass sich das Landratsamt vor einem erneuten Anlauf zur Anordnung einer Schließung sorgfältig wappnen will. Einerseits hat Landrat Wilhelm Schneider (CSU) schon einmal die Sorge möglicher Regressforderungen anklingen lassen (die gegen den Freistaat Bayern gerichtet werden müssten), andererseits sickerte auch durch, dass es weiterhin Probleme gäbe, die verbliebenen 40 Heimbewohner (von einst 70) anderweitig unterzubringen. Zumeist handelt es sich dabei um gerichtliche Einweisungen, um Leute also, die unter Betreuung stehen.

Das sind aktuell noch etwa 40 Betroffene, wie dem jüngsten Prüfbericht des medizinischen Dienstes zu entnehmen ist, der dieser Tage im AOK-Pflegenavigator veröffentlicht wurde. Diese Wiederholungsprüfung fand am 1. März statt und erbrachte - aufgrund der Aktenlage - vergleichsweise gute Noten. Auf wenn keiner der neun Heimbewohner, deren Pflegeberichte überprüft wurden, überhaupt befragt wurde oder befragt werden konnte/durfte, kommt bei der Pflege und der medizinischen Versorgung eine Note von 1,7 zustande. Drei Monate vorher lag dieser Wert noch bei 3,6.

Es geht also aufwärts in dem Denkmal an der Itz, wo seit 1. Februar eine neue Geschäftsführerin (53) das Sagen hat, die in einem Mehrfamilienhaus südlich von Bamberg wohnt. Sie kam bereits beim Kauf des Schlosses Anfang 2002 mit den beiden Gesellschaftern aus dem Raum Bremen/Oldenburg nach Gleusdorf und galt als enge Vertraute der bisherigen Chefin (59). Bis 2010 war die neue Leiterin im Itzgrund in verschiedenen Verwendungen tätig gewesen, hatte dann die Seniorenresidenz überraschend verlassen und war Anfang 2018 als Wohngruppenleiterin wieder zurückgekehrt.

Seit 1. Februar leitet sie lautet Eintrag im Handelsregister einzelvertretungsberechtigt das Pflegeheim, hat aber bei Personal- und Gehaltsfragen auch danach immer wieder auf den 66-jährigen Heimleiter verwiesen, der in Hof zwischenzeitlich wegen 38 Fälle von Untreue zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt worden war.

Die strafrechtliche Aufarbeitung gegen die Ex-Geschäftsführerin, den einstigen Pflegedienstleiter wie auch den früheren Heimarzt, unter anderem wegen Totschlags durch Unterlassen, erfolgt nicht vor Mitte Juli, wie ein Sprecher des Landgerichtes Bamberg auf Anfrage hin mitteilte. "Derzeit haben die Anwälte noch Gelegenheit zur Stellungnahme zu den Anklagen der Staatsanwaltschaft. Vorbehaltlich der Zulassung der Anklage ist mit einem Prozessbeginn frühestens ab Mitte Juli 2019 zu rechnen." Die Zulassung der Klage am Schwurgericht der Großen Strafkammer erfolge üblicherweise in Zusammenhang mit der Terminfestlegung.

Ein anderes juristisches Verfahren ging jüngst zu Ungunsten der bisherigen Heimbetreiber aus. Deren Anwalt aus Bamberg hatte eine Frau aus Thüringen wegen übler Nachrede angezeigt. Die Tochter eines Heimbewohner hatte sich im Juni 2018 auf Facebook über die unzulängliche Betreuung ihres Vaters im Schloss beklagt, mehrfach Beschwerde bei der Heimleitung und Aufsichtsstellen geführt, Beweise vorgelegt und davor gewarnt, Menschen in die Obhut dieses Heimes zu geben. Die Staatsanwaltschaft in Meiningen hatte deswegen zunächst einen Strafbefehl über 750 Euro verhängt, dem die Beschuldigte widersprach, weil sie nach eigener Überzeugung nur Wahrheiten verbreitet hatte. Deswegen sollte es vor dem Amtsgericht in Hildburghausen zur Verhandlung kommen. Dieser Termin wurde aber einen Tag vorher abgeblasen. Der Grund? Der Strafbefehl war zurückgenommen worden, nachdem der Rechtsanwalt der Beschuldigten dem Amtsgericht und der Staatsanwaltschaft in Thüringen die Verwaltungsgerichtsentscheide aus Bayern hatte zukommen lassen.

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