LKR Haßberge
Landtagswahl

Steffen Vogel hält sich wacker im Landkreis Haßberge

Der Anwalt aus Theres verliert im Sog des CSU-Debakels weit weniger an Zuspruch als seine Partei insgesamt.
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Steffen Vogel bei der Stimmabgabe in Theres.
Steffen Vogel bei der Stimmabgabe in Theres.
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Es war an sich keine Überraschung, am Ende wurde es aber doch noch eine: Steffen Vogel (44) zieht wieder als Direktkandidat für die CSU in den Landtag ein. Das Ob ist nicht der Punkt, das Wie ist mit einem Ausrufezeichen zu versehen: Denn im Gegensatz zu seiner Partei in Summe büßte der Anwalt aus Theres weit weniger Stimmen ein.

46,9 Prozent sind eine Hausnummer

Konkret: 2013 holte Vogel im Stimmkreis exakt 39 797 Erststimmen, heuer waren es mit 39 420 kaum weniger. Zwar reichte es wegen der höheren Wahlbeteiligung (73 : 65) nicht mehr für 53,6 Prozent wie 2013, aber 46,9 Prozent sind in diesem Umfeld eine Hausnummer. Steffen Vogel dürfte damit eine Marke gesetzt haben, an der man nicht leicht vorbei kommt, wenn es um die Besetzung von Posten in der neuen Regierung geht. Von solchen Visionen allerdings will Vogel im Moment nichts wissen. Er sieht die depressive Stimmung in seiner Partei und will weiter für die Menschen in seinem Stimmkreis kämpfen.

Lachen und Weinen

Er bewertet das Ergebnis mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Wenn die "CSU zwölf Prozent verliert, dann ist das eine Katastrophe", sagt er und spiegelt damit die gedrückte Atmosphäre am Sonntagabend bei der "Wahlparty" seiner Partei in Bad Neustadt. Die war nicht eben von knallenden Sektkorken geprägt. Beobachter sprechen von langen Gesichtern, die mit jeder Hochrechnung noch länger wurden.

Für Vogel persönlich indes sei es ein Erfolg. Gegenüber dem Ergebnis des Jahres 2013 habe er nur sechs Prozent abgegeben, sich also "offensichtlich von dem bayernweiten Ergebnis abnabeln können". Vogel führt dies darauf zurück, dass er seinen Job sehr sehr ernst nehme: Wie sein Vorbild Albert Meyer sei er überall präsent und arbeite für die Bürger, ohne dabei auf eine Partei zu achten. Er sei der Bevölkerung im Stimmkreis dankbar, und nehme deren Auftrag an.

Dass Vogel den Sieg einfahren würde, hatte vor dem Sonntag wohl niemand bezweifelt. Außer er selbst vielleicht: "Das Schlimme ist ja," hatte er im Vorfeld der Wahl gesagt, dass du dich abzappeln kannst, wie du willst, das Ergebnis hängt dann doch nicht von dir selber ab", sondern von der Landes- und Bundespolitik. "Die sollen anständige Politik machen, da oben", hatte er gefordert.

SPD im freien Fall

Trotzdem: Eine Überraschung wie in Würzburg, wo der Kandidat der Grünen den CSU-Mann aus dem Rennen warf, war im ländlichen und traditionell "schwarzen" Stimmkreis Haßberge/Rhön-Grabfeld nicht zu erwarten. Bemerkenswert ist Vogels Erfolg trotzdem: zum einen wegen seines im Vergleich zur Landes-CSU guten Abschneidens, zum zweiten wegen der Zeitenwende auf den Plätzen.

Vor fünf Jahren konnte ein vergleichsweise Unbekannter wie Matthias Kihn für die SPD noch 17 Prozent der Erststimmen hinter Vogel holen.

Wer heute nach dem Ergebnis des SPD-Kandidaten René van Eckert sucht, gerät in den Tabellen garantiert erst einmal in die falsche Spalte. Der Sozialdemokrat fiel mit sieben Prozent hinter die Bewerber von Grünen, Freien Wählern und AfD auf Platz 5 zurück. In einigen Gemeinden wie in Rauhenebrach rauschte die SPD sogar unter die Fünf-Prozent-Marke und rangiert nur noch unter "Sonstige".

SPD geht unter

Selbst in Gemeinden mit roten Bürgermeistern ist der Sinkflug der SPD markant: In Sand schaffte es die Partei nur mühsam, zweistellig zu werden, in Ebern dümpeln die Sozialdemokraten bei acht Prozent. Die Grünen steigern sich fast überall, und die AfD ist in allen Gemeinden angekommen, in Stettfeld sogar mit bemerkenswerten 16 Prozent. Es gibt viel zu analysieren nach diesem 14.10.2018.

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