Eyrichshof
Open-Air-Festival

Status Quo: Oldies rocken auf Schloss Eyrichshof

Die Superband "Status Quo" sorgt für einen furiosen Auftakt der Konzertreihe im Schlosshof von Eyrichshof.
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Umringt von Richie Malone (Rhythmusgitarre; links) und John "Ringo" Edwards am Bass fährt Bandleader Francis Rossi zur Höchstform auf. Fotos: Helmut Ölschlegel
Umringt von Richie Malone (Rhythmusgitarre; links) und John "Ringo" Edwards am Bass fährt Bandleader Francis Rossi zur Höchstform auf. Fotos: Helmut Ölschlegel
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Sie sind zurück! "Back" lautet das Motto der laufenden Europatournee von "Status Quo". Dabei waren die Boogie-Rocker um Gründungsmitglied Francis Rossi (70) doch nie weg. Die Tour-T-Shirts, die sich in den Reihen der über 2000 Fans im Schlosshof des Rotenhan-Denkmals finden, reichen von 2016 in Zwei-Jahres-Schritten zurück bis in die Zeit, da es noch gar kein Merchandising gegeben hat. Und einer ließ sich sogar eine Scheibe aus dem Jahr 1973 signieren.

Im Verlauf des 90-minütigen Konzertes wirbeln die fünf Musiker wie Jungspunde über die Bühne, jagen wie im Zeitraffer durch 50 Jahre Rockmusik - mit Songs von "Down the Dustpipe" (1970 erschienen) bis "Liberty Lane", das mit der neuen Platte "Backbone" erst Anfang September veröffentlicht wird.

Dabei gönnen sie sich keine Verschnaufpause und der Zuhörerschar schon gar nicht. "Status Quo" besteht nicht aus Statisten.

Kollektive Muskelspiele

Zum glasklaren Gitarrensound aus einer Mauer von Marshall-Verstärkern wird ein Fitness-Programm abgespult: Erst bewegen sich die Hüften, denn gehen den Leuten die Füßen durch, dann kollektives Hopsen. Die Gesangsmuskeln werden im Massen-Chor trainiert und dann folgt bei den Hits zum Schluss das Stemmen der Handys, um per Video festzuhalten, was sich kaum mehr wiederholen lässt, weil "Status Quo" kaum mehr "back" kommt, zumindest nicht nach Eyrichshof. Ein einzigartiges Spektakel also.

Und dann schafft die Band, die weit mehr als drei Akkorde beherrscht, wie sie augenzwinkernd mal ein Album betitelte, noch ein Wunder: Zunächst flippt ein Chefarzt aus und dann bekommen eher unbedarfte Zuhörer trotz der abendlichen Hitze Gänsehaut-Attacken. Denn genau dorthin zielen Songs wie "What you're proposing", "In the army now", "Whatever you want" oder "Rockin' all over the world".

"Status Quo" hat sich weiterentwickelt, ist aber doch der eigenen Linie treu geblieben. Nach dem Tod von Gründungsmitglied Rick Parfitt rückte vor drei Jahren mit Richie Malone ein 33-jähriger Ire nach, der als Gitarrist wie auch als Sänger für eine Frischzellenkur sorgt. Ebenso wie Schlagzeuger Leon Cave, der 2013 zur Band stieß. Dessen Energieschübe scheinen den hyperaktiven John "Ringo" Edwards am Bass noch mehr zu beflügeln als in früheren Jahren.

In solcher Gesellschaft fühlt sich Bandleader Francis Rossi so richtig wohl und haut auf seine Fender Telecaster ein, als müsste er sie in dieser Nacht noch zerstören. Köstlich wie er dabei mit seinem Alter kokettiert und vorgibt, sich Songtitel nicht mehr merken zu können und verzweifelt nach einer Schnake in seiner Haarpracht sucht. "Halt, ich habe ja keine Haare mehr auf dem Kopf.

Rock'n'Roll hält fit

Diese "Frisur" ziert auch das "Dachstübchen" vieler Fans, die zum Teil weite Anfahrtswege aus anderen Bundesländern auf sich genommen hatten. Aber sie hupften, tanzten ausgelassen, sangen und klatschten wie die Jungen. Zumindest diesen lauschigen Sommerabend lang.

Wir wissen nicht, wer sich am nächsten Morgen nach so viel Gymnastik dem ausgeflippten Chefarzt oder einem anderen Doktor vorstellen musste. Eine Medizin-Empfehlung heißt jedenfalls Rock 'n' Roll.

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