Burgpreppach
Kirche

Statt elektronischer Sound-Anlage: Gemeinfeld kauft gebrauchte Glocken aus Nachbardorf

Am Freitag nahmen die Gemeinfelder ihre neuen - allerdings gebrauchten - Kirchenglocken in Empfang. Bei den alten Eisenglocken hatte Absturzgefahr bestanden.
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Musikanten, Ministranten und die Gemeinfelder Bevölkerung standen Spalier als die Glocken in die Kirche transportiert wurden. Foto: Reinhold Klein
Musikanten, Ministranten und die Gemeinfelder Bevölkerung standen Spalier als die Glocken in die Kirche transportiert wurden. Foto: Reinhold Klein
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Seit Ende 2018 war in Gemeinfeld, einem Ortsteil der Marktgemeinde Burgpreppach, kein Glockengeläut mehr zu hören. Gutachten waren damals zu dem Ergebnis gekommen, dass für die Glocken der örtlichen Kirche Absturzgefahr bestehe. Die Kirchglocken waren über 100 Jahre alt und aus Eisen. Sie wurden als "nicht mehr sicher" eingestuft.

Zusammen mit Pfarrer Manuel Vetter und dem Pfarrgemeinderat wurde über eine Lösung nachgedacht. Man hielt Ausschau nach Ersatz. Fündig wurden die Gemeinfelder im benachbarten Pfaffendorf. Dort wurde die Kirche des Salisanerheims abgerissen und damit die dortigen Glocken frei. Sie wurden zum Materialpreis von 5000 Euro erworben.

Feierlicher Empfang der Glocken

Am Freitag empfing die Kirchengemeinde Gemeinfeld die festlich geschmückten Glocken am Dorfeingang und begleitete sie nach einer kurzen Segnung durch Pfarrer Vetter mit Musik zur Kirche "Maria Geburt". Vor der Kirche wurden die Glocken unter den Augen vieler Bürger abgeladen und in das Gotteshaus gebracht. Anwesend waren auch Landrat Wilhelm Schneider (CSU) sowie der erste Bürgermeister Hermann Niediek (CSU) und der dritte Bürgermeister Reinhold Klein (GLB).

In der Kirche werden die Glocken nun stehen bleiben, bis sie mit einer weiteren Glocke - eine Größere, die zum Ton passt - im nächsten Jahr zum Turm hochgehievt und eingebaut werden, um dann wieder die Christen zu Gottesdiensten rufen zu können. Die größere Glocke soll gebraucht gekauft oder durch eine eingeschmolzene Glocke neu gegossen werden. "Das braucht Zeit, auch wegen dem Mehraufwand an Kosten", sagte Reinhold Klein.

Glocken statt elektronischer Anlage

Nach einem Gottesdienst mit Pfarrer Manuel Vetter - unterstützt von Torsten Hueller, Diakonat-Bewerber in der Pfarreiengemeinschaft Hofheim, und etwa 40 Ministranten - sprachen Landrat Schneider und Bürgermeister Niediek Grußworte.

Niediek betonte in seinem Grußwort die gute Zusammenarbeit innerhalb des Ortsteils Gemeinfeld und dankte den vielen Helfern für die Organisation und Durchführung des Glockenfestes. "Ich finde es gut, wieder Glocken in den Turm zu bringen, und nicht, wie auch schon mal angedacht, eine Sound-Anlage einzubauen", sagte er.

Eine Kirche ohne Glocken wäre nicht vorstellbar. "Ich wünsche nun guten Glockenklang und dass durch diesen immer viele Kirchenbesucher zusammenkommen", schloss Niediek.

Landrat Schneider zeigte sich erfreut, dass sich in Gemeinfeld eine schnelle und finanzierbare Lösung gefunden habe. Er lobte die Organisatoren dafür, dass man sich zwischen den zwei Ortschaften verständigen konnte, gebrauchte Glocken aus Pfaffendorf nach Gemeinfeld zu bringen. "Vielleicht war hier auch das Beispiel der beiden Fußballvereine richtungsweisend, denn seit schon fast zehn Jahren gibt es zwischen Pfaffendorf und Gemeinfeld eine erfolgreiche Spielgemeinschaft", mutmaßte er.

Er hoffe nun auf eine schnelle Beschaffung der noch fehlenden Glocke und dann auf ein erfolgreiches Einbringen in den Turm, sodass man die Glocken im ganzen Umkreis baldmöglichst zu hören bekäme. "Die alten Glocken haben ihren Dienst geleistet und sollten als schöne Geschichtsstücke auch eine Verewigung erhalten", sagte der Landrat.

Bronzeglocken zu Granaten gegossen

Ein kurzer Rückblick: Im ersten Weltkrieg wurden viele Glocken aus Bronze vom Kriegsministerium in Berlin zu Granaten gegossen. Davon blieben auch die Glocken in Gemeinfeld nicht verschont. Im Jahr 1918 hat man begonnen, die entfernten Glocken wieder einzusetzen. Jedoch, durch Wirren der Nachkriegszeit bedingt, konnte man sich nicht überall über bronzene Glocken freuen - so auch nicht in Gemeinfeld. Finanziell unaufwendiger waren Eisenglocken, die man daher für den Ort anschaffte.

Allerdings haben diese eine kürzere Lebensdauer wie Bronzeglocken. An den Eisenglocken stellen sich schneller Abnutzungen und poröse Stellen durch den Gebrauch ein. Das wurde auch bei den Glocken in Gemeinfeld zum Problem, wie Gutachten von Glockengießereien und Glockensachverständigen ergaben.

Hörproben an den Pfaffendorfer Glocken legten nahe, dass die Kleinste wohl einen Riss haben könnte. Das verriet das Klangbild. Schließlich rang man sich aber dazu durch, die Bronzeglocken einer elektronischen Lösung vorzuziehen.

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