LKR Haßberge

Standortsuche für Tierheim im Kreis Haßberge abgeschlossen?

Der Landkreis ist auf der Suche nach einem neuen Standort für ein Tierheim offenbar fündig geworden. Nach dem Widerstand gegen die alte Gärtnerei bei Zell hat das Landratsamt ein anderes geeignetes Grundstück im Auge - auch nahe Zell.
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Auf Unterbringung im Tierheim können Fundtiere wie dieser Hund derzeit nicht hoffen. Doch das wird sich vielleicht bald ändern. Das Landratsamt hat einen neuen Standort-Favoriten bei Zell gefunden. Im September soll er bei einer Bürgerversammlung präsentiert werden.  Foto: Archiv/dpa
Auf Unterbringung im Tierheim können Fundtiere wie dieser Hund derzeit nicht hoffen. Doch das wird sich vielleicht bald ändern. Das Landratsamt hat einen neuen Standort-Favoriten bei Zell gefunden. Im September soll er bei einer Bürgerversammlung präsentiert werden. Foto: Archiv/dpa
Die Suche nach einem geeigneten Standort für das Tierheim ist weiter im Gange. Und der Raum Zell wird immer noch favorisiert. Allerdings nicht mehr die alte Gärtnerei, deren Wahl bei den Bürgern des Knetzgauer Gemeindeteils auf harten Widerstand stieß. Der derzeitige Favorit des Landratsamtes Haßberge befindet sich laut Landrat Wilhelm Schneider (CSU) bei Zell, aber "weiter außerhalb" als die Gärtnerei. Mehr wollte der Kreis-Chef bislang nicht verraten.

Diesmal solle niemand "vor vollendete Tatsachen gestellt werden", so Schneider. Das war ein Vorwurf, den die Zeller Bürger dem Landratsamt in der Vergangenheit gemacht hatten.

Zur Erinnerung: Im Mai sprachen sich etwa 200 Bürger bei einer Versammlung im Sportheim des TSV gegen ein Tierheim auf dem Standort der ehemaligen Gärtnerei aus, die rund 300 Meter vom Ortsrand entfernt liegt. Die Proteste waren so heftig und lautstark, dass sich die Vertreter des Landratsamtes mit Landrat Wilhelm Schneider an der Spitze den Kompromiss abringen ließen, weiter nach einem Standort für ein Tierheim im Landkreis zu suchen. Eine achtwöchige Frist gaben sich Schneider und seine Kollegen aus der Landkreisbehörde.

Ein klarer Favorit

Die Acht-Wochen-Frist läuft dieser Tage aus. Und der Landrat hat einen ganz konkreten Favoriten. Bei Zell, aber eben "weiter außerhalb", wie er gestern auf Anfrage meinte. Schneider hatte nach der Versammlung im Mai konkrete Vorschläge von den Bürgern im gesamten Landkreis erbeten. Etwa 15 sind eingegangen. Und ein Standort aus den eingegangenen Vorschlägen erfüllt nun wohl die Voraussetzungen, was die infrastrukturellen, baulichen und veterinärspezifischen Anforderungen an ein Tierheim angeht.

Auf Anfrage gab Landrat Schneider den favorisierten Standort nicht preis, sagte nur, dass er sich im Raum Zell befindet. Schneider will im September eine neue Informationsveranstaltung in Zell einberufen, um den Bürgern den Standort zu präsentieren und Diskussion zu ermöglichen. Vor einer tatsächlichen Realisierung müssen auch die Fraktionen im Kreistag informiert werden. Die Erschließung eines Tierheims bedarf der Zustimmung des Kreistags.

Wilhelm Schneider weist auf die Ernsthaftigkeit der Suchbemühungen des Landratsamtes hin: "Als wir sagten, dass wir alle eingehenden Vorschläge ausführlich prüfen werden, wollten wir nicht beruhigen, sondern wirklich eine angemessene Alternative finden."

Die Zeit drängt

Derzeit sind herrenlose Tiere im Kreis Haßberge teilweise auf dem Hof der Tierschutzinitiative in Oberschwappach untergebracht. Hier ist die Kapazität begrenzt und fast immer voll ausgeschöpft. "Es wird eng", sagt Britta Merkel, "wenn der nächste Wurf Katzenbabys kommt". 80 Prozent der Katzen, die Merkel, die Vorsitzende der Tierschutzinitiative Haßberge, in den letzten Tagen aufgenommen hat, sind trächtig. In wenigen Wochen vervielfacht sich also die Zahl der Tiere auf dem Hof. Und die schnell zu vermitteln ist nicht leicht. Zudem muss jedes Fundtier zur Begutachtung erstmal in eine Quarantäne-Box. Davon hat Merkel nur vier auf dem Hof.

Aus Sicht der Tierschützerin drängt die Zeit bei der Suche nach einem Tierheim. "Wäre gut, wenn es vorgestern gekommen wäre. Noch besser im letzten Jahr", sagt Merkel. Sie lobt aber gleichzeitig die Bemühungen des Landratsamtes, das sich bei der Suche nach einem Standort beeilt, der dann hoffentlich im Sinne aller Beteiligten ist.

Intensiv beteiligt an der Suche nach einem Standort war und ist das Kreisveterinäramt. Die Amtstierärztin und Mitarbeiterin des Veterinäramts, Simone Nowak, beschreibt die Anforderungen an ein neues Tierheim: Es müsse mindestens 100 Meter vom Ortsrand entfernt sein, um Geräuschbelästigung zu vermeiden. Es solle weiterhin mindestens 2,2 Hektar nutzbarer Fläche haben. "Es hilft nichts, wenn das Grundstück auf dem Papier mehr Fläche hat, die aber so ungünstig verläuft, dass nur ein Teil genutzt werden kann", sagt Nowak. Ferner sei die infrastrukturelle Anbindung wichtig. Leitungen für Strom, Wasser und Abwasser müssten gut zu verlegen sein. Und die nächste richtige Straße dürfe nicht zu weit entfernt sein, da sonst das Anlegen von Zufahrtswegen sehr teuer wäre.

Nur wenige der 15 eingegangenen Vorschläge erfüllten die Kriterien. Nowak hat wie Schneider einen klaren Favoriten. Auf diesem Grundstück müsste ein Tierheim komplett neu gebaut werden. "Das wäre ein einmaliger finanzieller Kraftakt", meint Nowak, aber dafür minimiere man die Folgebelastung für den Träger, die Tierschutzinitiative Haßberge. Besonderes Augenmerk müsse beim Bau auf energetische Effizienz gelegt werden. Das Tierheim würde Platz für zehn bis zwölf Hunde, etwa 35 Katzen sowie einige Kleintiere und Vögel bieten.

Alternativen beschafft

Oliver Fuß gehört zu einer Bürgergruppe, die Vorschläge an das Landratsamt herangetragen hat. Einer dieser Vorschläge ist nun der erwähnte Favorit von Schneider und Nowak. "Man steht schon in Kontakt mit dem Grundstückseigener und dem Pächter", sagt Fuß. Der Zeller will klarstellen: "Wir in Zell hatten nie etwas gegen das Tierheim. Uns ist klar, dass es gebraucht wird. Nur wurden wir übergangen." Die Kommunikation läuft jetzt offenbar besser.
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