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Was macht eigentlich "Joe" Zinnbauer? Titelträume in Afrika

Josef "Joe" Zinnbauer ist in Deutschland vor allem für seine Trainertätigkeit beim Hamburger SV bekannt. Als Fußballer hinterließ er auch in Franken seine Spuren. Sein neuestes Abenteuer führt ihn nach Südafrika.
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Joe Zinnbauer trainiert seit Dezember des vergangenen Jahres die Orlando Pirates in Südafrika. Zu seiner aktiven Zeit war der 49-Jährige unter anderem für den SC 08 Bamberg, die SpVgg Bayreuth und den SC Weismain aktiv.  Foto: Ralf Krüger, dpa
Joe Zinnbauer trainiert seit Dezember des vergangenen Jahres die Orlando Pirates in Südafrika. Zu seiner aktiven Zeit war der 49-Jährige unter anderem für den SC 08 Bamberg, die SpVgg Bayreuth und den SC Weismain aktiv. Foto: Ralf Krüger, dpa

Nach vier Niederlagen am Stück war im Mai 2017 Schluss. Josef "Joe" Zinnbauer ist nicht mehr Trainer des Schweizer Erstligisten FC St. Gallen. Seitdem war es lange ruhig um Zinnbauer. Es dauerte bis zum Dezember 2019, ehe der gebürtige Schwandorfer einen neuen Trainerjob annahm. In Südafrika trainiert der 49-Jährige die Orlando Pirates, einen Traditionsklub aus Soweto, einer Township-Siedlung in Johannesburg.

"Der Reiz, etwas Neues zu machen, war da, aber es hat nicht gepasst", sagt Zinnbauer über Angebote aus mehreren Ländern, darunter die Türkei, Zypern und Australien. Da sein Vertrag in der Schweiz noch lief, hatte er keinen Druck, unterschreiben zu müssen. Erst bei den Orlando Pirates hatte er "ein gutes Gefühl". Die südafrikanische Zeitung City Press sah das zunächst anders und war skeptisch: "Der Klub hat in den letzten zehn Jahren elf Trainer beschäftigt, von denen nur zwei schwarz waren." Doch nach sieben Siegen aus acht Spielen verstummten die Kritiker schnell. Aufgrund seiner Initialen nennen ihn manche Anhänger "Jay-Z" - nach dem Vorbild des amerikanischen Rappers. Zinnbauer hat Spaß am Kap der Guten Hoffnung. Wie lange, hängt im Trainer-Geschäft aber auch vom Erfolg ab.

Slomka-Nachfolger beim HSV

Diese Erfahrung musste Zinnbauer in der Bundesliga beim Hamburger SV machen. Nach der Entlassung von Mirko Slomka übernahm Zinnbauer in der Saison 2014/15 die Verantwortung beim Traditionsverein aus der Hansestadt. Der Einstand - ein 0:0 gegen den FC Bayern München - war erfolgreich. Der Hamburger Boulevard gab Zinnbauer sofort einen neuen Spitznamen: "Magic Joe". Doch seine Magie verflog nach 24 Spielen und es folgte die Entlassung. In seine Zeit fällt eine der höchsten Niederlagen der Hamburger Bundesliga-Geschichte: ein 0:8 beim FC Bayern München, was Markus Gisdol 2017 ebenfalls "gelang".

Doch auch solch ein Rückschlag erschütterte Zinnbauers Liebe zum Fußball nicht. Trotz der Unsicherheit, die das Profi-Geschäft mit sich bringt, entschied sich Zinnbauer für eine Trainerkarriere. Er hätte es auch anders haben können. Er hatte eine Lehre zum Zerspanungsmechaniker und Versicherungskaufmann gemacht. Mit seinem von ihm gegründeten Finanzberatungsunternehmen verdiente er mit Anfang 20 sehr viel Geld.

Jürgen Klopp, heute Trainer des FC Liverpool und damals Zinnbauers Teamkollege beim FSV Mainz 05, sagte einst: "Joe war damals der erste Mensch, den ich kannte, der schon drei Handys hatte." Die Zeit, sich in mehreren Sachen auszuprobieren, ist längst vorbei, wie Zinnbauer heute sagt. Der Fußball erfülle ihn mehr, als es ein Wirtschaftsunternehmen könne. Es bleiben die Erinnerungen an alte Zeiten - und dabei auch an drei oberfränkische Vereine.

Doppelpack im DFB-Pokal

Innerhalb von drei Jahren ging es für den SC 08 Bamberg von der Bezirks- in die Bayernliga. In der Domstadt wollte Zinnbauer 1991 als Anfang 20-Jähriger seine Fußballkarriere ankurbeln. "Ein kleiner Verein mit einem positiv-verrückten Sponsor", erinnert sich der 49-Jährige. Sein persönlicher Höhepunkt waren die beiden Treffer in der 3. Runde des DFB-Pokals gegen den TSV Havelse. Erst im Achtelfinale war für die Bamberger gegen den 1. FC Kaiserslautern Schluss. Zinnbauer wurde gegen den damaligen Bundesligisten spät eingewechselt. Hinzu kommen 21 Bayernliga-Einsätze, ehe Zinnbauer rund 60 Kilometer weiter östlich in Bayreuth aufschlug.

Publikumsliebling in Bayreuth

Noch heute verfolgt Zinnbauer die SpVgg Bayreuth. Derzeit ist der ehemalige Zweitligist in der Regionalliga beheimatet, Zinnbauer war in der Spielzeit 1992/93 in der Bayernliga für die "Altstadt" aktiv. "Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt", sagt Zinnbauer. In 31 Spielen gelangen dem Linksfuß fünf Treffer. In Erinnerung geblieben sind ihm vor allem die Fans, die ihn schnell nach seiner Ankunft als Publikumsliebling auserkoren hatten und bei Auswärtsspielen für Heimspielatmosphäre sorgten: "Da waren immer eine Menge Anhänger dabei." Nach einem Jahr zog Zinnbauer weiter nach Ulm und von dort zum Karlsruher SC, wo er in der Saison 1994/95 einen Profi-Vertrag unterschrieb. Zu einem Einsatz in der Bundesliga unter Trainer Winfried Schäfer kam Zinnbauer aufgrund einer Verletzung aber nicht. Vom Wildpark-Stadion ging es nach Mainz, wo der 49-Jährige auf 16 Einsätze in der 2. Liga kam. Eine Knieverletzung beendete die Profi-Karriere allerdings frühzeitig.

"Weismainer Stadion hatte was"

In der Saison 1997/98 stand Zinnbauer beim SC Weismain unter Vertrag. Es war ein letzter Versuch, höherklassig anzugreifen. Der Provinzklub aus dem Lichtenfelser Landkreis hatte seine erste Spielzeit nach dem Aufstieg in die damals drittklassige Regionalliga mit dem siebten Platz abgeschlossen. Geldgeber Alois Dechant reichte das nicht. "Er wollte unbedingt in die 2. Liga", erinnert sich Zinnbauer. So weit kamen die Weismainer nicht. Nach drei Jahren Regionalliga stiegen sie in die Bayernliga ab.

Da war Zinnbauer schon nicht mehr Teil des SCW. 18 Spiele machte Zinnbauer, ehe der Verein finanzielle Einsparungen vornahm. Teure Spieler, zu denen Zinnbauer zählte, mussten gehen. "Leider ist es nicht im Positiven geendet", sagt Zinnbauer rückblickend. "Aber man kann nur den Hut davor ziehen, was Alois Dechant damals aufgebaut hat." Dazu zählt auch das Waldstadion mit seiner Sandsteintribüne. "Das hatte schon was", sagt Zinnbauer. Und bereits da war klar: Aus Zinnbauer wird ein Trainer. Bevor er nach Weismain kam, hatte er seine erste Trainerstation in der Bezirksoberliga beim SK Lauf bereits hinter sich.

Die Sehnsucht nach einem Titel wächst

Das Coronavirus hat vor Südafrika nicht Halt gemacht. Im Land herrschen strikte Ausgangssperren für die Bevölkerung. "Bei uns gibt es die gleichen Maßnahmen wie in Europa", sagt Josef Zinnbauer, Trainer der Orlando Pirates. Supermärkte und Apotheken haben geöffnet. Der Arztbesuch und Joggen sind auch erlaubt. Doch auf den Straßen in Zinnbauers Wohngegend ist fast nichts los. Er und seine Spieler sind zu Hause. Trainiert wird in den eigenen vier Wänden. Zu jeder Trainingseinheit gibt es eine Video-Liveschalte.

"So kann ich zumindest sehen, was die Spieler während des Trainings machen", sagt Zinnbauer. Dank moderner Technik kann der 49-Jährige den Puls und das Lauftempo kontrollieren. Die Arbeit auf dem Platz ersetzt es aber nicht. Von Boxen über Yoga bis zu einer Einheit mit einem Weltmeister im Jonglieren gestaltet der Klub das Training abwechslungsreich. "So lässt sich zumindest gezielt an muskulären und konditionellen Defiziten arbeiten", versucht Zinnbauer der Situation etwas Positives abzugewinnen. Die spielfreie Zeit nutzt Zinnbauer auch, um Pläne und Taktiken für die neue Saison zu entwickeln. "Ich kann also nicht nur auf der faulen Haut liegen", erzählt er.

Titelchancen sind gesunken

Ob in der Premier Soccer League der Ball noch einmal rollt, ist offen. Zinnbauer glaubt aber, dass die restliche Spielzeit mit Geisterspielen beendet werden kann. Als Tabellenvierter hat der Verein aus Soweto acht Punkte Rückstand auf die Kaizer Chiefs Johannesburg, trainiert vom Bielefelder Jahrhunderttrainer Ernst Middendorp. Ausgerechnet gegen den großen Widersacher kassierten die Orlando Pirates Ende Februar die erste Niederlage unter Zinnbauer. Vor 94 000 Zuschauern gab es ein 0:1. Die Meisterschaftschancen sind seitdem gesunken. Doch die Orlando Pirates sind auf einem guten Weg. "Bei uns herrscht viel Euphorie", stellt Zinnbauer fest.

Das 40 000 Zuschauer fassende Orlando-Stadium ist seit Zinnbauers Ankunft beinahe immer voll besetzt. Die Fans sind hungrig nach Titeln. Seit 2012 warten sie auf eine Meisterschaft. "Orlando ist in Südafrika vom Anspruchsdenken wie der FC Bayern", erklärt Zinnbauer. Für den 49-Jährigen heißt das: Er sollte zeitnah Erfolge liefern. Doch die Zeit ohne Titel wird sich "hoffentlich noch ändern", ist Zinnbauer optimistisch.