Wülflingen
Fußball

Walter Moritz kandidiert als Verbands-Obmann

Der Haßfurter Walter Moritz gehört seit einem Jahr dem Verbandsschiedsrichter-Ausschuss an und kandidiert im Juli für das Amt des bayerischen Obmanns. Ein wichtiges Thema für ihn ist es, neue Unparteiische zu gewinnen. Aber wie?
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Walter Moritz ist seit einem Jahr im Verbandsschiedsrichter-Ausschuss tätig. Im Sommer stellt er sich zur Wahl zum Verbandsschiedsrichter-Obmann in Bayern.
Walter Moritz ist seit einem Jahr im Verbandsschiedsrichter-Ausschuss tätig. Im Sommer stellt er sich zur Wahl zum Verbandsschiedsrichter-Obmann in Bayern.
Ganz so zeitaufwändig, das räumt Walter Moritz ein, habe er sich sein Amt im Verbandsschiedsrichter-Ausschuss (VSA) des Bayerischen Fußballverbands (BFV) nicht vorgestellt. Aber auch wenn der Wülflinger nach eigener Einschätzung im Durchschnitt mindestens zehn Stunden pro Woche nur für die Tätigkeiten im VSA aufwendet, "gilt immer mein Spruch: Ich will nicht jammern, denn ich hätte ja auch nein sagen können." Vor fast genau einem Jahr ist er in dieses dreiköpfige Gremium berufen worden.

Zu viel ist ihm diese Belastung nicht, und im Sommer peilt Walter Moritz, der vor 23 Jahren mit der Schiedsrichterei begonnen hat, ein weiteres neues Kapitel in seiner Laufbahn an. Beim BFV-Verbandstag am 18. und 19. Juli in Bad Gögging werde er für das Amt des Verbandsschiedsrichter-Obmanns kandidieren, sagte er. Der bisherige Amtsinhaber Rudi Stark aus Landshut tritt nicht mehr an. Moritz wäre im Falle seiner Wahl (ein Gegenkandidat ist ihm nicht bekannt) damit der bayerische "Schiedsrichter-Boss."

Schwerpunkt Einteilung

Im vergangenen Jahr rückte er in den dreiköpfigen Schiedsrichterausschuss auf, dem neben ihm und Stark auch noch der Münchner Josef Maier angehört. "Der Schwerpunkt meiner Arbeit war die Schiedsrichter-Einteilung", erzählt der 48-Jährige. In erster Linie sei er für die Bayernligen zuständig gewesen, teils auch für die Landesligen.

Derzeit kümmert er sich um alle Freundschaftsspiele auf Verbandsebene, ob Herren, Damen oder Jugend. "In dieser Phase muss man täglich ins System hineinschauen, denn die Vereine können ihre Spiele ja selbst eingeben", sagt Moritz. "Wenn sie rechtzeitig dran sind, klappt das sehr gut, wenn nicht, kann es auch mal knapp werden." Zudem gehört der Wülflinger, der in der Tiefbauverwaltung des Landratsamts Haßfurt arbeitet, der Arbeitsgemeinschaft Schiedsrichtergewinnung im BFV an und hat in dieser Funktion an einigen der "Runden Tische" zu diesem Thema teilgenommen, die der Verband in jedem der 24 bayerischen Kreise veranstaltet hat.

Was tun gegen den Schiedsrichter-Mangel?

Der sich abzeichnende Schiedsrichtermangel ist für Moritz und seine Kollegen ein sehr wichtiges Thema, "das wird uns in Zukunft sicher sehr beschäftigen", erklärte er. Walter Moritz sieht auf den Fußballplätzen "eine verstärkte Neigung zur Gewalt, nicht nur körperlich, auch verbal", die dazu führe, "dass die Schiedsrichter sich fragen: Muss ich mir das weiter antun?" Dem entgegenzusteuern sei nur im Zusammenwirken mit den Vereinen möglich, darauf legt der Wülflinger großen Wert. Hier seien neue Konzepte erforderlich. Zwar sei der bayerische Amateurfußball von Exzessen bisher weitgehend verschont geblieben, "da haben wir noch Ruhe. Aber es gilt: Wehret den Anfängen", macht Moritz deutlich.

Neben seiner Verbandstätigkeit nimmt Moritz seit Jahren und auch weiterhin Aufgaben als Schiedsrichter-Beobachter wahr, bei den Herren bis zur Regionalliga, bei den Damen und der Jugend auch in der Bundesliga. Ganz wichtig sei in diesem Rahmen das persönliche Coaching-Gespräch kurz nach Spielende, "da kann man unmittelbar ansprechen, was gut war und was nicht, was sich ein Schiedsrichter angewöhnen sollte und was nicht." Dies, so Moritz, halte er für wirksamer als eine reine schriftliche Bewertung, die der betroffene Unparteiische erst lange nach dem Spiel zu sehen bekommt.

Talent und Förderung

Top-Bewertungen bekommen seit Jahren die bayerischen Spitzenschiedsrichter. Dies hat dazu geführt, dass nach dem Landshuter Wolfgang Stark 2010 in Südafrika nun mit Felix Brych aus München ein weiterer Unparteiischer aus dem Freistaat in diesem Jahr Deutschland bei der WM in Brasilien vertritt. "Weil die Leistung passt", sagt Moritz dazu. "Neben dem Talent sind sie sicherlich auch rechtzeitig gefördert worden." Das habe schon einen gewissen Anteil an ihrem Erfolg, das System in Bayern sei also "nicht ganz verkehrt". Dennoch, erklärt der Haßfurter, sei es auch bei den bayerischen Schiedsrichtern nötig, in Sachen Förderung und Schulung neue Wege zu beschreiten, neue Konzepte zu erarbeiten, denn "wer stehen bleibt, fällt zurück."

Attraktive Förderkonzepte könnten dem Verband auch dabei helfen, weiterhin genügend Nachwuchs zu gewinnen. Die Schiedsrichterzahlen geben mancherorts Anlass zur Sorge. Junge Interessenten fragen sich, warum sie sich der Schiedsrichterei zuwenden sollen. Welche Antwort hat Walter Moritz darauf? "Da gibt es mehrere Faktoren: Es fördert die persönliche Entwicklung und den Führungsstil, wenn man sofort mit 24, 25 verschiedenen Charakteren zurecht kommen muss. Und zum größten Teil haben wir eine tolle Kameradschaft. Das sind gute Argumente, die dafür sprechen, Schiedsrichter zu werden."
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