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Squash

Simon Rösner und Raphael Kandra - Deutschlands beste Squasher

Der Würzburger Simon Rösner und der Eckentaler Raphael Kandra sind Deutschlands beste Squasher und gehören zur Weltspitze.
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Raphael Kandra  PSA World Tour
Raphael Kandra PSA World Tour
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Wer Mitte Januar durch den New Yorker Bahnhof "Grand Central Station" läuft, kann dort Simon Rösner bei der Arbeit beobachten. Dann schlägt der 31-jährige Würzburger beim "Tournament of Champions" auf und misst sich dort mit den besten Squash-Spielern der Welt. 2018 hat er das Turnier im extra dafür installierten Glascourt gewonnen. "Der Court ist schon etwas ganz Besonderes", sagt Rösner. "Die Leute müssen auf ihrem Weg zum Zug an dir vorbeilaufen und bleiben zwangsläufig stehen, um dir zuzuschauen."

Ortswechsel: Hull, England, im vergangenen Jahr. Raphael Kandra stürmt als erster Deutscher überhaupt ins Halbfinale der "British Open", dem prestigeträchtigsten Turnier in der Szene. Dort scheitert der 28-jährige Eckentaler (Kreis Erlangen-Höchstadt) zwar am Kolumbianer Miguel Rodriguez, doch seinen bis dato größten Erfolg kann ihm niemand mehr nehmen. "Daran möchte ich wieder anknüpfen", sagt Kandra.

Aktuell ist Rösner die Nummer 5 der Welt, seine beste Platzierung war der dritte Rang. Kandra steht zurzeit auf dem 26., war aber auch schon einmal die Nummer 13 der Welt. Die beiden spielen Turniere auf dem gesamtem Globus, um Punkte für die Weltrangliste zu sammeln. Klangvolle Reiseziele wie San Francisco, Philadelphia, Hong Kong und Mauritius sind Austragungsorte von Turnieren. "Das Reisen ist hart für den Körper", erklärt Kandra. "Viele zerbrechen daran, weil sie ständig weg von zu Hause sind." Rösner könnte auch gerne auf das Reisen verzichten. "Wir fliegen ja Economy und nicht Business Class", sagt er. "Das ist schon eine Tortur, wenn ich mich jedes Mal mit meinen 1,90 Metern da reinzwängen muss." Doch die beiden Franken nehmen es in Kauf, denn sie leben für ihren Sport.

Eigene Anlage in Forchheim

Bereits in jungen Jahren haben sie mit dem Squash angefangen. In beiden Elternhäusern spielte die Sportart eine große Rolle. Kandras Eltern hatten in Forchheim eine eigene Anlage gepachtet. Während beim Eckentaler die Begeisterung schnell entfacht war, dauerte es bei Rösner etwas länger. "Die ersten zwei, drei Jahre hat es keinen Spaß gemacht", erzählt er. Doch sein Vater erkannte Potenzial - und irgendwann packte den Sohn der Ehrgeiz. Da Rösner nebenbei noch Tennis spielte, musste er sich entscheiden. Die Wahl fiel auf Squash.

Bereits mit 16 Jahren wurde er Profi. "Das war nicht die schlechteste Entscheidung", sagt der Würzburger rückblickend und lacht. Doch reich wird er vom Squash spielen nicht. "Die Top-20-Spieler können gut davon leben, aber ich werde nach meiner Karriere schon arbeiten müssen", sagt Rösner.

Ägypter dominieren die Szene

Seine größten Konkurrenten heißen nicht Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic, sondern Ali Farag, Mohamed Elshorbargy und Tarek Momen. Alle drei stammen aus Ägypten und stehen in der Weltrangliste auf den ersten drei Plätzen. Das nordafrikanische Land erlebte in den 90er Jahren einen Boom, als der ehemalige Staatspräsident Hosni Mubarak ein Turnier in die Heimat lotste.

Nahe der Hauptstadt Kairo gibt es heute eine noch spektakulärere Kulisse für ein Turnier als im New Yorker Bahnhof. Bei den "Al Ahram Open" steht der Glascourt vor den Pyramiden von Gizeh. "Das ist der Hammer", sagt Rösner. "Touristen fahren dorthin, um sich diese anzuschauen - und wir spielen direkt davor Squash." Turniere werden in Ägypten live im Fernsehen übertragen, die Leistungsdichte ist hoch und an Nachwuchs mangelt es nicht. "Squash in Ägypten ist vergleichbar mit Tischtennis in China", erklärt Rösner. Er weiß: Wenn ein Ägypter aufhört, stehen drei neue Talente schon parat.

Gegen Breakdance verloren

Während Squash in Ägypten Volkssport und nach Fußball und Handball die beliebteste Sportart ist, kämpft die Disziplin in Deutschland und in vielen Teilen der Erde um Aufmerksamkeit. So auch beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC): Für die olympischen Spiele 2024 in Paris fand Squash keine Berücksichtigung. Schon seit vielen Jahren versucht die Sportart, olympisch zu werden. Doch selbst Breakdance liegt in der Gunst des IOC aktuell höher. Die Tanzform wurde statt Squash für die Sommerspiele vorgeschlagen. "Ehrlich gesagt musste ich darüber lachen", erzählt Kandra. Auch Rösner hatte sich keine allzu großen Hoffnungen mehr gemacht. Seine Einstellung zum Olympia-Thema hat sich mittlerweile geändert. "Wir sollten nicht unsere ganze Energie investieren, um Squash olympisch zu machen", sagt der Würzburger.

Vielmehr müsse die Sportart noch professioneller und größer werden, damit das IOC nicht an Squash vorbeikomme. Denn es bringe alles mit, um olympisch zu sein. Squash ist schnell, dynamisch und intensiv. "Du brauchst Ausdauer, Geschwindigkeit, Kraft, Reaktion und einen klaren Kopf", sagt Kandra. "Daher ist es brutal hart, sich in der Weltspitze zu etablieren, weil es einem so viel abverlangt." Dazu kommt etwas, was sonst nur Ricochet, American Handball und Racquetball bei den Rückschlag-Sportarten zu bieten haben: "Du teilst dir mit deinem Gegner das Feld und musst dich mit diesem arrangieren", erklärt Rösner. "Körperkontakt ist da unvermeidlich."

Um ihren Sport populärer zu machen, wünschen sich die beiden Franken eine faire Chance. "Es ist schade, dass Squash nicht einmal im Fernsehen übertragen wird", sagt Rösner. Und Kandra fügt an: "Die Ausreden, dass man den Ball nicht sieht, gelten heute längst nicht mehr." Der Eckentaler und der Würzburger kämpfen weiter um möglichst viel Aufmerksamkeit für ihren Sport - in allen Ecken dieser Erde.

Das ist Raphael Kandra

Er debütierte für den Erlanger Squash Club in der Bundesliga und spielt aktuell für den Paderborner SC.

geboren: 29. Oktober 1990 in Fürth Größe: 1,82 Meter Gewicht: 81 Kilogramm Profijahre: 10 Weltranglistenposition: 26 Titel auf der PSA-Tour: 13 Größte Erfolge: 2x Deutscher Meister (2018, 2019), Halbfinale bei den British Open

Das ist Simon Rösner

Er debütierte für den SC Lengfeld in der Bundesliga und spielt aktuell für den Paderborner SC.

geboren: 5. November 1987 in Würzburg Größe: 1,90 Meter Gewicht: 89 Kilogramm Profijahre: 16 Weltranglistenposition: 5 Titel auf der PSA-Tour: 11 Größte Erfolge: 11x Deutscher Meister (2007 bis 2017),1x Gold (2017) und 1x Silber (2013) bei den World Games, Vizeeuropameister 2013, U19-Europameister 2006

Squash-Regeln

Die Spielidee Im direkten Duell versuchen die Spieler, den Ball so zu platzieren, dass der Gegner ihn nicht mehr erreicht. Zwischen den Schlägen darf der Ball den Boden nur ein Mal berühren oder muss in der Luft geschlagen werden. Der Ball kann direkt oder mit Hilfe der Seitenwände und der Rückwand an die Frontwand gespielt werden. Einen Punkt gibt es, wenn der Ball zweimal im Feld aufkommt oder der Ball im Aus landet beziehungsweise gegen das "Tin-Brett" gespielt wird. Für den Satzgewinn sind elf Punkte, für den Sieg drei Sätze nötig. Bei ungewollter Behinderung kann ein "Letball" (Wiederholung des Ballwechsels) gefordert werden.

Das Spielfeld Der Court ist von vier Wänden umgeben, 9,75 Meter lang und 6,40 Meter breit. Das Spielfeld ist durch eine farbige Linie markiert. Die Rück- und Seitenwände eines Squash-Courts haben nur nach oben hin Begrenzungslinien. An der Frontwand begrenzt das "Tin-Brett" (in 43 bzw. 48 Zentimeter Höhe) das Feld nach unten. Die Linien gehören bereits zum Aus.

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