Haßfurt
Eishockey

Reicherts Prüfung in Sachen ESC Haßfurt läuft

Trainer Martin Reichert investiert viel beim ESC Haßfurt - wie lange noch?
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Martin Reichert im Gespräch mit ESC-Torjäger Michal Babkovic während der Partie der "Hawks" beim ERV Schweinfurt: Eishockey ist für den 54-Jährigen längst mehr als nur ein Hobby. Foto: rn
Martin Reichert im Gespräch mit ESC-Torjäger Michal Babkovic während der Partie der "Hawks" beim ERV Schweinfurt: Eishockey ist für den 54-Jährigen längst mehr als nur ein Hobby. Foto: rn
Er war "sofort von diesem Sport begeistert". Als Martin Reichert als Knirps anfangs der 70er Jahre nach dem Schlittschuhlaufen im damaligen "Linde-Stadion" das Eishockeytraining der SG Nürnberg beobachtete, stand für ihn schnell fest: Das möchte ich auch machen. Bis heute ist der 54-Jährige fest verbunden mit dem schnellsten Mannschaftssport der Welt. Viel hat er als Spieler erlebt, seit Jahren ist er Trainer und Funktionär - vor allem in Diensten des ESC Haßfurt.
Für den in Wassertrüdingen geborenen Diplomingenieur, der als Projektmanager in der halben Republik arbeitet, ist Eishockey längst mehr als ein Hobby. Gerade in der jüngst zu Ende gegangenen Saison investierte Reichert wieder enorm viel Zeit - ehrenamtlich. Unbestritten ist, dass ein Zweitwohnsitz "Am Großen Anger" in Haßfurt durchaus Sinn machen könnte, denn während der Saison war er "durchschnittlich vier bis sechs Tage pro Woche" im Eisstadion und verbrachte "etwa 20 bis 30 Stunden" mit Tätigkeiten rund ums Eishockey.
Dazu gehörten neben Trainings- und Spielbetrieb der "Hawks" des ESC auch Besuche von Heimspielen aller anderen Teams, Trainer- und Betreuersitzungen, Vorstandssitzungen, Kommunikation mit dem Verband und anderen Vereinen, Gespräche mit den Stadtwerken und innerhalb des Vereins sowie Spielersichtungen und -verpflichtungen. Somit hat Reichert quasi zwei "Berufe". Doch Probleme mit seiner Lebenspartnerin gibt es deswegen nicht. "Da sich diese Verbundenheit zu meinem Sport bereits in der Kindheit entwickelt hat, gab und gibt es in der Familie bezüglich meines Sportes eher selten eine Diskussion", sagt er und bedankt sich bei allen Familienmitgliedern und seiner Partnerin für ihr Verständnis.


Seit einem halben Jahrhundert

Seit rund einem halben Jahrhundert ist Reichert dem Eis verbunden. Bis 1987 zog er sich die Trikots seines Heimatvereins SG und später EHC 80 Nürnberg über, bevor er zum Höchstadter EC ging. Weitere Stationen waren Kulmbach, der ERC Haßfurt (1990/1991), der ERSC Amberg, wieder Haßfurt (1992/ 1993) sowie bis 1996 der EV Regensburg. Noch als Spieler erwarb der Verteidiger 1995/1996 seine erste Trainerlizenz. Zusammen mit Stan Mikulenka kümmerte er sich vor 20 Jahren um die Knaben der Höchstadter "Alligators". Doch Haßfurt hat er im Auge behalten. "Dort habe ich meine Freundin und heutige Lebenspartnerin kennengelernt, und so leben wir beide in Sylbach", erklärt Reichert.
Reichert war nach dem traurigen Untergang des ERC aktiv an der Gründung des ESC Haßfurt am 22. Dezember 2004 beteiligt, übernahm auch das Amt des Sportlichen Leiters. Mit einer "Auszeit" von 2010 bis 2012, als der leidenschaftliche Hobbytaucher das Traineramt der Nürnberger EHC-80-Knaben innehatte, war und ist er nun in verschiedenen Funktionen im Einsatz - seit 2012 im Vorstand, als Trainer der Jugendspielgemeinschaft ERV Schweinfurt/ESC Haßfurt sowie seit zwei Jahren der "Ersten".


Kritik an Hobbymentalität

Gedanken macht sich der Mittelfranke über die Veränderungen im Eishockey in den letzten Jahrzehnten. Dabei möchte er nicht von "besser oder schlechter" sprechen. Mittlerweile gebe es "diese Hobbymentalität. Etwas ein bisschen machen, aber eben nicht konsequent". Dabei geht es ihm nicht um den Sport an sich, sondern um das Verständnis zwischen Eltern und Kindern. "Kindern beizubringen, sich an Dinge zu halten, Verantwortung zu tragen, nicht alles abgenommen zu bekommen und auch nicht die Schuld bei anderen zu suchen. Dies sind Dinge, die sich aus meiner Sicht in unserer Gesellschaft etwas suboptimal entwickeln", sagt er.


Wunsch an den Verband

Reichert wünscht sich, dass der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) "die Steuerung im gesamten Eishockey stärker übernimmt". Die Landesverbände, speziell in Bayern, seien zu nötigen Entscheidungen "nicht in der Lage. Zum einen, weil die übergreifende Steuerung deutschlandweit fehlt, zum anderen wird zu kurz gedacht". Eine Verzettelung in verschiedene Richtungen innerhalb der Länder sei für die erfolgreiche Entwicklung der Sportart Eishockey hinderlich.
"Auf jeden Fall" würde er sich auch heute wieder für Eishockey entscheiden. Im Eishockey könne "in jeder Sekunde etwas Entscheidendes passieren". Spannung, Emotionen und Leidenschaft in dieser Ausprägung bezeichnet er als "Besonderheit dieses Sports", auch wenn die Anforderungen an die körperlichen und technischen Voraussetzungen der Spieler hoch seien. Ein dickes Lob gibt es für die "grandiosen Bedingungen" in Haßfurt. "Mit dem Freizeitzentrum hat die Stadt etwas geschaffen, was als das zentrale Augenmerk in Haßfurt bewertet werden muss. Hinzu kommt, dass sich die Zusammenarbeit mit den Stadtwerken sehr positiv entwickelt hat", betont er.
Wie lange er noch aktiv ist, ist "völlig offen". Nach jeder Saison oder vor jeder Neuwahl prüft Reichert die letzte Saison und Amtsperiode. Dann blickt er auf die Möglichkeiten, dass in diesem neuen Umfeld "alles ein Stück nach vorne" gebracht werden könne. Erst danach legt er in Absprache mit seiner Lebenspartnerin fest, in welche Richtung es gehen wird.

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