Eltmann
Volleyball-Bundesliga

Am Netz keine Spur von einer Pleite bei den Eltmannern

Die Heitec Volleys schlagen bei ihrer Rückkehr in die Eltmanner Georg-Schäfer-Halle die Volleyball Bisons Bühl klar mit 3:0.
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Die Eltmanner Volleyballer feiern ihren bestens aufgelegten Mannschaftskameraden und "MVP" Rafal Prokopczuk (vorne rechts). Der junge Pole setzte seine Mitspieler glänzend ins Szene, punktete jedoch auch selbst: dreimal als Angreifer, zweimal per Block. Foto: Daniel Löb
Die Eltmanner Volleyballer feiern ihren bestens aufgelegten Mannschaftskameraden und "MVP" Rafal Prokopczuk (vorne rechts). Der junge Pole setzte seine Mitspieler glänzend ins Szene, punktete jedoch auch selbst: dreimal als Angreifer, zweimal per Block. Foto: Daniel Löb
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Rolf Werner, der die Geschichte des Eltmanner Volleyballs seit Jahrzehnten an erster Stelle fortschreibt, ward am Samstagabend nicht gesehen. Ob es einer der Gesellschafter der Eltmanner Volleys GmbH, die das finanzielle Wohlergehen der Heitec Volleys verantwortet, in die Georg-Schäfer-Halle geschafft hat, ist nicht bekannt. Sie hätten jedenfalls unterhalb der Wallburg zusammen mit fast 1000 stimm- und trommelgewaltigen Zuschauern Zeuge sein können davon, dass die Investition in die Mannschaft nach dem Aufstieg in die Bundesliga im Sommer keine falsche war.

Hinter den Kulissen mag gegen die drohende Insolvenz gekämpft werden, am Netz haben die Eltmanner Volleyballer gezeigt, was Sportsgeist ausmacht. Von sportlicher Pleite keine Spur bei ihnen. In ihrer ersten Bundesligapartie in der Georg-Schäfer-Halle nach ihrem Aufstieg schlugen die Heitec Volleys (12.) die Volleyball-Bisons Bühl (10.) klar und überzeugend in 79 Spielminuten mit 3:0 (25:22, 25:22, 25:21).

Die homogen aufspielende Mannschaft von Trainer Marco Donat profitierte von einem glänzend aufgelegten Steller Rafal Prokopczuk, der seine Mitspieler wirkungsvoll in Szene setzte. Der 20-jährige Pole erhielt auch die Auszeichnung als "Gold-MVP". Silber ging an den Bühler Außenangreifer Corbin Balster.

Wenig Zweifel ließen die Eltmanner in den drei Sätzen am Ausgang: Jeweils ausgeglichener Beginn, am Ende immer Nervenstärke und erfolgreiche Angriffswucht der Ostunterfranken gegen Gäste aus dem Badischen, die durchaus nicht schlecht aufspielten, jedoch dem absoluten Siegeswillen der Hausherren nichts entgegenzusetzen hatten.

Hamzagic mit 17 Punkten

In der Eltmanner Annahme verdienten sich neben dem japanischen Libero Shunsuke Watanabe der routinierte Franzose Carlos Antony und der Slowake Tomas Halanda (9 Punkte) Bestnoten. Von Prokopczuks Pässen profitierte an erster Stelle Irfan Hamzagic (17), der die Bälle reihenweise im Bühler Feld versenkte oder den gegnerischen Block clever anschlug. Elf Zähler steuerte Antony bei, enorm erfolgreich agierten die Eltmanner Mittelblocker Luuc van der Ent (11) und Mathäus Jurkovics (7).

Neun Zähler per Block zogen den Bühlern zudem den Zahn. Kein Gästespieler punktete zweistellig. An den Aufschlagfehlern (16) wird weiter zu arbeiten sein, allerdings stehen auch fünf Asse zu Buche.

Jonas Sagstetter, verletzter Eltmanner Außenangreifer, und Milan Maric, ehemaliger Eltmanner Spielertrainer und Trainer mit Kultstatus, sahen in allen Belangen "ein sehr gutes Spiel" der Heitec Volleys. Angesichts der aktuellen Misere sagte Maric: "Ich drücke den Eltmannern alle Daumen, dass sie es schaffen."

Coach Donat genoss wie seine Spieler den frenetischen Jubel in der Halle noch lange nach dem Spiel: "Ich bin so stolz auf die Mannschaft. Diese Leistung vor dem Hintergrund des momentanen Wirbels, das zeigt den Charakter unseres Teams!" Er ordnet die schweren Tage vor Weihnachten ein: "Am Donnerstagabend haben wir die Nachricht von der Insolvenz bekommen, und die Spieler haben direkt am Freitag im Training gesagt und gezeigt, dass sie erst recht am Samstag gewinnen wollen. Wir haben heute wieder bewiesen, dass wir in die 1. Liga gehören und der Standort Eltmann sowie die Region Franken dafür sehr gut geeignet sind. Wir hoffen, dass es weitergeht. Diese Mannschaft und die Fans, sie haben es sich verdient. Geiles Publikum, geile Mannschaft, geiler 3:0-Sieg, jetzt muss das Wirtschaftliche wieder in die Bahn kommen, dann machen wir im Januar weiter." Der Eltmanner Sprecher Manohar Faupel wusste: "Das Band zwischen Vereinsmitgliedern, Fans und Team wirkte an diesem Abend unzerstörbar."

An diesem Montag stellt die Eltmann Volleys GmbH bekanntlich am Amtsgericht Bamberg einen Antrag auf Insolvenzeröffnung. Verbleiben sie im Spielbetrieb der Bundesliga, haben die Heitec Volleys Zeit zur Vorbereitung bis zum Auswärtsspiel am Sonntag, 19. Januar, um 16 Uhr in Frankfurt, wenn der Liga-Alltag für sie wieder beginnt. Weniger geruhsame Tage dürften die Macher im Hintergrund erwarten. Der Gang zum Insolvenzverwalter allein ist Alarmzeichen genug. Soll noch etwas gerettet werden, gilt es jetzt für Verantwortliche, Sponsoren und Liga, sich aufzumachen, möglicherweise auch erst einmal zusammenzuraufen, um nach einer tragfähigen Lösung zu suchen. Sie sind es der sportlichen Abteilung mit Spielern und Trainern an der Spitze sowie den Fans allemal schuldig.

Historisches

Überlänge Die Hypo Tirol AlpenVolleys Haching schlugen die SVG Lüneburg in der Volleyball-Bundesliga am Samstag mit 3:1. Nichts Unerwartetes. Außergewöhnlich war der dritte Satz: Der ging mit 50:48 und nach dem 16. Satzball, dem zehnten in Serie, an die Gastgeber. Die Lüneburger hatten zehn Satzbälle vergeben.

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