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Trossenfurt
Fußball

Klara Bühl hat Potenzial für etwas Großes - Wechsel zum FC Bayern München steht fest

Nationalspielerin Klara Bühl gilt als hoffnungsvolles Talent im deutschen Frauenfußball. Die Angreiferin hat ihre Wurzeln in Unterfranken, ist aber mittlerweile in Freiburg zu Hause. Schon bald geht es auf der Karriereleiter weiter nach oben.
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78 000 Zuschauer im Wembley-Stadion sehen im November 2019, wie Klara Bühl den 2:1-Siegtreffer gegen England erzielt. Es war "der goldene Abschluss eines unglaublichen Jahres", schreibt die gebürtige Unterfränkin auf ihrer Homepage.  Foto: Imago
78 000 Zuschauer im Wembley-Stadion sehen im November 2019, wie Klara Bühl den 2:1-Siegtreffer gegen England erzielt. Es war "der goldene Abschluss eines unglaublichen Jahres", schreibt die gebürtige Unterfränkin auf ihrer Homepage. Foto: Imago
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Klara Bühl steht noch am Anfang ihrer Profi-Karriere. Der Aufstieg der in Haßfurt geborenen 19-Jährigen im Jahr 2019 war kometenhaft. Nun ändert das Coronavirus vieles. Stoppen kann es Bühl aber nur bedingt. Noch arbeitet sie in Freiburg akribisch an einer erfolgreichen Laufbahn. Doch der nächste Schritt steht bevor.

Bereits jetzt kann Bühl einiges vorweisen. Das vergangene Jahr war vollgepackt mit Höhepunkten. Länderspieldebüt im Februar, DFB-Pokalfinale mit dem SC Freiburg im Mai, Weltmeisterschaft im Juni, Auszeichnung mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold als beste U19-Spielerin im September und zum Abschluss der 2:1-Siegtreffer vor 78 000 Zuschauern im legendären Wembley-Stadion gegen England im November.

"Mittlerweile habe ich etwas Zeit gehabt, darüber nachzudenken", sagt Bühl. "Ein Stück weit habe ich es schon realisiert, was da alles passiert ist." Einen Moment hervorzuheben fällt ihr schwer. Doch nach längerem Überlegen nennt sie den Treffer in Wembley, den Sprung in den finalen Kader für die Weltmeisterschaft und - nicht zu vergessen - das Bestehen des Abiturs.

So turbulent das vergangene Jahr verlief, so abrupter wurde Mitte März wegen des Coronavirus der Stecker gezogen. Die Frauen-Bundesliga pausiert. Wann und ob es weitergeht, ist offen. Bühl steht mit dem SC Freiburg auf dem achten Rang.

Am 20. April ist zumindest ein bisschen Hoffnung zurückgekehrt. Seitdem steht Bühl wieder auf dem Rasen. Unter Einhaltung der vorgegebenen Hygiene- und Verhaltensvorgaben der Behörden trainieren die SC-Frauen in Kleingruppen. Abstand halten, sich zu Hause umziehen und duschen hält Bühl vorübergehend für eine gute Lösung, um überhaupt auf den Platz zu dürfen. "Ich hoffe aber, dass wir uns nicht zu sehr daran gewöhnen müssen", sagt sie.

Normalität kehrt für Klara Bühl langsam zurück

Für rund vier Wochen musste sich die 19-Jährige mit einem individuellen Trainingsplan zu Hause fit halten. Auch vonseiten der Nationalmannschaft gab es immer wieder Input für Übungen. Für Abwechslung sorgten die Team-Challenges mit den Mitspielerinnen. Nun genießt Bühl jede Minute auf dem Rasen. "Es macht großen Spaß, den Ball wieder am Fuß zu haben."

Mit der Wiederaufnahme des Trainings ist etwas Normalität in den Alltag zurückgekehrt. Dafür muss sie mit ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr, das sie gerade absolviert, noch pausieren. Die Kindertagesstätte der Freiburger Turnerschaft 1844, wo Bühl sich drei Stunden am Tag um die Betreuung der Kinder kümmert, ist geschlossen.

Klara Bühl unterstützt "We kick Corona"

Darüber hinaus engagiert sich Bühl für verschiedene soziale Projekte. So unterstützt sie seit März die Initiative "We kick Corona" der Bayern-Profis Leon Goretzka und Joshua Kimmich. In Freiburg setzt sie sich zudem für den Bau einer neuen Kinderklinik ein.

Von der Corona-Krise unberührt bleibt ihr Fernstudium. Seit Januar studiert Bühl Medienmanagement. "Da konnte ich zuletzt mehr Zeit investieren", sagt die Angreiferin. Und falls mal gerade keine Lust zum Studieren da ist, hat Bühl auf Beschäftigungsmöglichkeiten aus alten Tagen zurückgegriffen. Dann macht sie ein Sudoku auf dem Balkon oder spielt mit ihren Eltern Antje und Michael Mensch ärgere dich nicht oder Kniffel.

Von Unterfranken geht es nach Südbaden

Noch wohnt Bühl bei ihren Eltern in Münstertal. Ursprünglich kommt die Familie aus Trossenfurt im Landkreis Haßberge. Durch die berufliche Situation der Eltern zog es die Familie im Jahr 2004 nach Südbaden. Dort nahm Bühls Karriere im heimischen Keller ihren Anfang.

Mit ihrem zwei Jahre älteren Bruder Konrad spielte sie beinahe täglich Fußball. Das machte ihr so viel Spaß, dass sie seit 2010 im Verein aktiv ist. Nach drei Jahren bei der SpVgg Untermünstertal wechselt Bühl zusammen mit ihrem Bruder in die Jugendabteilung des Bundesligisten SC Freiburg.

Von dort an trennen sich die Wege der Geschwister - zumindest auf dem Rasen. "Es war immer ein super Gefühl, mit meinem Bruder zusammen auf dem Platz zu stehen", sagt Bühl. "Ich habe viel von ihm lernen können und ihm immer nachgeeifert." Doch während Konrad heute nur noch hobbymäßig spielt, hat die 19-Jährige den Sprung zu den Profis geschafft. "Es ist schade, dass er seine Karriere auf Eis gelegt hat. Er ist ein super Fußballer", sagt Bühl. "Wenn es die Zeit zulässt, spielen wir schon noch zusammen."

Kontakt nach Franken ist noch da

Die Angreiferin hat ihre Anfänge im Fußball nicht vergessen. Genauso wenig hat sie den Bezug nach Unterfranken bis heute nicht verloren. Die Verwandtschaft lebt noch im Landkreis Haßberge. "Ein bis zweimal im Jahr bin ich zu Besuch dort", erzählt Bühl.

Telefonisch hält sie regelmäßig Kontakt - auch mit ihrem Onkel Frank Sauer, der das Café Sauer in Eltmann betreibt. "Klara ist ein aufgewecktes, fröhliches und intelligentes Mädchen." In Erinnerung geblieben ist ihm Bühls Kommunion. Unweit des Elternhauses spielten die Erwachsenen gegen die Kinder auf dem Bolzplatz Fußball. "Wir Erwachsenen haben noch gescherzt, dass es nicht zu deutlich für uns ausgeht", sagt Sauer. "Das Ende vom Lied war, dass wir verloren haben."

Nun verfolgt der Onkel die Karriere seiner Nichte am Fernseher. "Wenn sie in der Nationalmannschaft spielt, schaue ich immer zu", sagt er. "Die Spiele mit Freiburg kommen ja eher selten."

Bundestrainerin ist voll des Lobes

Ihren spaßigen Charakter, den ihr der Onkel attestiert, transportiert Bühl mit auf das Spielfeld. "Dort kann ich meinen Spielwitz ausleben", sagt sie. "Das klappt bislang ganz gut." Ihre Stärken hat Bühl in der Offensive. Das weiß auch die Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg: "Klara ist eine Spielerin für die Zukunft mit ganz viel Potenzial. Sie hat Tempo, einen unheimlich präzisen Torabschluss. Manchmal weiß sie noch gar nicht, was sie alles draufhat."

Arbeiten müsse die 19-Jährige noch am Kopfballspiel. Das gesteht sich Bühl ein. Die fehlende Erfahrung komme im Lauf der Zeit von selbst. Auch Voss-Tecklenburg sieht noch Verbesserungspunkte. "Wenn wir ihr jetzt noch die taktischen Laufwege und körperliche Robustheit beibringen, wird sie uns in Zukunft sehr viel Freude machen."

Doch schon jetzt vertraut die Bundestrainerin Bühls Qualitäten. Zur Weltmeisterschaft reiste die damals 18-Jährige ohne große Ambition. Nach dem Viertelfinal-Aus gegen Schweden (1:2) konnte Bühl auf drei Einsätze zurückblicken. Gegen Spanien (1:0) und Nigeria (3:0) wurde sie nach der Halbzeitpause eingewechselt, gegen Südafrika (4:0) stand sie sogar in der Startelf. Nach der WM ging es weiter steil bergauf. In den vier Qualifikationsspielen für die Europameisterschaft gelangen Bühl sechs Treffer. Sie ist auf einem guten Weg, eines der Gesichter der Nationalmannschaft zu werden.

Wechsel zum FC Bayern München steht fest

Druck will sich die 19-Jährige aber keinen machen. "Ich möchte weiter lernen und verletzungsfrei bleiben", sagt Bühl. "Und dann mal gucken, was die Zukunft so bringt." Und die Zukunft bringt sie zu einem namhaften Verein: Die gebürtige Unterfränkin wechselt in der neuen Saison zum FC Bayern München. Nach Lina Magull, Laura Benkarth, Carolin Simon, Giulia Gwinn und Melanie Leupolz ist Bühl die nächste Spielerin, die vom SC Freiburg in die bayerische Landeshauptstadt wechselt. Dort trifft Bühl auf ihren alten Trainer Jens Scheuer, der erst im vergangenen Jahr den Weg aus dem Breisgau zum FC Bayern München gemacht hat.