Eltmann
Volleyball

In Eltmann geht die Sonne auf: Shunsuke Watanabe kommt

"Mr. Zackzack" aus Japan: mit neuem Libero gegen die AlpenVolleys. Die Eltmanner Heitec Volleys verpflichten Shunsuke Watanabe.
Artikel drucken Artikel einbetten
Fabian Sagstetter hat drei Weltmeistertitel im Faustball in seiner Karrierebilanz stehen. Dem Quereinsteiger blieb zu wenig Zeit, um sich als Libero in der Volleyball-Bundesliga etablieren zu können. Foto: Daniel Löb
Fabian Sagstetter hat drei Weltmeistertitel im Faustball in seiner Karrierebilanz stehen. Dem Quereinsteiger blieb zu wenig Zeit, um sich als Libero in der Volleyball-Bundesliga etablieren zu können. Foto: Daniel Löb
+1 Bild

Das japanische Wort "shun" kann mit "schnell" oder sehr frei mit "auf Zack" übersetzt werden - so zumindest das Wissen im Lager der Eltmanner Volleyballer. Da hatten die Eltern des heute 31-jährigen Liberos wohl so eine Ahnung, dass sich Shunsuke Watanabe einen Beruf aussuchen würde, bei dem Schnelligkeit und Reaktionsvermögen sicher keine Nachteile sind. Dass der Japaner in einem Umfeld aufgewachsen ist, das den Hang zur Perfektion bis auf die Spitze treibt, hat seiner Karriere als Volleyballer nicht geschadet. Und wer gesehen hat, mit wie viel Energie, mit wie viel tausend Wiederholungen auch nur ein Bewegungsablauf trainiert wird, der wird den für europäische Verhältnisse drillartig anmutenden Fleiß nur bestaunen.

Viele Vorschusslorbeeren für den Mann von Japans nördlichster Hauptinsel Hokkaido, den es jetzt ins beschauliche Frankenland zu den Heitec Volleys verschlagen hat. Doch neun Jahre Erfahrung bei Japans Topliga-Club Toray Arrows und ein Jahr als Libero für die "Drachengötter" des Nationalteams - Nippons Volleyball-Stolz stapelt da nicht tief -, das sind gute Grundlagen für die Volleyball-Bundesliga. Angekommen ist der sympathische und offene Japaner letzten Mittwoch auf dem Flughafen Berlin-Tegel zum Auswärtsspiel seines neuen Teams.

Und bei seinem Team hatte er nach 15 Sekunden im Fahrstuhl des Berliner Hotels seinen Spitznamen weg: "Shuni" verpassten ihm die Eltmanner, in Anlehnung an den auch in Asien hochgeschätzten Rennfahrer. Shuni trug's nicht mit der erwartet asiatischen Fassung, sondern mit einem fröhlichen Lacher, es gefiel ihm sehr.

Wenn man den Eltmanner Trainer Marco Donat fragt, was er von seinem überraschenden Neuzugang hält, dann fangen seine Augen an zu leuchten. "Mit Shuni haben wir einen Libero mit sehr viel Erfahrung verpflichten können, er war Meister in Japan und hat mit den ,Drachengöttern‘ die World League 2016 gespielt. Was wir schon in den ersten Trainings gesehen haben, ist, dass er unser Spiel noch mehr stabilisiert, er hat eine sehr gute Annahme, sein Stellungsspiel und seine Abwehrreflexe sind beeindruckend." Auch habe man sich bewusst für Watanabe entschieden, da er sein Wissen und Können mit Tobias Werner teilen werde, so Donat. Er freue sich, in diesem Bereich einen mannschaftsinternen "Liberotrainer" hinzugewonnen zu haben.

Ein weiterer, positiver Aspekt für Donat: "Unser Interims-Libero Jonas Sagstetter rutscht wieder auf seine Stammposition auf Außen, das gibt mir eine Wechseloption mehr und macht uns wieder ein Stück unberechenbarer. Jonas hat seine Sache als Libero sehr gut gemacht, Ruhe in unserem Annahmeriegel hineingebracht und sich komplett in den Dienst der Mannschaft gestellt - das war menschlich und sportlich absolut Klasse." Dass Verpflichtung, Anreise, Transfer und Spielbefähigung für die Erste Liga in nur sieben Tagen über die Bühne gingen, war für Manohar Faupel, Manager Spielbetrieb, ebenfalls ein Glücksfall. "Mit unserem Spieleragenten Nisse Huttunen hatten wir schnell den richtigen Spieler identifiziert, denn Shuni wollte unbedingt nach Europa und sich auch hier beweisen. Shuni saß dann direkt im Flieger, parallel haben wir schon mal die Ausländerbehörde und die Agentur für Arbeit warmlaufen lassen."

"Ein fast perfektes Teamwork"

Uneingeschränkt positiv, so sein Urteil zur Zusammenarbeit mit beiden Ämtern in Haßfurt und Neustadt an der Saale, die sich sehr kooperativ gezeigt hätten. Trotz aller administrativen Auflagen und Querverbindungen sei der Antrag in der höchstmöglichen Geschwindigkeit geprüft und positiv bestätigt worden. Das Transferverfahren sei auch beim internationalen Verband FIVB, dem japanischen Volleyball-Verband JVA und schließlich bei der VBL "wie geschnitten Brot" durchgegangen. Dafür lobt Faupel ausdrücklich Heitec Volleys Team-Manager Peter Knieling. "Insgesamt war es ein fast perfektes Teamwork in sehr kurzer Zeit - Chapeau."

Fabian Sagstetter scheidet aus

Nach der Verpflichtung des neuen Liberos gehen die Heitec Volleys und der 29-jährige Libero Fabian Sagstetter aus Schweinfurt ab sofort getrennte Wege. Beide Seiten betonen die Einvernehmlichkeit der Vertragsauflösung. "Fabian Sagstetter wurde von Manager Rolf Werner und Trainer Marco Donat in diesem Sommer verpflichtet, da man der Meinung war, den Quereinsteiger aus dem Faustball an das Erstliganiveau heranführen zu können. Diese Einschätzung hat sich in zeitlicher Hinsicht als zu optimistisch herausgestellt. Die Entscheidung ist rein sportlich gefallen und menschlich umso bedauerlicher, da Fabian sehr gut zur Mannschaft passt, er ist ein großartiger Teamplayer", sagt Faupel.

Marco Donat bedankt sich

Donat erklärt: "Ich möchte mich sehr, sehr herzlich bei Fabian bedanken. Er hat die Mannschaft durch seine Einstellung bereichert und ist ein absoluter Top-Profi, sicherlich auch aufgrund seiner Erfahrungen als international anerkannter Faustballer und dreifacher Weltmeister." Auch ist Donat überzeugt, dass ein Heranführen an das Erstliganiveau über einen längeren Zeitraum möglich gewesen wäre, aber die hohe Qualität in der 1. Liga dem Verein nicht die notwendige Zeit dafür lasse. "Training und Vorbereitungsturniere sind das eine, aber die ersten drei Spiele haben ganz klar gezeigt, dass uns auf der Libero-Position die notwendige Erfahrung fehlt. Wenn Du Dir anschaust, welche Abwehrspieler bei den anderen Teams unterwegs sind, dann waren wir da zu optimistisch mit der Konstellation eines jungen Liberos und eines älteren Quereinsteigers aus dem Faustball."

Für Manager Werner ist die Entscheidung für den neuen Libero alternativlos, doch macht ihm die Trennung von Fabian Sagstetter zu schaffen, da er ihn auch seit mehr als zehn Jahren gut kennt. "Ich bin nach wie vor von Fabians besonderen Fähigkeiten und seinen Erfahrungen als international erfolgreicher Faustballer und Quereinsteiger beim Volleyball überzeugt." Was er selbstkritisch sehe, ist der Faktor Zeit, den er unterschätzt habe. "Ich hätte mich gerne über mehr Einsatzzeiten weiterempfohlen", lässt sich Sagstetter zitieren und dass er als Sportler natürlich nicht mit der Entscheidung zufrieden sein könne.

Verstärkt zum Spiel nach Haching

Die japanische Blitzverpflichtung der Eltmanner Heitec Volleys und die erneute Veränderung auf der Außenposition könnte bei Stefan Chrtiansky, dem Trainer der AlpenVolleys, für einige Sorgenfalten mehr sorgen, denn nach dem überraschenden 2:3-Aus in der ersten Pokalrunde gegen Rottenburg erwartet er am Sonntag (18 Uhr) in der Volleyball-Bundesliga kein leichteres Spiel in der Unterhachinger Bayernwerk-Arena. "Ich hoffe, wir haben aus der Pokalniederlage gelernt. Es kommen jetzt einige Spiele, wo wir Pflichtsiege einfahren müssen. Gegen die Heitec Volleys wird es kein Selbstläufer. Eltmann hat schon gegen Giesen mit 3:0 gewonnen, wir sind gewarnt!" Auch freue er sich auf ein Wiedersehen mit Jonas Sagstetter: "Jonas hatte letzte Saison bei uns und auch jetzt eine starke Konkurrenz auf seiner Position, aber er hat auf jeden Fall das Potenzial, ein guter Spieler zu werden."

Der Eltmanner Coach Marco Donat spielt dem bayerisch-österreichischen Alpen-Team die Favoritenrolle zu, denn seiner Meinung nach sei die Mannschaft klar unter die "Top Four" der Saison 2019/20 einzuordnen. Dass die AlpenVolleys Druck im Kessel hätten, ist für Donat eindeutig, denn nach den beiden Niederlagen in der Punkterunde gegen Berlin und Düren und dem Pokal-Aus wollen die Gastgeber am Sonntag wieder etwas Zählbares abliefern, um ihrem Anspruch gerecht zu werden. Dennoch hat Donat eine klare Devise ausgegeben: "Wir sind topmotiviert, und die Spiele gegen Berlin und Friedrichshafen haben gezeigt, dass wir auch gegen die Spitzenmannschaften mehr als nur mithalten können. Daher gibt es nur eines: Wir fahren mit breiter Brust nach Unterhaching und spielen so befreit wie beim 1:3 im Pokal in Friedrichshafen auf. Mit dem neuen Ass im Ärmel könnte mehr als nur ein Achtungserfolg herausspringen."

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren