Eltmann
Dritte Volleyball-Liga

Heriberto Quero kam aus Maracaibo an den Main

Schon mit 16 Jahren schaffte der Spielertrainer des VC Eschenbacher Eltmann, Heriberto Quero, den Sprung in die venezolanische Volleyball-Nationalmannschaft. Mit dem Drittliga-Team des VCE hat sich der Diagonalangreifer viel vorgenommen.
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Heriberto Quero (rechts) punktet mit seiner Athletik und Sprungkraft.
Heriberto Quero (rechts) punktet mit seiner Athletik und Sprungkraft.
Mitte Januar soll es soweit sein: Dann ist die neue Wohnung in Eschenbach wahrscheinlich fertig, und Heriberto Quero kann mit seiner Freundin einziehen. Seit dem Spätsommer wohnt der 35-Jährige nun in Eltmann, das neue Domizil ist ein weiterer Schritt dazu, sich hier zu Hause zu fühlen. "Ich möchte bleiben, Eltmann will, dass ich bleibe", sagt er dazu. Falls seine Freundin, die derzeit noch in Düren wohnt, in der Region einen Arbeitsplatz findet, dürfte dem also nichts im Wege stehen - und wenn der sportliche Erfolg stimmt. Denn den peilt Heriberto Quero, der aus Venezuela stammt und seit 2003 in Deutschland Volleyball spielt, mit dem VC Eschenbacher Eltmann in der Dritten Volleyball-Liga Südost unbedingt an.

Volleyball prägt das Leben des 1,90 Meter großen Modellathleten, seit er 16 Jahre alt ist. In seiner Heimat - Quero ist in der Hafen- und Ölstadt Maracaibo aufgewachsen - ist Baseball die Sportart Nummer eins, doch er hat seine sportliche Laufbahn als Basketballer begonnen. "Das habe ich schon immer gespielt, seit ich sechs oder sieben Jahre alt war", erzählt er. Was hat ihn dann zum Volleyball gebracht? "Beim Basketball haben wir immer nur trainiert, aber ich wollte spielen", antwortet der 35-Jährige.

Schon mit 16 Jahren Nationalspieler

Das durfte er beim Volleyball. Mit 16 bestritt er sein erstes großes Volleyball-Turnier bei der Meisterschaft der venezolanischen Regional-Auswahlmannschaften, "und danach bin ich dann gleich in die Nationalmannschaft gekommen." Zunächst spielte Quero auf der Außen-/Annahmeposition, bald jedoch als Diagonalangreifer. 1998, im Alter von 21 Jahren, wechselte er als Profi nach Santa Fe in Argentinien, kam 2001 nach Spanien und spielte nach einem kurzen Zwischen-Gastspiel wiederum in Argentinien in Deutschland. Ab 2003 verstärkte er Evivo Düren in der Bundesliga.
Dreimal erreichte er mit den Rheinländern das Meisterschaftsfinale, einmal das Pokalendspiel, und auch in der Champions League stellte er seine Klasse unter Beweis. Enorme Athletik und Sprungkraft zeichnen ihn aus. Seine Fähigkeit, trotz seiner für einen Volleyballer nicht außergewöhnlichen Körpergröße weit über dem Netz und meist auch über dem gegnerischen Block zu agieren, brachte ihm in dieser Zeit den Spitznamen "Hubschrauberto" ein.

Seit 2011 A-Lizenz-Trainer

Der TV Bühl war ab 2009 für zwei Jahre die nächste Station in der Bundesliga. 2011 machte er seinen A-Trainerschein und spielte in Düren in einer unterklassigen Mannschaft, ehe er nun im Sommer nach Eltmann kam. "Rolf Werner hat mich schon ein paarmal gefragt. Nun ist auch Basti Richter da und hat gesagt, ich soll kommen, denn wir können hier etwas erreichen", erklärt Heriberto Quero die Gründe für seinen Wechsel nach Franken. Richter und er waren in Bühl Mannschaftskameraden und verstehen sich auch privat gut. Ein weiterer Anreiz für ihn, zum VC Eltmann zu wechseln, war die Herausforderung an seiner ersten Trainerstation. "Es ist sicher gut, wenn man als Trainer erst einmal Erfahrungen sammelt", sagt er, macht aber auch deutlich, dass mittelfristig ein Aufstieg in die Zweite Liga für ihn das klare Ziel ist. "Die Eltmanner haben mir schon gesagt, dass es im ersten Jahr wahrscheinlich nicht klappen wird", sagt er - aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.

Die Mannschaft schöpft ihr Potenzial noch nicht aus

Mit 12:8 Punkten nach zehn von 16 Saisonspielen sind die Eltmanner Vierter, sechs Punkte hinter Spitzenreiter TSV Herrsching. "Ich bin zufrieden", sagt Quero dazu - seine Augen und seine Mimik vermitteln jedoch ein großes "Aber". Denn es hätte noch besser laufen können: "Dass wir zum Saisonanfang in Schwaig verloren haben, war in Ordnung. Aber die anderen Spiele..." Gegen Tabellenführer Herrsching, den Dritten Friedberg und vor allem zu Hause beim 0:3 gegen das Nachwuchsteam VCO Kempfenhausen wäre deutlich mehr drin gewesen, macht er deutlich. Denn das Potenzial der Mannschaft sei groß. Und das zeigte sie auch in der letzten Begegnung vor der Weihnachtspause, als sie den Tabellenzweiten SV Schwaig mit 3:2 in die Schranken verwies.

"Als ich das erste Mal beim Training war, waren da 16 Leute, und ich dachte, wow. Aber das war danach nie mehr so", erzählt der Trainer. Aus den verschiedensten Gründen, zumeist beruflich oder studienbedingt, können viele Eltmanner Stammspieler nur ein-, höchstens zweimal pro Woche trainieren. Das ist für einen wie Quero, der seit fast 20 Jahren auf professionellem Niveau seinen Sport betreibt, schwer, denn: "Ich sehe, was möglich wäre mit der Mannschaft, aber wir können es noch nicht in den Spielen umsetzen."

Ab 2. Januar ist wieder Training

Gerade deshalb wollen die Eltmanner nach einer kurzen Weihnachtspause ab dem 2. Januar verstärkt gemeinsam trainieren, "dann haben viele Spieler frei", erzählt der Spielertrainer. Vor dem Punktspielstart im neuen Jahr am 26. Januar zu Hause gegen den VSV Oelsnitz plant das VCE-Drittligateam auch noch eine Turnierteilnahme, um das Zusammenspiel weiter zu verbessern. Als Ziel bis Saisonende in der neu geschaffenen Dritten Liga nennt er, in der Rückrunde mit den Eltmannern mehr Spiele zu gewinnen als in der Vorrunde.

Weihnachten in Düren

Weihnachten verbringt Heriberto Quero, der seit 2009 auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt und neben dem VCE auch die Bayernliga-Damenmannschaft der VG Bamberg trainiert, in Düren bei der Familie seiner Freundin und feiert ganz nach deutscher Tradition. Über das Weihnachtsfest in Venezuela erzählt er: "Feiertage sind am 24. und 25. Dezember. Es ist ähnlich wie in Deutschland, man tauscht Geschenke aus, aber nicht nur in der Familie, sondern auch mit den Nachbarn. Zum Essen gibt es meist eine Hallaca (ein venezolanisches Nationalgericht aus Bananenblättern Maismehl und mehreren Sorten Fleisch, Anm. d. Red.), und dann wird zusammen lange gefeiert, oft bis vier, fünf Uhr am Morgen."
Seine Mutter, sein Bruder und zwei Schwestern leben nach wie vor in Venezuela, im Sommer hat er sie besucht. Seit kurzem gibt es, wie Quero erzählt, dort auch eine Volleyball-Profiliga. Dennoch kommt eine Rückkehr für ihn nicht in Frage: "Ich habe mein Leben jetzt hier."
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