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Paukenschlag in der Volleyball-Bundesliga: Eltmann stellt Antrag auf Insolvenzeröffnung

Das Punktspiel an diesem Samstag gegen Bühl findet in der Eltmanner Georg-Schäfer-Halle statt.
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Betretene Mienen wohl auch jetzt angesichts der finanziellen Schieflage, vorn von links: Cheftrainer Marco Donat, Co-Trainer Sebastian Richter, Co-Trainer Felix Reschke, Physiotherapeut Martin Winter; hinten von links: Manager Rolf Werner, Mannschaftsarzt Dr. Dr. Andreas Först Foto: D. Löb
Betretene Mienen wohl auch jetzt angesichts der finanziellen Schieflage, vorn von links: Cheftrainer Marco Donat, Co-Trainer Sebastian Richter, Co-Trainer Felix Reschke, Physiotherapeut Martin Winter; hinten von links: Manager Rolf Werner, Mannschaftsarzt Dr. Dr. Andreas Först Foto: D. Löb

Am Donnerstagabend war die Eltmanner Volleyballwelt für die meisten noch in Ordnung. "Ich glaube an die Mannschaft", bekräftigte Marco Donat, der Trainer des Bundesliga-Letzten Heitec Volleys. Im Heimspiel gegen Bühl an diesem Samstag (19.30 Uhr) soll es mit dem zweiten Sieg in dieser Saison klappen. Allerdings in der angestammten, bezahlbaren Georg-Schäfer-Halle unterhalb der Eltmanner Wallburg, nicht in der für die Heitec Volleys offensichtlich zu teuren Bamberger Brose-Arena. Der für Spieler und Fans gleichermaßen unerwartete wie schockierende Grund: Die Kosten sind dem Erstliga-Aufsteiger über den Kopf gewachsen. Am Montag stellt die Eltmann Volleys GmbH, die hinter den Heitec Volleys steht, beim Amtsgericht einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Erstes äußeres Anzeichen der Eltmanner Volleyball-Malaise: Am Mittwochabend fiel in der Brose-Arena die Verlegung des Bodens für das Heimspiel gegen Brühl aus. Am Freitagvormittag machte die Nachricht die Runde, dass die Eltmann Volleys GmbH am Montag einen Antrag auf Insolvenzeröffnung stellen wird. Das Heimspiel gegen die Volleyball Bisons aus Bühl (9.) am Samstag (19.30 Uhr) soll auf jeden Fall stattfinden, wie Verein und Volleyball-Bundesliga (VBL) mitteilen, jedoch nicht in der Bamberger Brose-Arena, sondern in der Eltmanner Georg-Schäfer-Halle.

Die VBL bestätigt auf ihrer Internetseite, dass sie von den Heitec Volleys darüber informiert worden sei, "dass die den Spielbetrieb bestreitende Eltmann Volleys GmbH am Montag, den 23.12.2019, beim Amtsgericht Bamberg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen wird".

Die VBL sei von diesem Schritt überrascht. "Im Zuge des Lizenzierungsverfahrens hatte der Aufsteiger weitergehende Auflagen zu erfüllen, musste frühzeitig Sponsoringerlöse nachweisen, eine Personalkostenauflage beachten und hatte quartalsweise seine betriebswirtschaftliche Auswertung offenzulegen. Im letzten turnusgemäßen Quartalsgespräch vom 31.10.2019 wurde der Volleyball-Bundesliga durch den Verein keine wirtschaftliche Schieflage signalisiert", heißt es.

Die sportlichen Auswirkungen auf die Volleyball-Bundesliga der Männer ließen sich erst abschließend beurteilen, wenn entschieden sei, ob die Mannschaft den Spielbetrieb fortführen wird beziehungsweise wann sie gegebenenfalls aus dem laufenden Spielbetrieb ausscheiden wird - sei es durch die Rückgabe oder den Entzug der Lizenz.

"Gemeinsam mit den Heitec Volleys Eltmann und dem zu bestellenden Insolvenzverwalter wird die Volleyball-Bundesliga nun genau prüfen, ob und, wenn ja, in welcher Form eine Weiterführung des Spielbetriebs möglich und sinnvoll ist", sagt VBL-Geschäftsführer Klaus-Peter Jung.

Die Heitec Volleys teilten am Freitagvormittag mit: "Aufgrund von Zahlungsunfähigkeit wird die Eltmann Volleys GmbH am Montagvormittag (23.12.2019) beim Amtsgericht Bamberg Antrag auf Insolvenz stellen. Zusammen mit dem zu bestellenden Insolvenzverwalter und der Volleyball-Bundesliga werden die Verantwortlichen des fränkischen Erstligisten an der Fortführung des Spielbetriebs arbeiten."

Die Fragen nach Zahlen beantworten die Heitec Volleys mit Verweis auf den Gang zum Bamberger Amtsgericht nicht. Mit einem Etat von rund 850 000 Euro, den der Eltmanner Marketingmann Wolfgang Heyder vor der Saison genannt hatte, liegen sie im Mittelfeld der 1. Liga. "Unser Bestreben ist, den Spielbetrieb in der Hauptrunde aufrechtzuerhalten", sagt der Eltmanner Sprecher Manohar Faupel. Für Jörg Fischbach soll es "unbedingt weitergehen". Es habe sich in den letzten Stunden ein positiver Trend ergeben, erklärte der Geschäftsführer der Eltmann Volleys GmbH. Auch der Eltmanner Kapitän Merten Krüger und seine Mannschaftskameraden hoffen, dass sie weiter für die Heitec Volleys des VC Eltmann aufschlagen können: "Wir sind auch erst am Donnerstagabend beim Training informiert worden. Keiner von uns hat eine Kenntnis davon, wie so eine Sache abläuft. Das ist schon ein Schock, es geht ja auch um Existenzen. Wir als Mannschaft wollen unsere Arbeit gut machen. Wir würden uns sehr freuen, wenn unsere Fans im Heimspiel gegen Bühl am Samstag in Eltmann hinter uns stehen."

Dem Vernehmen nach drückt der Aufwand für die Brose-Arena den Eltmanner Etat: Angenommene Kosten in Höhe von 8000 bis 10 000 Euro pro Heimspiel in Bamberg wollte der Verein am Freitag nicht bestätigen. 2600 Zuschauer sorgten für eine prächtige Kulisse beim 0:3 gegen das Spitzenteam aus Berlin, allerdings sollen maximal 500 Eintritt gezahlt haben. Schon 2009 gaben die Eltmanner nach abgelaufener Saison aus finanziellen Gründen (Insolvenz) ihre Erstliga-Lizenz zurück. Der VC Franken, der das Spielrecht übernahm, legte im Frühjahr 2010 eine krachende Pleite mit Lizenzentzug hin: Volleyball in Bamberg sorgt nicht nur am Netz für Schlagzeilen.

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