Unterhohenried
Fussball-Kreisklasse Schweinfurt 3

Der Fußballwahnsinn schlechthin

Die Sportfreunde Unterhohenried führen mit fünf Treffern zur Halbzeit, geben die Partie aber noch ab.
Artikel drucken Artikel einbetten
Packendes Laufduell vor den Fans des TSV Ettleben/Werneck: Unterhohenrieds Patrick Märkl (links) und Simon Michl  Foto: Ralf Naumann
Packendes Laufduell vor den Fans des TSV Ettleben/Werneck: Unterhohenrieds Patrick Märkl (links) und Simon Michl Foto: Ralf Naumann
"Das ist der Fußballwahnsinn schlechthin." Stadionsprecher Rudi Gehling brachte es auf den Punkt, was am Samstagabend auf der "Maibacher Höhe" der Freien Turnerschaft in Schweinfurt abging. Zumindest die "Neutralen" der offiziell 700 Zuschauer, darunter die lautstarke Fan-Delegation des TSV Ettleben/Werneck, waren begeistert von der Relegationspartie um den Aufstieg in die Kreisliga gegen die Sportfreunde aus Unterhohenried. Warum? Sie drehten einen 5:0-Rückstand noch in einen 6:5-Sieg.

Spfr. Unterhohenried -
TSV Ettleben/Werneck 5:6

Auf der anderen Seite, dort wo sich die ebenfalls zahlreich angereisten Anhänger aus Unterhohenried postiert hatten, herrschte nach dem Schlusspfiff Fassungs- und Sprachlosigkeit. Erst recht wenige Meter davor, bei der Spielerbank der Sportfreunde. Es dauert jedenfalls einige Minuten, ehe der völlig frustrierte Markus Storch zu einer Stellungnahme bereit war. "Mit jedem Tor, wo sie herangekommen sind, sind bei uns die Köpfe weiter heruntergegangen und bei denen nach oben", sagte der Trainer und fügte hinzu: "Unbeschreiblich. Für jeden Zuschauer war es wahrscheinlich das geilste Spiel, das er je gesehen hat. Aber für mich als Trainer einfach Horror und enttäuschend, weil wir uns eigentlich in der Halbzeit etwas ganz anderes vorgenommen hatten."


Jäger sorgt für die Führung

Der Reihe nach: Nach einer Anfangsoffensive des TSV nutzte Dominik Jäger im Anschluss an eine Ecke einen Fehler von Torwart Oliver Breitenbach im Duell der beiden Kreisklassisten eiskalt zur frühen Führung aus (6.). Als Martin Häußinger den Ball nur fünf Minuten später zum zweiten Mal in die Maschen hämmerte (11.) und Felix Willinger einen erneuten Lapsus von Breitenbach per Kopf zum 3:0 ausnutzte (24.), wurde es in der Unterhohenrieder Fankurve immer lauter. Es lief einfach für den Zweiplatzierten der Kreisklasse 3. Es kam sogar noch besser: Mit einem platzierten Schuss ins linke Eck erhöhte Nikita Decker nach weiteren fünf Minuten auf 4:0 (29.), ehe Martin Häußinger eine Traumflanke von Felix Willinger mit einem tollen Kopfball zum 5:0 erfolgreich abschloss (33.). Freilich hatte der TSV ebenfalls Möglichkeiten. Doch entweder scheiterten Kapitän Marcel Faulhaber und Co. an Sportfreunde-Schlussmann Martin Kainz oder am eigenen Unvermögen.
Wer dachte, Unterhohenried verwaltet in der zweiten Halbzeit seine deutliche Führung und die Begegnung plätschert vor sich hin, wurde eines Besseren belehrt. Fakt ist, dass der schnelle 5:1-Anschlusstreffer von Marcel Eirich (47.) nicht nur Ergebniskosmetik, sondern der Auftakt einer irren Aufholjagd war. Nach weiteren Toren der nun wie entfesselt aufspielenden Gelb-Schwarzen durch Marcel Faulhaber und Jannik Pfeuffer (49./52.) rückte das Fußballwunder langsam näher. Und Pfeuffer sorgte gegen die phasenweise wie gelähmt wirkenden "Höreder" mit zwei weiteren Toren (64./70.) nicht nur für einen lupenreinen Hattrick, sondern auch den Ausgleich. Doch zufrieden gaben sich die Mannen um TSV-Spielertrainer Christoph Weeth nicht. Sie drängten nun auf den Sieg. In der Schlussminute war es dann soweit, denn einen berechtigen Foulelfmeter (Ilja Kinereisch foulte Jannik Pfeuffer) verwandelte Marcel Faulhaber zum 5:6-Endstand. Der Rest war Jubel und Party hier, Sprachlosigkeit und Tränen dort.


Kinereisch ist sprachlos

"Was soll man da sagen", fand auch Unterhohenrieds Kapitän Ilja Kinereisch kaum Worte. "Da spielt man die beste Halbzeit, die wir je gespielt haben, und führst 5:0", sagte er. "Egal was dann kommt: Irgendwie sollte man eine zweite Halbzeit ordentlich über die Bühne bringen, dass man das Ding noch schaukelt. Wir wollten dem Druck standhalten, aber irgendwie hat es nicht gereicht."
"Ich weiß, was die Jungs können", sagte Christoph Weeth. Man wollte sich in der zweiten Hälfte "noch ordentlich verkaufen", lautete die bescheidene Zielsetzung für die zweiten 45 Minuten. "Wir haben das Spiel nochmals auf 0:0 gesetzt und uns gesagt, dass wir noch einmal loslegen wollen. Ich bin megastolz", und fügte hinzu: "Mit solchen Fans im Hintergrund kann es gelingen. Die haben uns richtig nach vorne gepeitscht. Einfach Wahnsinn, dass es geklappt hat. So etwas habe ich noch nicht erlebt."
Der Traum vom Aufstieg in die Kreisliga ist für die Sportfreunde nach einer erfolgreichen Saison geplatzt. Während für sie das bittere Ende zugleich der Anfang der Sommerpause ist, darf der TSV weiter vom Aufstieg träumen. Gegen den Verlierer der Partie des TSV Aidhausen und der DJK Schweinfurt könnten die Jungs um Christoph Weeth im Endspiel (Termin steht noch nicht fest) das i-Tüpfelchen auf die Saison setzen. "Wir geben unser Bestes. So wie die zweite Halbzeit. Die erste ignorieren wir einmal."


Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren