Eltmann
2. Volleyball-Liga Süd

VC Eltmann hat nach toller Serie hohe Ziele

Mit einer Serie von 16 Siegen am Stück beendeten die Oshino Volleys des VC Eschenbacher Eltmann die Saison. Sportvorsitzender Rolf Werner lobt sein Team.
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Mit einem großen Transparent bedankten sich die Spieler nach dem letzten Saisonheimspiel bei ihren treuen Fans.
Mit einem großen Transparent bedankten sich die Spieler nach dem letzten Saisonheimspiel bei ihren treuen Fans.
Bekannte Gesichter fanden sich im VIP-Bereich des VC Eschenbacher Eltmann beim Saisonausklang in der 2. Volleyball-Liga Süd. Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär war ebenso auszumachen wie Karl Wagner und Karl Pensl, zwei der drei Hauptsponsoren des Vereins, oder Eltmanns Bürgermeister Michael Ziegler. Sie verbrachten im Kreise der Vereinsverantwortlichen einen entspannten Abend, denn die Oshino Volleys des VC Eschenbacher Eltmann machten ihre Serie perfekt. Sie gewannen nach elf vorangegangenen Erfolgen in der Georg-Schäfer-Halle auch ihr zwölftes und letztes Heimspiel. 3:0 hieß es am Ende gegen den Tabellensechsten TGM Mainz-Gonsenheim - wie erwartet.

Wie sich Verlieren anfühlt, haben die Eltmanner wohl fast schon vergessen. Zur Erinnerung: Am 14. November, vor fast fünf Monaten, passierte ihnen dies zum bisher letzten Mal. Mit 1:3 hatten sie beim TSV Grafing das Nachsehen.
Es
folgten 16 Erfolge hintereinander und der Sprung auf den zweiten Tabellenplatz, vier Punkte hinter dem Meister SV Fellbach, aber mit der gleichen Anzahl von Siegen (20) und sogar einem weniger verlorenen Satz. "Die Fellbacher waren über die gesamte Saison konstanter, sie stehen verdient vorne, und wir gönnen ihnen Platz 1", sagt VCE-Sportvorsitzender Rolf Werner, "aber wir fühlen uns irgendwie auch als Meister." Immerhin haben die Eltmanner den Tabellenersten zweimal geschlagen.


Nur vier Niederlagen

Dass die Eltmanner mit ihrer von Grund auf neu formierten Mannschaft einige Partien brauchen würden, um auf Betriebstemperatur zu kommen, war nicht überraschend. Dennoch war wohl vor allem der Ausfall von Libero Thiago Welter (Daumenverletzung) für mindestens zwei Niederlagen ausschlaggebend. Sein Vertreter Maximilian Kolbe stand in Leipzig und Hammelburg in dieser Phase ebenso nicht zur Verfügung, und prompt ging der VCE dort leer aus. Darüber hinaus verloren die Oshino Volleys nur in Delitzsch und eben in Grafing.

"Ähnlich wie Fellbach oder auch Hammelburg war unsere Mannschaft eine Einheit. Ihre Geschlossenheit und ihr Wille zu gewinnen waren wohl ausgeprägter als bei manchen anderen Mannschaften", erläuterte Werner. Das VCE-Team verfüge schon über viel Erfahrung und individuelle Klasse, "aber das haben andere auch", sagt er. Dass das Niveau in der 2. Liga Süd gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen sei, sei ihm im Gespräch mit Vertretern anderer Teams bestätigt worden, "die Liga ist 30 Prozent stärker geworden. Das sieht man auch daran, dass eine gestandene Mannschaft wie Dachau absteigen muss."


Eine beispiellose mannschaftliche Geschlossenheit

Über eine Tatsache freut sich der Sportvorsitzende besonders: "Ich habe in 40 Jahren Volleyball noch nie eine Mannschaft erlebt, die so geschlossen war, in der 13, 14 Spieler so eng beieinander waren", sagt er. "Früher hatten wir auch tolle Teams mit charakterlich einwandfreien Leuten, aber es waren immer einer oder zwei dabei, die, auch wenn sie tadellose Persönlichkeiten waren, ein bisschen außerhalb der Gruppe standen. Das hatten wir diesmal gar nicht, und das ist schon einmalig." Rund 600 Zuschauer sahen im Schnitt die Eltmanner Heimspiele, "ohne diese Unterstützung, die des Fanclubs, der vielen Helfer und der Sponsoren kann man ja nichts erreichen, und dafür sind wir sehr dankbar", macht der Sportvorsitzende deutlich.

Die Geschlossenheit und die hohe Eigenmotivation, den Willen zum Erfolg, habe Trainer Jozef Janosik gefördert, aber auf der anderen Seite machten diese Eigenschaften der Spieler dem Coach seine Aufgabe auch leichter. So ist es nicht überraschend, dass es die Eltmanner nicht nach Veränderungen drängt. "Der Verein hat allen Spielern wiederholt signalisiert, dass er gerne mit ihnen weitermachen möchte", sagt Werner. Er gehe auch davon aus, dass die Mannschaft zusammenbleibt. "Dazu gehören natürlich immer zwei Seiten, aber es hat mir kein einziger Spieler gesagt, dass er Veränderungsgedanken hat. Aber man weiß ja nie, was sich entwickeln kann."

In den nächsten Wochen sind personelle Entscheidungen unwahrscheinlich, denn nach der langen Saison wollen nicht nur die Spieler, sondern auch die Verantwortlichen nun erst einmal Luft holen. Aber natürlich wirft die kommende Spielzeit bereits jetzt einige Fragen auf. Denn die Eltmanner Ziele sind hoch - sportlich wie wirtschaftlich.


500 000 Euro sind für die Bundesliga nötig

Auf den bereits diesmal möglichen Aufstieg in die Bundesliga haben die Oshino Volleys wie berichtet verzichtet. Zu groß wäre nach Meinung von Werner und seinen Mitstreitern das Risiko gewesen, nach einer von der Liga gewährten Übergangszeit dann doch nicht alle Voraussetzungen für einen Verbleib in der deutschen Eliteklasse erfüllen zu können, wie es der VSG Coburg/Grub in der abgelaufenen Runde passiert ist. "Bitterfeld (Zweiter der 2. Liga Nord, Anm. d. Red.) geht jetzt mit rund 300 000 Euro hoch, das ist für den Verein wohl ein Lebenstraum, mal in der Bundesliga zu spielen", sagt Werner und macht im gleichen Atemzug deutlich, dass dies nicht der Weg des VC Eschenbacher Eltmann ist. Um von vorneherein alle Anforderungen zu erfüllen, vor allem hauptamtliche Mitarbeiter in der Organisation stellen zu können, seien rund 500 000 Euro pro Jahr nötig. Rund 350 000 hätten die Eltmanner für die kommende Saison nach Werners Angaben aufbringen können.

Diese Lücke von 150 000 Euro bis zu einem soliden Bundesliga-Budget zu schließen, ist eine der Aufgaben für die kommende Saison. "Das wird nicht einfach, aber wenn ich nicht davon überzeugt wäre, dass es machbar ist, würde ich es gar nicht erst versuchen", erklärt der Sportvorstand. "Dazu ist viel Unterstützung nötig, aus der Wirtschaft, aber auch aus der Politik, da kann man schon Türen öffnen." Und wenn der Finanzrahmen passt, muss das Team auch die sportliche Qualifikation erneut schaffen.


Starke Konkurrenz

Natürlich sei es zum jetzigen Zeitpunkt schwierig, Voraussagen über die Spielstärke der Konkurrenz zu machen, aber "Stand heute gehören Fellbach, Eltmann, Hammelburg und auch Leipzig zu den Favoriten. Und wenn die VSG Coburg in der 2. Liga antritt, wird sie auch bestimmt nicht hinten mitspielen", sagt Werner. Zudem stehe noch nicht fest, ob der TV Bühl die Erstliga-Anforderungen erfüllen oder ebenfalls in der 2. Liga auflaufen werde. Die Eltmanner sind lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass ein erneuter Spitzenplatz nicht selbstverständlich ist, dass sie sich von der Siegesserie der vergangenen Monate ab September, wenn es wieder um Punkte geht, nichts kaufen können. Aber sie haben ein Fundament, auf das sie in der Runde 2016/17 mit viel Zuversicht aufbauen können.
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