Wird Haßfurts Bürgermeister Rudi Eck unfreiwillig neuer Vorsitzender beim Eissportclub (ESC)? Ganz ausgeschlossen ist dieses Szenario nicht, denn bei der Hauptversammlung des Vereins im "Hawks Inn" stellte sich Amtsinhaberin Kerstin Gollbach nach sieben Jahren im Vorstand nicht mehr zur Verfügung. Nach den Ereignissen in den letzten Monaten eigentlich keine Überraschung. Aber Ein Nachfolger ist längst nicht in Sicht.
"Wir hoffen natürlich, dass wir noch erfolgreich sind", zeigte sich Dritter Vorsitzender Helmut Schmidt aus Knetzgau allerdings optimistisch, den Posten doch noch regulär besetzen zu können. Um einen geeigneten und vor allem willigen Kandidaten zu finden, wurde von den 34 anwesenden wahlberechtigten Mitgliedern die Einsetzung eines Arbeitskreises (AK) beschlossen. Dieser soll zum einen die Suche nach einem neuen ESC-Vorsitzenden forcieren und zum anderen die derzeitigen Strukturen überprüfen. Denkbar wäre, die anfallenden Hauptarbeiten auf mehr Schultern als bisher zu verteilen.
Sowohl Kerstin Gollbach sowie ihre beiden Kollegen Peter Vogel (2. Vorsitzender) und Helmut Schmidt bleiben laut Satzung mindestens bis dahin weiterhin kommissarisch im Amt. Sollten aber zwei aus dem "Dreigespann" ausfallen, würde dies die Handlungsunfähigkeit des Vereins bedeuten. Ein vom Amtsgericht eingesetzter Notvorstand, möglicherweise Stadtoberhaupt Rudi Eck, müsste dann die Geschäfte des ESC Haßfurt weiterführen. Damit es nicht soweit kommt, wird nun fieberhaft gearbeitet.
Zuvor zog Gollbach eine durchwachsene Bilanz der vergangenen Jahre und begründete ihren Rückzug auch mit dem immer größer werdenden Zeitaufwand. Gerade die vergangene Saison empfand sie als "knüppeldick. Ich muss jetzt einfach Abstand gewinnen", machte die 41-Jährige deutlich. "Es sind so viele Aufgaben, die ich nicht mehr stemmen kann und nicht mehr stemmen will." Trotzdem wolle sie einem neuen Vorstand "beiseite stehen." Sie appellierte an die Mitglieder, ebenfalls zum Verein und zum Vorstand zu stehen. "Es geht nur um den Verein und um nichts anderes." Es gehe dem Eissportclub "besser als vor sieben Jahren. Aber es gibt noch genug Potenzial nach oben."
Zum Ende des Geschäftsjahres im März waren 278 Mitglieder eingetragen, neun weniger als beim Höchststand ein Jahr zuvor. "Das war kein großer Einbruch", sagte Gollbach und fügte hinzu: "Das ist Gott sei dank gegen den Trend." Trotzdem müsste man sich um mehr Interessierte bemühen, die sich dem Verein aktiv oder auch passiv zuwenden. "Stagnation ist nicht gut."
Im sportlichen Bereich lief es bei den "Hawks" in der Landesliga nicht wie erhofft - in erster Linie im personellen Bereich. Kerstin Gollbach räumte ohne Ausreden ein, dass es mit Trainer Sergej Waßmiller als hauptamtlichem Trainer "nicht wirklich funktioniert" habe. Hinzu gekommen seien zahlreiche Spieler, welche die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt haben sowie zahlreiche Verletzungen und andere Ausfälle. Ihr Fazit: "Wir haben Lehrgeld bezahlt."
Trotz der aktuell sehr unsicheren Situation hat sich bezüglich der ersten Mannschaft für die Spielzeit 2012/2013 schon viel getan. Neuer Trainer für die "Hawks" wird der Schweinfurter Frank "Jeffrey" Genßler, der sich zuletzt um die 1b der "Mighty Dogs" in der Bezirksliga gekümmert hatte und laut eigener Aussage ein "echter Kämpfertyp" ist. Dem 43-Jährigen, der ab 1994 für einige Jahre bei den damaligen "Sharks" des ERC Haßfurt als Stürmer über das Eis im Stadion am Großen Anger jagte, stehen einige Spieler bereits sicher zur Verfügung.

Es wird noch viel geredet


Rafael Popek bleibt ebenso ein "Hawk" wie Stefan Ankenbrand, Max Zösch, Patrick Märkl, Frederic Rambacher, Florian Kaufmann, Philipp Bates, Niklas Zimmermann und Max Schneider. Noch nicht sicher ist ein Verbleib von Eugen Nold und Sebastian Kaufmann - bei ihnen geht es um einen Studienplatz - sowie von Altmeister Thomas Berndaner. Mit allen wird noch geredet. Definitiv zu anderen Vereinen wechseln neben dem bereits feststehenden Markus Waldvogel auch Daniel Sellerer, Jan Karg, Sean Andre (vermutlich alle EV Pegnitz), Christopher Röhrl, Peter Cerny sowie Petr Macek (alle Ziel unbekannt). Martin Hildenbrand, der ebenfalls wieder für die Haßfurter auflaufen möchte, muss sich derweil noch einige Monate gedulden: er erlitt einen Kreuzbandriss und steht möglicherweise bis Weihnachten nicht zur Verfügung. Bislang steht als Neuzugang lediglich Rückkehrer und Eigengewächs Christopher Reitz (Tor) fest. Ob sich dem ESC noch weitere Neuzugänge anschließen, bleibt offen.
Fest steht, dass der Verein keine finanziellen Experimente macht. "Wir wollen eine Mannschaft aus der Region zusammenstellen", sagt Helmut Schmidt deutlich. "Wir müssen kleinere Brötchen backen", ergänzt Peter Vogel, für den der Aufstieg "nicht das Ziel" ist. "Das wäre utopisch. Wir wollen aber vorne mitspielen."
Fakt ist: Es muss gespart werden, was auch die Einnahmen- und Ausgabenentwicklung der vergangenen Jahre verdeutlicht: Zwar kamen in der abgelaufenen Runde 4,19 Prozent mehr Besucher zu den Heimspielen. Doch in der Saison 2010/2011 brach die Resonanz im Vergleich zu 2009/2010 um über 39 Prozent förmlich ein. Alleine in diesen Bereich sind die Einnahmen von knapp 50   000 Euro auf 31   500 Euro zurückgegangenen.
Positiv ist laut dem momentanen Nachwuchskoordinator Andreas Kurz unterdessen die Entwicklung bei den jungen Spielern. Zahlreiche Mannschaften der "Young Hawks" haben nicht nur in ihren einzelnen Ligen gut abgeschnitten, sondern stehen auch zahlenmäßig gut da. In der neuen Saison würden deshalb auch sechs Mannschaften an den Start gehen plus erstmals eine U8-Spielgemeinschaft mit Schweinfurt. Ebenso gut lief und läuft es in der Eiskunstlaufabteilung, wie Abteilungsleiterin Maria Heß erklärte.