Zeil
Laufsport

Hubert Karl ist viermal um die Welt gelaufen

150 000 Kilometer hat der Zeiler Ultralangläufer bisher insgesamt zurückgelegt. Die entscheidenden letzten Meter bis zu seinem Jubiläum wollte er an einem besonderen Ort absolvieren.
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Es ist eine fast unvorstellbare Zahl: 150 000 absolvierte Kilometer. Schon für einen Radfahrer wäre dies eine mehr als akzeptable Leistung. Doch Hubert Karl hat die Strecke zu Fuß zurückgelegt. Rund 614 Kilometer beträgt die Luftlinie zwischen München und Hamburg. Karl hätte diese Entfernung ungefähr 244 Mal bestritten. Ein anderes Beispiel macht seine bisherige Lauf-Lebensleistung vielleicht noch greifbarer: In 150 000 Kilometern hätte der Zeiler die Erde auch viermal umrunden können.
Die Etappen, auf denen er seine bisherigen Strecken hinter sich ließ, hätten größer kaum sein können. Denn die 42,195 Kilometer eines Marathons waren dem 56-Jährigen nicht genug. Er legte auf Ultra-Marathons deutlich größere Entfernungen zurück. Die 246 Kilometer des griechischen Spartathlon - den weltweit wohl schwierigsten Lauf - absolvierte Hubert Karl als Einziger bereits 17 Mal.
Klar, dass ihm das den Titel "Mr. Spartathlon" einbrachte.

Vor der Haustüre

Um das "Jubiläum" entsprechend zu feiern, lud Karl Freunde und Verwandte, die ihn auf seinen bisherigen Wegen begleiteten, zum Lauf rund um die Zeiler Weinberge ein. Das "Zählwerk" sollte fast vor der Haustüre von 149.999 auf die unglaubliche Zahl umspringen. Zahlreiche Honoratioren, aktive und ehemalige Funktionäre des TV Zeil standen applaudierend Spalier, als die von Karl angeführte Laufgruppe im Ziel am Zeiler Setzbach ankam. Genau hier begann 1983 die sportliche Karriere Karls bei einem ersten Lauftraining im Bischofsheimer Forst. Zusammen mit einem Freund wollte er auf dem Zeiler Trimm-Dich-Pfad eigentlich nur etwas Kondition für die Fußballspiele mit dem FC Ziegelanger tanken. Zu den zwei Kilometern sollten fortan noch einige hinzukommen und das Leben Karls verändern.

Täglich zwei Liter Bier

Seit 30 Jahren führt er penibel Buch über jeden Kilometer und jede Laufstrecke, die er seitdem zurückgelegt hat. Darunter waren Wettbewerbe wie der 457 Kilometer lange Peace-Run von Hiroshima nach Nagasaki oder der berüchtigte Badwater-Ultramarathon über 216 Kilometer durchs kalifornische Death-Valley. Als wichtige Grundlage seines Erfolges sieht Karl eine ausgewogene und bewusste Ernährung.
Er setzt dabei nicht auf die typische Nahrungsergänzung, sondern beschäftigt sich vielmehr intensiv mit den Inhaltsstoffen des natürlichen Nahrungsangebotes. Unterstützt wird er dabei von Ehefrau Christine, die ihn mit Kräutern aus dem heimischen Garten versorgt. Daher tauchen auf dem Speiseplan der Karls auch regelmäßig Brennnesselwasser und -gemüse auf. Der Genuss soll dennoch nicht zu kurz kommen. Täglich bis zu zwei Liter Gerstensaft der heimischen Brauerei konsumiert er mindestens. Gerade auf die B-Vitamine im Hefebier setzt Karl: "So wird regelmäßig das Gefäßsystem gereinigt. Wichtig ist dabei natürlich auch eine kalzium- und magnesiumreiche Wasserzufuhr, um gerade vor langen Läufen unangenehmen Muskelkrämpfen vorzubeugen und den Knochenapparat zu stärken."
Mehrere Wochen intensiven Trainings stehen in der Vorbereitung auf dem Programm, wenn ein Ultrawettkampf ansteht. Dann ist er oft im ganzen Landkreis unterwegs. Mal mit einer Laufgruppe, oft aber auch mit seiner Frau Christine. "Er ist sehr gesundheitsbewusst und davon profitiert die ganze Familie", sagt sie.

Erfolglose Abwerbeversuche

Sein Hobby hat Karl längst zum Beruf gemacht. Seit zehn Jahren gibt er als Lauftherapeut Laufkurse und arbeitet als Adipositas-Trainer mit übergewichtigen Kindern. "Mir hat das Laufen im Allgemeinen sehr viel für die Gesundheit gebracht. Man lebt bewusster und achtet auf die Ernährung und mir ist es wichtig, meine Erfahrungen damit weiterzugeben", beschreibt er seine Philosophie. Trotz der Abwerbeversuche mehrerer Vereine, wie in den Neunzigerjahren die Ultralauf-Hochburg LG Nord Berlin, blieb der Läufer in all der Zeit stets dem TV Zeil treu. So erlief er für seinen Heimatverein die Vize-Europameisterschaft im deutschen Nationalteam im 24-Stunden-Lauf, wurde viermal deutscher Meister im 24-Stunden-Lauf, fünfmal bayerischer Meister im 100 Kilometer-Lauf und mehrmaliger unterfränkischer Meister über Strecken von fünf Kilometern bis zum Halbmarathon.

Ehrenamtliche Arbeit

Doch Karl gibt nicht nur als Lauftherapeut sein Wissen weiter, sondern ist auch ehrenamtlicher Trainer der "Roten Teufel", der Leichtathletikgruppe des TV Zeil. Weit über die Region hinaus fahren die von ihm angeleiteten Sportlerinnen und Sportler Erfolge auf Landes- und Bundesebene ein. "In seinem Training merkt man einfach, dass hinter seinem Erfolg ganz viel Erfahrung, Leidenschaft und Disziplin steckt", sagt ein Teilnehmer.
Die Herbstmonate stehen für Karl ganz im Zeichen der Organisation der beiden weit über die regionalen Grenzen bekannten Laufveranstaltungen in seiner Heimatstadt. Zum 19. Mal organisiert er in diesem Jahr den Abt-Degen-Lauf durch die Zeiler Weinberge und zum bereits elften Mal kommen Läufer aus ganz Europa zum Saisonabschluss für den Zeiler Waldmarathon in den Landkreis. Karl setzt auch hier seine ganze Kraft ein. Mitglied ist er auch in der Extrem- und Ausdauersportvereinigung für soziales Engagement "Friends for Life". Hier engagiert er sich mit sportlichen Aktionen für bedürftige Personen, Gruppen oder Institutionen. Der Erlös aus Benefizläufen geht beispielsweise in Projekte der "Angel-Foundation", die ein Waisenprojekt in Südafrika betreibt.
Als Grundlage für seinen persönlichen Erfolg nennt Karl die jahrelange Beständigkeit. Sie führte ihn zu den unterschiedlichsten Orten der Welt und insgesamt über 150 000 Kilometer - eine fast unvorstellbare Zahl.

Die Höhepunkte der 150 000 Kilometer von 1983 bis 2014

700 Wettkämpfe von fünf bis zu 457 Kilometer

55 Marathonläufe (Bestleistung 2:41 Stunden)

130 Ultramarathonläufe: Darunter zweimal der Peace Run (Hiroshima-Nagasaki/457 Kilometer)

17 Mal der Spartathlon (Athen-Sparta/245 Kilometer)
Sechsmal die Japandurchquerung (Nagoya-Kanazawa/250 Kilometer)

Badwater-Lauf durch den Death-Valley-Nationalpark in Kalifornien (216 Kilometer/deutscher Rekordhalter in 29:30 Stunden)

21 Mal 100 Kilometer (Bestleistung 7:56 Stunden)
20 Mal einen 24 Stunden-Lauf (Bestleistung 225 Kilometer)

In sechs Etappen durch die peruanischen Anden

Zehnmal einen Sechs-Stunden-Lauf absolviert (Bestleistung 76,6 Kilometer)

Schweizdurchquerung (Genf-Basel/323 Kilometer in sieben Tagen)

Trans-Swiss-Triathlon quer durch die Schweiz

Syltumrundung (111 Kilometer)

Réunion-Durchquerung (128 Kilometer)

Spreelauf (420 Kilometer in sechs Tagen)

In sechs Etappen durch Mali

Comerades-Ultramarathon in Südafrika (90 Kilometer in Südafrika)

Two-Oceans-Marathon in Südafrika (56 Kilometer)

Kepler-Track in Neuseeland (60 Kilometer)

Deutscher Rekord
Alle 24-Stunden-Läufe mit über 200 Kilometern absolviert

Weltrekord

Als einziger Läufer der Welt die drei härtesten Nonstop-Rennen Spartathlon, Badwater und Kirschblütenlauf in unter 30 Stunden absolviert
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