Mürsbach

250 Pflichtspiele ohne Ausfall: "Solange kein Bein weghängt, stehe ich auf dem Platz"

Mürsbachs Spielertrainer Nico Imhof marschiert mit dem VfL von Sieg zu Sieg. Der Torhüter führt die Torschützenliste der Bamberger A-Klasse mit Abstand an.
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Der gelernte Torhüter Nico Imhof (links) stand schon bei der SpVgg Rattelsdorf als Feldspieler auf dem Rasen (rechts).  Fotos: sportpress
Der gelernte Torhüter Nico Imhof (links) stand schon bei der SpVgg Rattelsdorf als Feldspieler auf dem Rasen (rechts). Fotos: sportpress
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Schuld war ein verdorbener Fisch. Der setzte Nico Imhofs Magen derart zu, dass er nicht für den Bamberger Kreisklassisten SpVgg Rattelsdorf auflaufen konnte. Das war im September 2011 - bis heute hat der 27-Jährige kein Pflichtspiel mehr verpasst. Grob gerechnet sind das etwa 250 Partien in Folge.

Diese Serie hätte Imhof im Rattelsdorfer Trikot noch weiter ausgebaut - wären da nicht seine Trainerambitionen. Seit dieser Saison steht Imhof in der Bamberger A-Klasse für den VfL Mürsbach auf dem Rasen. Es ist die erste Spielzeit, in der der gebürtige Rattelsdorfer nicht für seinen Heimatverein aufläuft. Eine Entscheidung, die ihm nicht leicht fiel: "Ich bin sehr eng verbunden mit meinem Heimatverein. Für mich war jedoch klar, dass ich nach der aktiven Zeit als Trainer weitermachen will. Die Möglichkeit, bei einem ambitionierten A-Klassisten als Spielertrainer anzufangen, musste ich einfach nutzen." Ohne Trainerambitionen hätte er die SpVgg Rattelsdorf nie verlassen, sagt er.

Dass es schließlich der VfL Mürsbach wurde, erscheint logisch. Der A-Klassist aus dem nur sechs Kilometer entfernten Nachbarort ist Imhof gut bekannt. Vor allem Spielleiter Manuel Wilhelm, ein Freund des Rattelsdorfers, war entscheidend für den Transfer. Bereut haben die Zusammenarbeit beide Seiten nicht.

Ein Torwart als Torjäger

Mit deutlichem Abstand führt der Mürsbacher Spielertrainer die Torschützenliste der A-Klasse an: Nach 20 Spielen stehen 30 Tore auf Imhofs Konto, Christian Knorz (SG Bamberg) und Isaac Osei Tutu (ASV Gaustadt) folgen mit 20 Treffern. Hinzu kommen 14 Torvorlagen.

Dabei ist der 27-Jährige eigentlich kein Stürmer - sondern gelernter Torhüter. "Die ersten 15 Jahre meiner Fußballerkarriere stand ich zwischen den Pfosten. Dass ich als Stürmer auflaufe, hat sich eigentlich eher zufällig ergeben." Die Idee dazu hatte Imhofs damaliger Trainer Lorenz Leimbach, der inzwischen beim FC Baunach an der Seitenlinie steht.

"Es war Not am Mann, wir haben einfach keine Tore geschossen", erinnert sich Imhof. Leimbach kannte Imhofs Qualität am Ball. Zudem hatten die Rattelsdorfer mit Lorenz Neundorfer einen starken Ersatztorhüter in der Hinterhand, der Imhof würdig vertrat. "Ich ging oft als Torwart in das Spiel. Wenn wir zur Halbzeit zurücklagen, bin ich nach dem Seitenwechsel im Sturm aufgelaufen." Seitdem hat Imhof in nahezu jeder Saison getroffen.

Auch wenn er in Mürsbach inzwischen von Beginn an die Außenbahn beackert und für Tore sorgt, ist er im Herzen noch Torwart. "Lieber fische ich einen eigentlich unhaltbaren Schuss aus dem Winkel, als selbst so ein Traumtor zu schießen. So eine Bude zu verhindern ist einfach das geilste Gefühl."

Leimbach als prägender Trainer

Dennoch ist er seinem ehemaligen Trainer Leimbach dankbar für die Umstellung. Und nicht nur dafür: "Lorenz Leimbach war etwa 16 Jahre lang mein Trainer, ihm habe ich sehr viel zu verdanken." Von einer solch prägenden Figur schaute sich Imhof auch einiges für seine eigenes Trainerdasein ab. Die Position des Spielertrainers ist schwierig, die Gefahr des Autoritätsverlustes groß. Von seinem ehemaligen Trainer habe er gelernt, wann man einmal lauter werden muss, wie eng die Beziehungen zu den Mitspielern werden dürfen und wie die Truppe den Respekt gegenüber dem Trainer behält.

Außerdem sei Leimbach ein "Motivationsmonster" gewesen, dessen Kabinenansprachen für Gänsehaut und absolute Fokussierung gesorgt hätten. Ein "Fußballverrückter" sei er gewesen, hart und fordernd, der aber nach Siegen auch einige Biere mit der Mannschaft trinkt. Fußballverrückt ist Imhof auch. 250 Pflichtspiele ohne Unterbrechung - Omas 80. Geburtstag, Schnupfen, Verletzungen: Kein Grund, ein Fußballspiel zu verpassen. "Solange kein Bein weghängt, stehe ich auf dem Platz", sagt er.

Und das nicht nur als Spieler in Rattelsdorf oder Mürsbach. Imhof ist aktiver Schiedsrichter und trainierte nebenbei noch die Rattelsdorfer Kreisliga-Frauen - eine wichtige Erfahrung. "Da musst du schon höllisch aufpassen, wenn du mal laut wirst. Da vergraulst du die Damen schnell, der Spaßfaktor ist viel wichtiger als bei den Herren. Aber es macht riesigen Spaß zu sehen, wie sich die Frauen technisch und taktisch verbessern."

Mürsbach ist auf Meisterkurs

Spaß stellt sich mit dem Erfolg oft automatisch ein - so wie aktuell beim VfL. Die Mürsbacher führen die Tabelle der A-Klasse an, zusammen mit seinem Co-Trainer Florian Hofer, der die Mannschaft von der Seitenlinie aus dirigiert, führt Imhof den VfL von Sieg zu Sieg. Anfang des Monats fertigte Mürsbach den schärfsten Verfolger ASV Gaustadt mit 4:1 ab, auch Imhof traf. Danach folgte ein torloses Remis gegen den drittplatzierten TSC Bamberg, am Sonntag ein klares 7:0 bei der Reserve des FSV Unterleiterbach. Imhof traf drei Mal. "Die Gaustadter darf man noch nicht abschreiben, aber wir haben jetzt vier Punkte Vorsprung. Wir haben die Meisterschaft und den Aufstieg selbst in der Hand und können uns nur noch selbst schlagen."

Imhof bleibt in Mürsbach

Unabhängig davon, ob der VfL in der kommenden Spielzeit in der A- oder in der Kreisklasse an den Start geht, steht fest: Imhof bleibt als Spielertrainer in Mürsbach - und ist davon überzeugt, seine Pflichtspielserie weiter auszubauen. Wenn nicht wieder ein schlechter Fisch dazwischengrätscht.

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