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Ebern
Vernissage

Sozialdemokraten aus dem Haßgau entdecken ihre Wurzeln

In Ebern wurde eine Ausstellung zur 150-jährigen Geschichte der SPD eröffnet. Der einstige Geschäftsführer und Heimatforscher Ludwig Leisentritt aus Zeil hatte dazu in Archiven gekramt und bislang unbekannte Dokumente über die Anfänge der Sozialdemokratie im oberen Haßgau entdeckt.
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Herbert Wehner besuchte in der 1970er Jahren Ebern und trug sich ins goldene Buch der Stadt ein.
Herbert Wehner besuchte in der 1970er Jahren Ebern und trug sich ins goldene Buch der Stadt ein.
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Die Bundeskanzler Willy Brandt und Helmut Schmidt zu Gast in der Stadt? Zumindest auf Schautafeln. Die 150-jährige Geschichte der Sozialdemokratie hielt am Sonntag Einzug ins Ossarium, wo zum SPD-Jubiläum eine bemerkenswerte Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung eröffnet wurde. Dazu gab's Rotkäppchen-Sekt und Informationen zu den Ursprüngen der SPD im oberen Haßgau, die Heimatforscher Ludwig Leisentritt brandaktuell aus Archiven in Würzburg herausgefiltert hatte.

Eins vorneweg: Auch wenn der Eberner Ortsverein etliche der 25 Informationstafel zur Ausstellung beisteuert, die sozialdemokratische Bewegung kam im Baunachgrund erst mit Verspätung in Gang.
Noch 1920 bezeichnete die SPD-Postille "Fränkischer Volksfreund" Ebern als "stockschwarzes Nest". Einen Grund für die Unterdrückung gewerkschaftlicher Ideen hat Leisentritt auch herausgefunden: "Ihnen standen keine Gaststätten offen, um Versammlungen abzuhalten."

Dabei hatten schon 1889 Interessierte aus dem Raum Ebern und Maroldsweisach einen stundenlangen Fußmarsch auf sich genommen, um an einer Konferenz in Haßfurt teilzunehmen, die Sozialdemokraten aus Schweinfurt ("die Sendboten") einberufen hatten. Als das Bezirksamt Haßfurt mit Hinweis auf die von Bismarck erlassenen Sozialistengesetze das Treffen auflöste, begaben sich die Genossen auf einen Spaziergang nach Sylbach, besprachen und beschlossen dabei alles.

War um 1907 die Sozialdemokratie im Maintal etabliert, dauerte es laut Leisentritt im oberen Haßgau noch: "Vor dem Ersten Weltkrieg hatte die Idee nie richtig Fuß gefasst."

Die ersten Hochburgen waren Marbach, Ditterswind und Maroldsweisach, wo die Steinbrucharbeiter der Gewerkschafts-Idee trotz der Repressalien der "Stein-Barone" folgten. Ein tragende Säule der SPD war der Arzt Dr. Konrad Röhrig aus Ermershausen.

Nach dem Zweiten Krieg gründete der Bergmann Engelbert Klee schon im November 1945 einen Eberner Ortsverein und Rudolf Metter anno 1946 den Kreisverband. Von Ebern aus erfolgten auch die Impulse zu Wiedergründungen in Altenstein, Marbach und Maroldsweisach. Prominente Besucher waren im Kreis waren Erich Ollenhauer, Herbert Wehner und Johannes Rau.

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