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Sommerzeit ist Reisezeit, oder?

Deutschland erlebt einen wahren Hitzesommer. Lohnt es sich da überhaupt, in den Urlaub zu reisen? Wie sieht es in der Region aus?
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Am Sander Baggersee den Sommerurlaub verbringen? Wieso nicht. Viele Camper genießen das Ambiente und wollen gar nicht ins Ausland. Jutta Rudel
Am Sander Baggersee den Sommerurlaub verbringen? Wieso nicht. Viele Camper genießen das Ambiente und wollen gar nicht ins Ausland. Jutta Rudel

Mit den Sommerferien verbinden die meisten Sonne, Badespaß und Entspannung. Viele verreisen dann ans Meer und besuchen neue Orte, denn: Sommerzeit ist Reisezeit. Oder? Bei tropischen Temperaturen von bis zu 40 Grad sowie erfrischenden Badeseen und Freibädern steht Deutschland den südlichen Reisezielen in nichts nach. Da klingt ein Urlaub auf "Balkonien" auch verlockend. Die Reisebüros in der Region hingegen merken davon nichts: "Die Leute wollen genauso verreisen wie sonst auch. Das hat mich bei diesem Wetter schon gewundert", sagt Bernd Ebert vom Reisebüro Ebern.

Auch Klaus Reuß vom Best Franken Reisebüro Reuß bestätigt: "Es kommen trotz des Wetters nicht weniger Kunden als sonst, eher das Gegenteil ist der Fall." Die Leute, die noch keinen Urlaub gebucht haben oder nichts finden, würden das Reisebüro als letzte Möglichkeit sehen, um ihren Sommerurlaub zu sichern. Der Hitzesommer macht sich also nicht durch ausbleibende Buchungen bemerkbar, allerdings sind "in diesem Jahr viele Urlaube innerhalb Deutschlands gebucht, weil das Wetter so schön ist".

Das beliebteste Reiseziel ist Deutschland aber für die Haßberger nicht. "Es gibt keinen Favoriten, alles ist durchwegs gut gebucht", sagt Reuß. "Es ist schwierig zu sagen, welche Urlaubsorte am meisten gebucht werden", sagt Bernd Ebert. "Es geht alles kreuzquer. Von Berlin, Österreich bis zu Korfu, Ägypten ist alles dabei. Das ändert sich täglich."

Im Gegensatz dazu ist es für ihn aber einfach zu sagen, welches Urlaubsland an Attraktivität verloren hat: "Gar keines." Die Zeiten der Tourismus Einbußen für politisch kritische Länder sind wohl vorüber: "Die Zahl der Buchungen von Flugreisen nach Ägypten und in die Türkei steigen sogar wieder, auch Griechenland ist gut gebucht", sagt Ebert.

Dabei sorgen Flugreisen momentan für Negativ-Schlagzeilen. Die Zahl der Flugausfälle und -verspätungen steigt. "Das macht zur Zeit viel Ärger!", bestätigt Bernd Ebert lachend. "Die Urlauber rufen mich an, wenn sie am Flughafen stehen und sich fragen, was soll ich jetzt machen? Ich muss mich dann darum kümmern, wie es weitergeht. Und den ersten Unmut bekomme ich natürlich auch ab, obwohl ich ja nichts dafür kann. Das ist schon ärgerlich und aufwendig."

Trotz der vielen Flugengpässe werden aber, so beide Reisebüroleiter, nicht weniger Flugreisen gebucht. Zwar begeben sich immer mehr Haßberger auf Kreuzfahrten, so Klaus Reuß, allerdings habe das eine mit dem anderen nichts zu tun. Ebenso könne man genauso bei einer Zugreise von Verspätungen und Zugausfällen betroffen sein. "Man merkt aber, dass die Leute genauer darauf achten, welche Airline sie buchen", sagt Ebert.

Die Camper am Sander Badesee haben solche Sorgen nicht. "Wir fahren seit 35 Jahren jedes Jahr hier her", sagt ein Familienvater. Die An- und Abreise erfolgt routiniert, das sei vor allem mit den Kindern deutlich angenehmer als eine Flugreise. "Man muss auch gar nicht wegfliegen, in Deutschland gibt es auch schöne Flecken", erzählt er. Das bestätigt eine andere Camperin. Sie verbringt ein paar Tage mit ihrem Mann und Sohn am See. Ins Ausland zum Sonnen fahren? Das sei überhaupt nicht nötig. "Man braucht gar nicht wegfahren. Es ist um ehrlich zu sein schon hier fast zu warm", sagt sie lachend.

Sabine Groß teilt dieselbe Meinung und weiß den Urlaub in der Heimat zu schätzen: "Wir fahren nicht weg. Das ist mein Reisedomizil." Jeden Tag von Saisonstart bis -Ende verbringt sie hier mit ihrem Mann und Hund. Die Gründe liegen für sie auf der Hand: "Man muss nicht tausend Klamotten einpacken, hat keinen Anreise- und Abreisestress. Man hat hier Seeblick, Wasser, einfach alles, was ich brauche. Und dabei wohne ich nur 20 Minuten weg", erklärt sie.

Das gute Wetter macht sich auf dem Campingplatz bemerkbar. "Es fällt schon auf, dass es in diesem Jahr mehr Dauercamper gibt also sonst", bestätigt Sabine. Das zeigt, dass viele doch nicht ins Ausland verreisen, um einen schönen Sommerurlaub zu verbringen. Wie dem auch sei - ob im Ausland, auf den Campingplätzen oder doch zu Hause auf "Balkonien" - am Ende geht es allen doch nur darum, eine Auszeit zu haben. Und die ist, egal wo man sie macht, "immer was für die Seele."



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