Aidhausen
Museumsbesuch

Solches Gespür wie in Friesenhausen findet man selten

Die Kreisräte schauten sich vor der Sitzung ein Kleinod an. Nach dem Tod der alten Besitzerin 1976 war der Kolonialwarenladen unverändert geblieben.
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Die alte Einrichtung des einstigen Kolonialwarenladens von Jakob Schmidt ist vielfach erhalten. Das Haus behutsam instand gesetzt. Andrea Meub bietet alle vier bis sechs Wochen am Wochenende Führungen an. Fotos: Brigitte Krause
Die alte Einrichtung des einstigen Kolonialwarenladens von Jakob Schmidt ist vielfach erhalten. Das Haus behutsam instand gesetzt. Andrea Meub bietet alle vier bis sechs Wochen am Wochenende Führungen an. Fotos: Brigitte Krause
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Wenn die Familie Häpp/Meub 2013 entschieden hätte, das alte Gerütsch einfach zusammenzuschieben - es wäre niemandem aufgefallen. Den alten, nahezu vollständig erhaltenen Kolonialwarenladen der alten Jakobs Lina hatte bis dahin kein Denkmalpfleger auf dem Schirm. Jetzt steht in dem Aidhäuser Gemeindeteil Friesenhausen dank des Gespürs der neuen Besitzerin Andrea Meub eine museale Kostbarkeit, die ihresgleichen sucht. Die Mitglieder des Kreis-Kulturausschusses schauten sich vor ihrer Sitzung am Dienstag das Gebäude mit seinen Räumen an.


Lob für den Umgang mit dem Denkmal


Andrea Meub, im Hofheimer Raum auch als "die Rosenkönigin" bekannt, erhielt von Bernhard Joos von der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landratsamt in Haßfurt allerhöchstes Lob: Dass jemand mit großem Aufwand und solch hohem Gespür ein Denkmal herrichte, "das findet man selten". Deswegen gab es auch Andrea Meub freute sich, attestierte beste Schützenhilfe durch die Behörde und erinnerte an den Beginn: "Jeder hat mir Angst gemacht vor dem Denkmalschutz."

Eine Vertreterin des Fränkischen Freilandmuseums Fladungen hätte das Gebäude samt Garten und Scheune am liebsten auf das Museumsgelände in die Rhön geholt. Hier stehen schon einige Objekte aus dem Landkreis - doch leider erwies sich der Aufwand für das Abtragen und den originalen Wiederaufbau als zu hoch. Aus der Sache wurde nichts.
Man könnte sagen: zum Glück. So liebäugelt die heutige Besitzerin Andrea Meub mit dem Gedanken, hier einmal ein Cafe zu eröffnen. Das stieß auf allgemeine Zustimmung. Die Auflagen seien allerdings, wie sie beim Besuch der Kreisräte deutlich machte, immens hoch. Was Landrat Wilhelm Schneider die Bemerkung entlockte: "Das müsste man halt mal eruieren."
Nachdem die Lina Schmidt, wie sie eigentlich hieß, 1976 gestorben war, stand das Haus in der Dahlbergstraße 8 jahrzehntelang da.

Nachbar Julius Häpp hatte von den Nachkommen den Schlüssel erhalten, weil er Interesse am Kauf bezeugt hatte. Er kümmerte sich darum, dass immer mal ein Ziegel am Dach erneuert wurde und es nicht hereinregnete. Bis es mit dem Kauf dann endlich klappte, 2013, war alles innen unberührt geblieben. Andrea Meub wusste anschaulich zu erzählen, durch welche Unappetitlichkeiten sie sich arbeiten mussten, selbst 40 Jahre alter Schinken, luftgetrocknet, fanden sie an der Decke baumelnd - freilich angeknabbert.


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